Multiple Sklerose: Behandlung und Therapie

Ein Arzt hält eine Spritze in der Hand (Thomas Siepmann/pixelio.de)
Multiple Sklerose ist nicht heilbar, der Verlauf und die Entwicklung lassen sich aber mit Therapien verzögern. (Thomas Siepmann/pixelio.de)

Multiple Sklerose (MS) wird auch die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ genannt. Entsprechend muss auch die Form der Therapie auf jeden einzelnen Patienten angepasst werden.

Heilbar ist Multiple Sklerose bisher nicht, in den letzten 20 Jahren wurden aber Therapien in Form medikamentöser Behandlung bis hin zu Physiotherapie entwickelt, die den Betroffenen gute Chancen eröffnen, die Entwicklung und den Verlauf der Krankheit zu verzögern und besser mit der Krankheit zu leben.

Je schneller die Krankheit diagnostiziert ist und mit der Behandlung begonnen wird, desto günstiger die Prognose. Grundsätzlich wird zwischen der Schubtherapie und der Langzeittherapie unterschieden. Die durch die Multiple Sklerose hervorgerufenen Symptome werden darüber hinaus mit einer Vielzahl ergänzender Massnahmen angegangen. Alle Behandlungen müssen mit dem Arzt abgestimmt werden.

Multiple Sklerose: Die Therapie während eines Schubes

Die Multiple Sklerose verläuft in über 80 Prozent der Fälle in Schüben. Um die Symptome in der akuten Entzündungsphase zu mildern, erfolgt eine sogenannte Schubtherapie. Deren Ziel ist es, während dem aktiven Schub die Entzündungsreaktion im zentralen Nervensystem zu mildern. Bei der Schubbehandlung werden Kortikosteroide (Kortison) als entzündungshemmende Stosstherapie eingesetzt. Sie können während eines Schubes die Rückbildung von Symptomen initiieren und beschleunigen.

Multiple Sklerose und deren langfristige Behandlung

Mit der Langzeit-Therapie der Multiplen Sklerose will man das Immunsystem beeinflussen und dadurch eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs sowie eine Verminderung der Schübe und deren Stärke erreichen. Sie wird auch als Basis-Therapie oder Verlaufs-Therapie bezeichnet.

Die Medikamente zur Langzeittherapie werden in Form von Spritzen oder Kapseln verabreicht. Es handelt sich um immunmodulierende Therapien mit Beta-Interferonen, Glatirameracetat, intravenösen Immunglobulinen (IVIG), Natalizumab und Fingolimod sowie Behandlungen mit Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid, Mitoxantron oder Azathioprin. Auf der Ebene der Pathophysiologie sollen die eingesetzten Wirkstoffe axonale Schäden verhindern, indem sie die Entzündungsreaktion im zentralen Nervensystem dämpfen. Die Immunsuppressiva erreichen dies, indem sie die Vermehrung von weissen Blutkörperchen hemmen.

Ein Masseur bei seiner Arbeit (Matthias Balzer/pixelio.de)
Physiotherapeutische Massnahmen können den bei MS häufig auftretenden spastischen Lähmungen entgegenwirken. (Matthias Balzer/pixelio.de)

Behandlung der Multiple Sklerose-Symptome

Die Symptome der Multiplen Sklerose sind sehr vielfältig. Sie werden bei Bedarf mit Fachärzten aus anderen medizinischen Gebieten angegangen, wie Urologen bei Störungen des Harnblasen- und Mastdarmsystems, Schmerztherapeuten zur Bekämpfung des Schmerzes, Psychologen bei Depressionen oder beim Auftreten des Fatigue-Syndroms, Neurologen bei kognitiven Störungen oder Logopäden bei Sprachstörungen.

Eine wichtige Rolle bei der interdisziplinären Therapie der Multiplen Sklerose kommt Physiotherapeuten und Ergotherapeuten zu. Denn zu den häufigsten Symptomen von MS gehören spastische Lähmungen, entweder als konstante Steifheit oder als gelegentliche Spasmen, also als Verkrampfung von Muskeln. Körperliche Therapie kombiniert mit antispastischen Medikamenten wie Boklofen kann bei der Behandlung von Patienten mit spastischer Lähmung wirksam sein.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten: Anwendung von Komplementärmedizin

Viele an Multipler Sklerose erkrankte Menschen nehmen neben oder anstelle der evidenzbasiert-medizinischen Therapie komplementär- oder alternativ-medizinische Behandlungen in Anspruch. In zahlreichen MS-Studien zeigt sich, dass drei Viertel der Patienten eine oder mehrere solcher Therapien anwenden oder alternative Therapeuten aufsuchen.

Die Anzahl der Angebote ist sehr gross und reicht von Akupunktur über Homöopathie bis hin zu Phytotherapie (pflanzliche Heilmittel). Die Alternativmedizin darf die medikamentöse MS-Therapie nicht ersetzen. Sie kann aber als Ergänzung im Individualfall sinnvoll sein, unter der Voraussetzung, dass sie nicht zusätzlich belastet. Auch hier gilt, dass die Therapie in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt geschieht.


Text: Patrick Gunti – 08/2012

Fotos: pixelio.de

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