Medikamente bei Epilepsie

Ein epileptischer Anfall kann jederzeit auftreten. (Bild: pixabay.com)

Die Epilepsie gehört zu den ältesten bekannten Krankheitsbildern. Sie ist eine neurologische Erkrankung, bei der Abläufe im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten sind. Dadurch wird eine Unmenge an Bewegungsimpulsen zu den Muskeln gesendet und es kommt zu dem bekannten Bild mit Muskelzuckungen und Krämpfen. Heutzutage stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die vielen Patienten ein Leben fast ohne Einschränkung ermöglichen.

Medikamentöse Behandlung bei Epilepsie ist eine Langzeitbehandlung, die sich über Monate, Jahre oder ggf. das ganze Leben erstrecken kann, aber nicht zwangsläufig muss. Dabei sollte gesichert sein, dass die täglich verschriebene Dosis auch tatsächlich eingenommen wird. Unregelmässigkeiten vermindern nicht nur den Schutz, sie können auch verursachen, dass sich die zukünftige Anfallssituation erheblich verschlechtert. Nebenwirkungen sind sofort dem behandelnden Arzt mitzuteilen.

Viele Patienten fürchten, dass antiepileptische Medikamente Psychopharmaka sind, mit denen sie „ruhig gestellt" werden sollen. Manche glauben vielleicht auch, das Medikament könne kaum richtig helfen, wenn nicht auch unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten würden. Dies alles ist nicht der Fall. Hinzu kommen Ängste vor Nebenwirkungen, die sich, wenn man den Beipackzettel eines Medikamentes durchliest, oft noch verstärken.

Die meisten antiepileptischen Medikamente sind bei langfristiger Einnahme sehr gut verträglich. Mögliche Langzeitschäden (beispielsweise Kalkarmut der Knochen) können durch regelmässige ärztliche Kontrolle vermieden werden. Nur wenige Nebenwirkungen sind so gefährlich, dass die Behandlung verändert werden muss. Eine Verringerung der Einnahmemenge oder ein Stopp der Medikamenteneinnahme muss unbedingt von einem Arzt überwacht werden, weil dabei eine gefährliche Anfallshäufung (Entzugsanfall bis hin zum lebensgefährlichen "Status epilepticus") auftreten kann.

Häufig verschriebene Wirkstoffe sind beispielsweise: Carbamazepin, Ethosuximid, Felbamat, Gabapentin, Kaliumbromid, Lamotrigin, Levetiracetam, Mesuximid, Midazolam, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Pregabalin, Topiramat, Valproat (Valproinsäure), Vigabatrin, Zonisamid.

Der Arzt richtet sich bei der Wahl des passenden Medikaments unter anderem nach der Art der Epilepsie. Ausserdem muss er Verträglichkeit und mögliche Medikamenten-Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Leberbelastung, Interaktion mit anderen Medikamenten, psychische Reaktionen im Blick haben und auf den Patienten abstimmen.

Einige unerwünschte Wirkungen treten oftmals nur zu Beginn einer Behandlung auf. Es handelt sich dabei oft um Überempfindlichkeitsreaktionen des Körpers (Allergien), die in den ersten Wochen bis Monaten einer Behandlung vorkommen können. Sie bestehen oft aus Hautausschlägen, zum Teil mit Juckreiz oder Fieber. Am Anfang einer Behandlung ist nicht vorhersehbar, ob eine solche Reaktion auftritt oder nicht. Sie macht oft den Wechsel auf ein anderes Medikament notwendig. Bedrohlich ist es, wenn Ausschläge auch im Mund vorkommen oder wenn Bläschen in der Haut entstehen.

Andere Nebenwirkungen entstehen, wenn die eingenommene Menge des Wirkstoffs zu hoch ist. Sie können darin bestehen, dass man sich schwindelig fühlt, müde ist oder Sehstörungen hat. Das Denken und Handeln kann verlangsamt sein, die Sprache „verwaschen" oder es kann Übelkeit und Erbrechen auftreten. Solche Nebenwirkungen bilden sich wieder zurück, wenn die Tablettenmenge verringert wird. Die Menge, die ohne Nebenwirkungen noch vertragen wird, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden und vor Beginn einer Behandlung nicht bekannt.

Beispiele für unerwünschte Wirkungen:

Haut: allergischer Ausschlag, Blasenbildung (bedrohlich)   

Knochenmark: Blutbildung gestört

Magen und Darm: Übelkeit, Erbrechen, Appettitstörung

Lymphsystem: Schwellung der Lymphknoten

Knochen: Entkalkung 

Leber: Entzündung

Gehirn: Schwindel, Müdigkeit, Sehstörung, verwaschene Sprache

Vorsicht, Wechselwirkung:

Manche Antiepileptika können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, so dass sich der Effekt abschwächt oder verstärkt. Vor allem bei sogenannten blutverdünnenden Medikamenten wie Cumarinen, Immunsuppressiva oder der "Anti-Baby-Pille" muss das beachtet werden.

Frauen mit Epilepsie, die sich Kinder wünschen, sollten nach Möglichkeit etwas vorausdenken, damit kein Risiko für ihr ungeborenes Baby entsteht. Je sorgfältiger eine Schwangerschaft im Vorfeld geplant ist, desto besser. Insbesondere sollte die Therapie zuvor vom Arzt entsprechend angepasst sein. Wichtig ist ausserdem eine ausreichende Versorgung mit Folsäure.

Oft wichtig: Vitamine gezielt ergänzen

Patienten, die bestimmte Epilepsie-Medikamente nehmen, müssen besonders gut auf ihre Vitaminversorgung achten. Oft brauchen sie Vitamine sogar in Form von Präparaten, als genau angepasste Nahrungsergänzung. Denn die Arzneistoffe beeinflussen den Blutspiegel mancher Vitamine. Dies gilt insbesondere für sogenannte enzyminduzierende Antikonvulsiva (Anfallsblocker) wie das Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital, aber auch für den Enzymhemmer Valproinsäure. Seit langem ist bekannt, dass diese Medikamente in den Vitamin D-Stoffwechsel eingreifen und zur Osteoporose (Knochenentkalkung) führen können. Wirkstoffe wie Phenobarbital oder Topiramat führen unter Umständen zu niedrigeren Vitamin B12-Werten. Beides kann negative Folgen haben, zum Beispiel die Blutbildung beeinträchtigen und negative Einflüsse auf die Kognition (das Denkvermögen) haben. Über dieses Thema sollten Patienten am besten mit ihrem behandelnden Arzt sprechen.

Text: Helga Grafe - 05/2

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!