Allergien: Von Pollen, Nüssen und anderen Plagen

Ein schneuzendes Mädchen. (Bild: Thomas Blenkers/pixelio.de)
Gesundheit! Heuschnupfen-betroffene sehen dem Frühlingsbeginn oft mit Unbehagen entgegen. (Bild: Thomas Blenkers/pixelio.de)

Diese Stoffe, auf die der Körper reagiert, sind meist harmlos – dafür sind die Folgen für Allergiker aber nervig, wenn nicht sogar lebensbedrohlich. Allergien machen gut einem Drittel der Schweizer Bevölkerung das Leben schwer.

Frühlingszeit – Pollenflugzeit. Wenn von Allergien die Rede ist, haben viele Menschen das Bild des dauerniesenden Heuschnupfengeplagten mit rötenden Augen vor sich.

Nicht zu Unrecht: An der allergischen Rhinitis, wie der Heuschnupfen von Medizinern genannt wird, leidet die Hälfte der Schweizer Allergiker. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind es rund 12 bis 17 Prozent.

Jeder dritte Schweizer betroffen

Dabei bleibt es nicht nur beim Heuschnupfen. Das Allergiezentrum Schweiz geht von rund 35 Prozent Allergiebetroffenen in der Schweiz aus. Die Einschätzung ist so hoch, weil viele - oftmals schwächere - Allergien meist gar nicht diagnostiziert und folglich nicht erfasst werden. 

Medizinisch gesehen ist eine Allergie eine Überreaktion des Immunsystems auf normalerweise unschädliche Umweltstoffe. Das heisst, der Körper bekämpft diese harmlosen Stoffe so, als wären sie gefährliche Krankheitserreger. Das äussert sich oft durch Symptome wie juckende Augen, gerötete Haut, Asthmaanfälle oder gar anaphylaktische Schocks, die mitunter lebensbedrohlich sein können.

Birke, im Hintergrund ein blauer Himmel. (Bild: Europäische Stiftung für Allergieforschung)
Auf vergleichsweise harmlose Stoffe wie Birkepollen überreagiert das Immunsystem des Allergikers. (Bild: Europäische Stiftung für Allergieforschung)

Allergene als Auslöser

Allergene sind Stoffe, die eine Allergie auslösen. Bei einer Allergie findet folglich eine Überreaktion des Körpers auf ein bestimmtes Allergen statt. Die Immunreaktion ist das, was Allergien von Unverträglichkeiten – wie etwa gegenüber Milchprodukten – unterscheidet. Bei einer Unverträglichkeit verfügt der Körper nicht oder zu wenig über das passende Enzym, um einen bestimmten Stoff abzubauen.

Warum es zu diesen übertriebenen Abwehrmechanismen bei Allergien kommt, darüber sind sich die Forscher nicht einig. Es spricht jedoch viel dafür, dass verschiedene Faktoren für die Entstehung von Allergien entscheidend sind. Genetische Ursachen, zuviel Hygiene und selbst Impfungen werden unter anderem als mögliche Auslöser in Betracht gezogen.

Mögliche Gründe für die Zunahme an Allergien

Ausserdem verzeichnen Wissenschaftler seit Jahren einen stetigen Anstieg von allergischen Erkrankungen in Industrieländern, was den Schluss nahelegt, dass die Umweltverschmutzung ebenso ein entscheidender Faktor sein könnte.

Die Klassifizierung von Allergien in verschiedene Typen erfolgt anhand zweier Kriterien: Zum Einen zählt der Reaktionsmechanismus, zum Anderen die Reaktionszeit, das heisst die Zeit, die nach Kontakt mit dem Allergen verstreicht, bis die ersten Symptome auftreten. Die Europäische Stiftung für Allergien Forschung (ECARF) unterteilt Allergien über diese zwei Kriterien in insgesamt vier Typen.

Typ I: Soforttyp, anaphylaktische Reaktion

Dieser Allergie-Typ zeichnet sich dadurch aus, dass die Symptome sofort oder innerhalb weniger Minuten auftreten. In der Regel sind die Haut oder Schleimhäute betroffen. Fast immer handelt es sich bei den Allergenen der Typ-I-Allergien um Eiweiße. Zahlenmässig sind die Allergien vom Typ I am häufigsten vertreten.

Beispiele von Typ I-Allergien sind Heuschnupfen, Nesselsucht, Allergien gegen Tierhaare, Nahrungsmittel, Latex, Hausstaubmilben oder Medikamente.

Typ II: Allergien vom zytotoxischen Typ

Bei Allergien vom Typ II werden die körpereigenen Zellen so geschädigt, dass sie vom Körper als Allergene eingestuft werden. Spezifische Antikörper werden direkt an die Oberfläche der Zellen gebunden, dadurch wird die Zelle selbst zum Antigen, das bekämpft werden muss. Typ II-Allergien sind allerdings sehr selten.

Autoimmune hämolytische Anämien, Rhesusunverträglichkeit bei Neugeborenen oder Blutgruppenunverträglichkeit sind Beispiele für Allergien vom Typ II.

Pricktest am Unterarm eines Menschen. (Bild: Europäische Stiftung für Allergieforschung)
In einem Allergietest wird die Körperreaktion auf verschiedene Allergene getestet. (Bild: Europäische Stiftung für Allergieforschung)

Typ III: Allergien vom Immunkomplextyp

Medikamenten-Allergien äussern sich oftmals anhand von Typ III-Reaktionen.  Hierbei werden körperfremde Stoffe – zum Beispiel Medikamente – im Blut durch Antikörper gebunden, wodurch grössere Zusammenschlüsse entstehen, die sich zum Beispiel an der Haut oder an den Nieren festsetzen. Dies führt zu lokalen Entzündungsreaktionen, die sich auf der Haut meist in Form eines Hautausschlages zeigen, manchmal in Verbindung mit Einblutungen, Schädigungen der Haut und Juckreiz.

Hierzu gehören beispielsweise Vaskulitis (Gefässentzündung), Serumkrankheit, Farmerlunge und Arthritis (Entzündungen der Gelenke).

Typ IV: Zelluläre Immunreaktion, Spättypallergie

Charakteristisch für die Allergien vom Typ IV ist das zeitverzögerte Auftreten der allergischen Reaktion. Wie bei Typ II lagern sich Allergene beziehungsweise körperfremde Stoffe an Körperzellen an und aktivieren spezifische T-Lymphozyten, die diese Zellen erkennen und bekämpfen. Dabei kommt es zu einer Schädigung des umliegenden Gewebes.

Bei diesem "Erstkontakt" prägen sich die T-Zellen die durchgeführte Abwehraktion ein, und sobald sie mit dem gleichen Allergen noch einmal in Kontakt kommen, lösen sie heftige allergische Reaktionen aus. Da die (Re-)Aktivierung der T-Lymphozyten und die Zelleinwanderung jedoch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, tritt die allergische Reaktion nicht sofort, sondern erst 12 bis 72 Stunden nach dem Allergenkontakt auf.

Beispiele für Reaktionen vom Typ IV sind Transplantatabstossung, Tuberkulinreaktion (Tbc-Test) oder Kontaktallergien wie etwa eine Nickelallergie.


Text: Thomas Mitterhuber, Simon Müller – 04/2012

Bilder: Europäische Stiftung für Allergieforschung – ECARF, pixelio.de

Quelle: Europäische Stiftung für Allergieforschung – ECARF

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