Herzinfarkt: Der lange Weg zurück ins Leben

Stent in Nahaufnahme
An der verengten Stelle wird zur Ausweitung des Herzkranzgefässes ein Stent platziert (Foto: W.L. Gore & Associates GmbH)

Bei einem akuten Herzinfarkt geht es vordringlich darum, das verschlossene Blutgefäss so schnell wie möglich wieder zu öffnen und das Leben der Patienten zu retten. Viele weitere Schritte der Therapie und Rehabilitation folgen, ebenso eine Umstellung des Lebensstils.

Erleidet jemand einen akuten Herzinfarkt, gilt es für Personen im Umfeld rasch und überlegt zu handeln. Der Faktor Zeit ist von entscheidender Bedeutung, denn je kürzer die Schädigung des Herzmuskels andauert, desto besser sind die Überlebenschancen und desto erfolgversprechender später die Rehabilitation der Patienten. Deshalb empfiehlt die Schweizerische Herzstiftung sofort zu handeln, die 144 anzurufen und sofort den Verdacht nach Herzinfarkt zu äussern. 

Gefahr des Herzstillstandes durch Kammerflimmern

Bis zum Eintreffen des Rettungswagens sollten Patienten nicht alleine gelassen und mit angehobenem Oberkörper auf einem Bett, Sofa oder am Boden gelagert werden. Diese Position entlastet das Herz und macht dem Patienten das Atmen leichter. Erleichterung verschafft ihnen ausserdem das Öffnen von engen Kleidern, Krawatten oder Büstenhaltern.

In der ersten Stunde ist die Gefahr eines Herzstillstandes durch Kammerflimmern am grössten. Nur eine rasch einsetzende Herz-Lungen-Wiederbelebung durch entsprechend geschulte Anwesende oder den Rettungsdienst kann in diesem Fall den Tod oder eine schwere Schädigung des Gehirns verhindern.

Die erste zügige klinische Untersuchung durch den Notarzt vor Ort sieht Blutdruckmessung und Abhören von Herz und Lunge vor. Der Patient wird an ein EKG angeschlossen und über einen Monitor werden Herzfrequenz, Herzrhythmus, Sauerstoffsättigung und Blutdruck überwacht.

Überwachung auf Intensivstation
Nach der Operation wird der Herzinfarktpatient einige Tage auf der Intensivstation überwacht (Foto: B. Braun Melsungen AG)

Notarzt leitet medikamentöse Ersttherapie ein

Die medikamentöse Therapie zielt in der Akutsituation auf eine möglichst optimale Sauerstoffversorgung des Herzens, die Schmerzbekämpfung, die Abgabe eines gerinnselauflösenden Medikamentes und eine Vermeidung weiterer Blutgerinnselbildung.

Die Rettungswagen sind zur Erstversorgung in der Regel hervorragend ausgerüstet, so dass bereits hier eine Einleitung der Therapie möglich ist. Das Rettungsfachpersonal steuert das nächstgelegene Krankenhaus an, das für einen entsprechenden Notfall ausgerüstet ist. Verfügt das Krankenhaus nicht über die erforderliche Ausstattung, wird schnellstmöglich eine Verlegung in ein kardiologisches Zentrum organisiert.

Stentimplantation: Wiedereröffnung des Gefässes

Im Krankenhaus ist es das erste Ziel der behandelnden Ärzte, eine Infarktausdehnung zu verhindern und eine Wiedereröffnung (Reperfusion) des verschlossenen Herzkranzgefässes zu erreichen. Bei entsprechender Ausstattung wird heute am häufigsten eine sogenannte perkutane Koronarintervention (PCI) mit Ballondilatation und Stentimplantation eingeleitet: Dabei wird nach der Ausdehnung der Herzkranzgefässe mittels eines Ballons eine Gefässstütze (Stent) an der verengten Stelle platziert, um einen erneuten Verschluss zu verhindern.

Bypass-Operation als Alternative

Wenn die Herzkranzarterien über längere Strecken verengt sind, wird von den Ärzten auch eine Bypass-Operation in Betracht gezogen. Dabei wird die Gefässverengung mit einem Stück eines anderen Blutgefässes überbrückt. Allerdings haben Stent-Implantationen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Sie werden heute in der Schweiz fünf Mal häufiger vorgenommen als Bypass-Operationen.

Früchte auf schwarzem Untergrund
Gesunde, salz- und fettarme Ernährung ist ein wichtiges Element des Lebens nach einem Herzinfarkt (Alexandra H./pixelio.de)

Rehabilitation unerlässlich

Nach einer erfolgreichen Akuttherapie wird der Patient einige Tage auf der Intensivstation überwacht und medikamentös weiter behandelt. An den Krankenhausaufenthalt, dessen Dauer von der Schwere des Infarkts und dem Verlauf der Therapie abhängt, schliesst sich eine Rehabilitation in einer Klinik oder aber in einem ambulanten Therapiezentrum an.

Neuer Lebensabschnitt

Schwerpunkte dort sind Physiotherapie aber auch psychosoziale Betreuung. Denn alle Betroffenen stehen nach diesem Erlebnis vor vielen persönlichen, familiären und sozialen Fragen und dem Start in einen neuen Lebensabschnitt, der mit vielerlei Unsicherheiten verbunden ist. Zu diesem „neuen Leben“ und der Prävention vor einem weiteren, dann möglicherweise tödlichen Infarkt, gehört auch ein veränderter, gesünderer Lebensstil.

Im Zentrum stehen

  • ein definitiver Nikotinstopp
  • eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • gesunde salz- und fettarme Ernährung
  • verschiedene, an die Herzleistung angepasste körperliche Betätigungen wie Wandern, Schwimmen oder Radfahren
  • der Abbau von Stressfaktoren und
  • das Erlernen von Entspannungstechniken.

Ein hoher Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte oder Blutzuckerwerte bei Diabetes müssen mit geeigneten Mitteln eingestellt werden. Überhaupt sind Herzinfarkt-Patienten gezwungen, lebenslang Medikamente einzunehmen, die Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelschwäche vorbeugen. Die konsequente Einnahme reduziert das Risiko eines erneuten Herzinfarktes.

Für die Langzeitprognose nach einem akuten Herzinfarkt ist es entscheidend, eine gesunde Lebensweise konsequent einzuhalten. Ebenso bedeutend sind die erfolgreiche Behandlung der Risikofaktoren für einen weiteren Herzinfarkt, und ob die Herzkranzgefäss-Erkrankung fortschreitet.

 

Text: Patrick Gunti – 02/2012

Fotos: pixelio.de / W.L. Gore / B. Braun Melsungen / GUIDANT GmbH

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