Medikamentöse Therapie bei Demenz

Die Medikation gegen Demenz-Erkrankungen steckt noch in den Kinderschuhen (Bild: Pixabay)

Die bislang vor allem für die Alzheimer-Krankheit verfügbaren Medikamente beschränken sich auf die Behandlung der Symptome und können im Optimalfall eine zeitweise Stabilisierung der Denkleistung und Alltagskompetenz bewirken.

Medikamente, die dem demenz-typischen Verlust von denk- und gedächtnisbezogenen (= kognitiven) Fähigkeiten entgegenwirken sollen, nennt man Antidementiva. Diese werden gegen die Hauptsymptome der Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Sie sollen kognitiven Einbussen entgegenwirken und eine Verzögerung des Krankheitsverlaufes bewirken.

Derzeit sind vier Wirkstoffe zur Therapie der Alzheimer-Krankheit zugelassen:

Acetylcholinesterase-Hemmer
Sie sind für die Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Krankheit vorgesehen.

  • Donepezil (z.B. Aricept®)
  • Galantamin (z.B. Reminyl®)
  • Rivastigmin (z.B. Exelon®)

Nebenwirkungen dieser drei Medikamente:
Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Magenverstimmung, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust.
Seltener auch Schlafstörungen, Schwindel, Müdigkeit und Muskelkrämpfe.
Die Nebenwirkungen verschwinden in der Regel wenige Wochen nach Beginn der Behandlung.

Wirkungsweise:
Acetylcholin ist für die Signalübertragung von einer Nervenzelle zur anderen zuständig. Bei der Alzheimer-Krankheit wird der Botenstoff nicht mehr in ausreichender Menge produziert. Diese "Hemmer" sorgen dafür, dass der Abbau von Acetylcholin an der Synapse verzögert wird. So lässt sich der Mangel im frühen bis mittleren Stadium der Krankheit für einige Zeit ausgleichen. Die Patienten können durch eine verbesserte kognitive Leistung und Alltagsbewältigung von der Behandlung profitieren. In der Behandlung von herausforderndem Verhalten, wie es als Begleiterscheinung einer Demenz häufig auftritt, sind Acetylcholinesterase-Hemmer nicht oder kaum wirksam.

Glutamat-Rezeptorantagonist
Es wird bei mittelschweren und schweren Formen der Alzheimer-Krankheit eingesetzt.

  • Memantin (u.a. Axura®, Ebixa®) 

Nebenwirkungen:
Meist nur schwache Symptome wie Schwindel, Verwirrtheit, Kopfschmerzen und Verstopfung.
Vorsicht: Memantin-Präparate sollten nicht von Personen mit Nierenproblemen eingenommen werden.

Wirkungsweise:
Der Botenstoff Glutamat ist unverzichtbar für das Lernen und das Gedächtnis. Die Nervenzellen von Alzheimer-Patienten werden jedoch durch zu viel Glutamat belastet und können dadurch absterben. Der Glutamat-Rezeptorantagonist schützt die Nervenzellen vor dem übermässigen Einstrom von Glutamat. Im mittleren bis späten Stadium der Krankheit können Lernfähigkeit und Gedächtnisleistung somit länger aufrechterhalten werden. Bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung wird keine Wirkung beobachtet und daher wird in diesem Fall von einer Behandlung abgeraten.
Bei Alzheimer wird der Wirkstoff Memantin eingesetzt, welcher unter verschiedenen Handelsnamen zu finden ist.

Angst wird oft als Begleiterscheinung bei Demenz erlebt. (Bild: Pixabay)

Therapie von Störungen des Erlebens und Verhaltens bei Demenz

Entgegenwirken bei "Herausforderndem Verhalten" (als Reaktion auf das Verlusterleben)
Ein Erstes, nicht medikamentöses Eingreifen durch soziale Integration ist anzustreben. Bei schwerwiegender Verstimmung ist eine Behandlung mit Antidepressiva und Neuroleptika aber fast unumgänglich.

