Migräne: Komplexe Funktionsstörung des Gehirns

Mann hält sich den Kopf. (Bild: Uta Herbert/pixelio.de)
Als würde der Kopf bersten: Migräne-Attacken sind äusserst schmerzhaft. (Bild: Uta Herbert/pixelio.de)

Kopfschmerzen sind eine Volkskrankheit. Sie kommen in unterschiedlichen Formen, Stärken und Ursachen vor. Am weitesten verbreitet sind sogenannte primäre Kopfschmerzen wie die Migräne.

Kopfschmerzen sind kein Phänomen der Neuzeit. Berichte über Kopfschmerzsymptome lassen sich bis ins sechste Jahrtausend vor Christus zurückverfolgen. Auch die Migräne ist seit alters her bekannt: Hippokrates beschrieb rund 400 Jahre vor Christus eine typische Migräneattacke. Die Bezeichnung Migräne ist abgeleitet vom griechischen Begriff „Hemicrania“ (halbköpfig) und geht auf den griechischen Arzt Galen zurück.

Frauen häufiger betroffen als Männer

An Migräne leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung. In der Schweiz geht man von bis zu einer Million Betroffenen aus. Statistisch gesehen sind Frauen etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Am meisten treten Migräne-Attacken zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf.

Kosten in Milliardenhöhe

Für jeden einzelnen Betroffenen bringt die Erkrankung eine mehr oder weniger grosse Beeinträchtigung seiner Lebensqualität mit sich. Aber nicht nur: Prof. Dr. Günter Neubauer und Raphael Ujlaky bezifferten in ihrem Buch „Migräne - eine Volkskrankheit und ihre Kosten“ 2002 die direkten Kosten von Patienten und Krankenversicherungen für die ärztliche und medikamentöse Behandlung der Migräne auf 500 Millionen Euro. Die durch Arbeitsausfall und Produktivitätseinschränkungen zusätzlich entstehenden indirekten Kosten schätzten sie auf das Zehnfache dieser Summe.

Euro-Noten. (Bild: LiliGraphie/pixelio.de)
Migräne verursacht enorme volkswirtschaftliche Schäden. (Bild: LiliGraphie/pixelio.de)

Funktionsstörung des Gehirns

Per Definition handelt es sich bei der Migräne um eine zeitweise auftretende Funktionsstörung des Gehirns. Dabei besteht eine gesteigerte Nervenerregbarkeit und verstärkte Freisetzung von Schmerz auslösenden Botenstoffen im Gehirn. Mit der Schmerzreaktion kommt es auch zur vorübergehenden Entzündung von Gefässen im Gehirn.

Ursachen für Migräne nicht definitiv geklärt

Die Migräne gilt als eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Ursachen, die zur komplexen Funktionsstörung des Gehirns führen, sind noch nicht definitiv geklärt. Fest steht aber, dass Migräne ein Mosaik aus vielen Teilmechanismen ist.

Die Migräne äussert sich oftmals auch durch eine plötzlich auftretenden Aura (Einengung des Gesichtsfeldes und Wahrnehmung von meist zackenförmigen Mustern im Gesichtsfeld) und erst danach durch starke, anfallsartige, pulsierende und meist halbseitig auftretenden Kopfschmerz. Dieser wird oft von zusätzlichen vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Attacken dauern 2 bis 72 Stunden. Ihnen geht eine Vorphase voraus, nach der Migräne folgen eine Rückbildungsphase, bei der die Symptome abnehmen und eine Erholungsphase.

Migräne mit oder ohne Aura

Bei etwa 15% der Migräne-Betroffenen kommt dazu eine sogenannte "Auraphase". Bei der Migräne mit Aura werden meist visuelle Störungen wie Blendungsgefühl, Gesichtsfeldausfälle, Gesichtsfeldreduzierungen, Lichtblitze, Zackenmuster oder Doppelbilder wahrgenommen. Zudem können andere signifikante Wahrnehmungs-Störungen wie eine Vergrösserung oder Verkleinerung wahrgenommener Gegenstände und Störungen des Farbsinns vorkommen.

Viele Betroffene klagen auch über einseitige Gefühlsstörungen in Gesicht und Arm, Sprachstörungen oder motorische Störungen bis hin zu veritablen (halbseitigen) Lähmungserscheinungen.

Mann reibt sich die Schläfen. (Bild: Uta Herbert/pixelio.de)
Migräne-Patienten leiden an anfallsartigen, pulsierenden und meist halbseitigen Schmerzen. (Bild: Uta Herbert/pixelio.de)

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

Wichtig ist die Abgrenzung von Migräne gegenüber anderen Kopfschmerzen, denn man kennt über 250 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Die International Headache Society teilt sie seit 1988 nicht mehr nach Ursache, sondern nach Art und Häufigkeit der Symptome ein. Seit 2003 ist folgende Unterscheidung internationaler Standard:  

  • Primäre Kopfschmerzen
    Darunter fällt die Migräne, ebenso Spannungskopfschmerz oder Cluster-Kopfschmerz. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Ursache der Kopfschmerzen nicht eindeutig bekannt ist. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass verschiedenartige Mechanismen im Gehirn selbst zur Entstehung der Kopfschmerzen beitragen.

  • Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen
    Darunter fällt eine Vielzahl von Kopfschmerzsyndromen. Die Schmerzform tritt als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung auf. Ursachen für sekundären Kopfschmerz sind zum Beispiel Verletzungen, Tumore, Augenerkrankungen, Bluthochdruck oder auch Zahnfehlstellungen.

  • Andere Kopfschmerzerkrankungen
    In der dritten Gruppe finden sich verschiedenartige Kopfschmerzen, deren Entstehung durch ganz spezielle Mechanismen ausgelöst wird.

Über 90% aller Kopfschmerzerkrankungen sind Migräne und Spannungskopfschmerzen aus dem Bereich „Primäre Kopfschmerzen“. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen diesen beiden Kopfweharten:

Spannungskopfschmerzen verbessern sich bei einer leichten körperlichen Aktivität, während sich eine Migräneattacke durch körperliche Aktivität verschlimmert. Bei Spannungskopfschmerzen wird ein dumpfer, drückender Schmerz wahrgenommen, der zwar Schmerzen verursacht, aber in den meisten Fällen die Verrichtung von alltäglichen Dingen nicht behindert. Und anders als bei der Migräne, treten meist keine Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit auf.

Text: Patrick Gunti - 09/2014

Bilder: pixelio.de
 

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!

Links zu diesem Artikel