Asperger: Schwierigkeiten im sozialen Bereich

Eine Junge packt ein Mädchen am Kragen. (Bild: Martin Büdenbender/pixelio.de)
Durch ihr Verhalten werden Menschen mit dem Asperger-Syndrom oft ausgegrenzt. Schule und Lehrer sind gefordert. (Bild: Martin Büdenbender/pixelio.de)

Lesen Sie hier, dass viele Menschen mit dem Asperger-Syndrom kaum Freundschaften haben und wie sich dies im ungünstigen Falle auf ihre Familien auswirken kann.

Sowohl Thomas als auch Simone haben kaum Freunde. Franziska Nerl sagt, Thomas habe zwar zwei Freunde im Gymnasium, aber sie müsse ihn immer wieder darauf aufmerksam machen, dass er sich doch mal wieder bei diesen melden solle. "Thomas ist sehr sportlich und gut in der Leichtathletik. Das hilft seinem Ansehen, aber er lebt zurückgezogen, ist am liebsten in seinem Zimmer und sitzt an seinem PC. Soziale Kontakte pflegt er vor allem über Mail und Skype."

Barbara Gärtner beobachtet Ähnliches: "Simone hat eigentlich nur eine Freundin. Sie ist viel alleine und schafft sich ihre eigene Welt, in die sie sich zurückziehen kann."

Schule und Lehrer gefordert

Sozialkontakte in der Schule bestünden praktisch keine, und auch im Turnverein oder Judoclub, in denen Simone aktiv ist, hätten sich wenig vertiefte Kontakte ergeben. Simone habe wohl viele Klassenkameraden mit ihrem Verhalten verschreckt, sagt Barbara Gärtner und fügt an: "Es trifft Simone, dass sie so viel alleine ist." Jetzt, da die Diagnose Asperger vorliegt, erhofft sich Gärtner auch Unterstützung und Verständnis von den Lehrern und den Eltern der Mitschüler.

Ähnliches hat Franziska Nerl erlebt. Sie sah sich gezwungen, Thomas im dritten Schuljahr aus der Klasse zu nehmen. Er war von seinen Klassenkameraden drangsaliert worden. Als er sich wehrte, eskalierte die Situation. Erst später wurde klar, dass Thomas am Asperger-Syndrom leidet. In einem privaten Langzeit-Gymnasium findet Thomas heute das geeignete Umfeld, unterstützende Lehrer und vor allem eine Schulbegleitung, die vieles aufarbeitet.

Erlebnisse hinterlassen Spuren

Das Erlebte hat im Umfeld Spuren hinterlassen - bis heute: "Es hat einfach Erlebnisse gegeben, die auf Thomas zurückgeführt wurden, manchmal zu recht, oft aber auch nicht." Dies hat dazu geführt, dass die Familie heute über einen ziemlich kleinen Bekanntenkreis verfügt, oder wie es Franziska Nerl ausdrückt: "Wir sind nicht die Familie, die von allen eingeladen wird - und umgekehrt." Nach den Vorkommnissen in der Schule hat sie auch im Dorf wenig Kontakt und fährt noch heute zum Einkaufen lieber ins Nachbardorf.

Sowohl Thomas wie auch Simone erfahren in ihrem privaten Umfeld grosse Unterstützung. Barbara Gärtner sagt, es gebe viel zu tun und jetzt kurz nach der Diagnosestellung auch viel zu organisieren. Im Moment müsse sie einen Tag nach dem anderen nehmen und schauen, was auf ihre Tochter, ihr Umfeld und auf sie persönlich zukomme.

Auch Franziska Nerl meint, grundsätzlich bedeute das Asperger-Syndrom ihres Sohnes mehr Aufwand, man müsse sich halt immer zweimal überlegen, wie Dinge und Situationen bei Thomas ankämen. "Ich versuche, Aktuelles direkt anzusprechen, die Dinge sachlich zu erklären und Situationen zu erläutern", erklärt sie und sagt abschliessend: "Es entwickelt sich, es wird besser."

 

*Namen von der Redaktion geändert

Text: Patrick Gunti - 08/2013

Bilder: pixelio.de

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