Bei allen Demenz-Erkrankungen können neben der Beeinträchtigung des Denkens und des Gedächtnisses auch Störungen im Erleben und Verhalten auftreten (auch als "nicht-kognitive Symptome" oder "herausforderndes Verhalten" bezeichnet), z.B. DepressionAggression oder Angst. Häufig entstehen Angst, Depression und Aggression als Abwehrverhalten bzw. Reaktion auf das Verlusterleben, das mit der Erkrankung einhergeht. Es sollte zunächst versucht werden, auf nicht-medikamentöse Art einzugreifen, z.B. durch den Einsatz von Hilfsmitteln, die das tägliche Leben erleichtern, oder Massnahmen, die die soziale Integration fördern und erhalten. Ist dies nicht hilfreich und ist die Empfindens- oder Verhaltensstörung für die erkrankte Person und ihre Angehörigen stark belastend, kann der Einsatz von Medikamenten erwogen werden.

Antidepressiva

Zu dieser Gruppe von Medikamenten gehören die Wirkstoffe / Arzneimittel

  • Citalopram (z.B. Cipralex®)
  • Fluoxetin (z.B. Fluctin®)
  • Paroxetin (z.B.Paroxat®)
  • Sertralin (z.B. Seroquel®)

Nebenwirkungen:
Appetitlosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Beschwerden, Nervosität und Kopfschmerzen.
Zusätzlich bei Paroxetin: Verwirrtheit, Halluzinationen. Zusätzlich bei Fluoxetin: Schlafstörungen.

Die sich ändernden Lebensumstände sind für die Menschen mit Alzheimer nicht leicht zu akzeptieren. Eine Depression kann die Folge sein. Diese sollte unbedingt behandelt werden, da sie sich negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken und die Alzheimer Symptome somit verstärken kann. Umgekehrt kann aber auch der Grund der Vergesslichkeit in einer Depression liegen. Dies wird bei der Diagnosestellung abgeklärt. Zur Behandlung depressiver Verstimmungen werden sogenannte Antidepressiva eingesetzt. Diese Medikamente eignen sich bei Alzheimer Patienten aber auch zur Therapie von Schlafstörungen, leichten psychomotorischen Unruhezuständen und Ängsten. Die Auswahl der in Frage kommenden Medikamente ist jedoch beschränkt, da die schon länger im Gebrauch befindlichen «trizyklischen» Antidepressiva die Effekte von Acetylcholin abschwächen und daher bei Demenzkranken nicht gegeben werden dürfen.

Neuroleptika

Sogenannte «Nervendämpfungsmittel». Sie vermindern die Konzentration des Transnmitters (Überträgerstoffes) Dopamin im Gehirn und wirken dadurch beruhigend. Die Wirkstoffe im einzelnen:

  • Risperidon
  • Aripiprazol
  • Haloperidol
  • Clozapin (z.B. Leponex®)
  • Quetiapin (z.B.Seroquel®)

Nebenwirkungen:
Schläfrigkeit, Harnwegsinfekte, Inkontinenz und vermehrtes Schlaganfallrisiko. Zusätzlich bei Risperidon und Haloperidol: Bewegungsstörungen, Einschränkung des Gehens. Zusätzlich bei Clozapin: Verwirrtheit und Blutbildveränderungen

Besonders empfindlich gegenüber den unerwünschten Wirkungen der Neuroleptika sind Patienten mit Demenz bei Parkinson-Krankheit oder bei der Lewy-Körper-Krankheit.

Neuroleptika werden gegen die Begleitsymptome der Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Sie haben eine beruhigende und antipsychotische Wirkung. Bei Menschen mit Alzheimer finden sie Anwendung bei problematischen Verhaltensweisen, z.B. Unruhe, Aggressivität, wirklichkeitsfernen Überzeugungen, Sinnestäuschungen oder Schlafstörungen. Der Einsatz von Neuroleptika ist nicht zuletzt aufgrund der unerwünschten Wirkungen umstritten und man sollte sich immer am tatsächlichen Nutzen für den Patienten und sein direktes Umfeld orientieren. Da beim Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit die behandelten Symptome wieder abklingen können, muss regelmässig kontrolliert werden, ob eine Einnahme noch erforderlich ist.

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Text: Helga Grafe 12/2016

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