Kognitive Stimulierung durch Silver-Brain

Ein Kind an einem Spieleautomat
Ein Kind spielt Donkey Kong. (Bild: unsplash.com / Kelly Sikkema)

Die von MyHandicap entwickelte Plattform Silver-Brain bietet die Möglichkeit, die kognitiven Fähigkeiten einmal anders zu trainieren, und will so dazu beitragen, das Alzheimer-Risiko spielerisch zu senken.

Aus wissenschaftlichen Studien und Forschung wissen wir, dass Alzheimerprävention nicht nur mit einzelnen Facetten des täglichen Lebens zu tun hat. Multiple Risikofaktoren müssen in Betracht gezogen werden und einige, wie Alter und genetische Veranlagung, sind ausserhalb unserer Kontrolle. Gewisse Gewohnheiten unseres täglichen Lebens können allerdings positive sowie negative Einflüsse auf das Risiko einer Alzheimererkrankung haben.

Regelmässiges körperliches Training fördert beispielsweise die Durchblutung des Gehirns. Das Training muss dabei nicht von intensiver Natur sein und sollte durchaus dem körperlichen Zustand und dem Alter der jeweiligen Person angepasst sein. Wichtig ist lediglich die Regelmässigkeit der körperlichen Aktivitäten. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung gibt dem Körper die Energie zur Bildung von benötigten Reserven. Speziell eine mediterrane Diät (u.a. Fisch, Gemüse, ungesättigte Fettsäuren) wird oft als wertvoll angepriesen. Soziale Interaktionen und Kontakte können helfen, den Abbau der Grauen Masse im Gehirn zu verlangsamen. Im folgenden Artikel liegt der Fokus aber auf dem Faktor des Gedächtnistrainings und welche potenziellen Effekte selbst einfache Trainings und Spiele auf unser Gehirn haben können.

Mit digitalen Angeboten dem Gedächtnisverlust begegnen

Mit Silver-Brain versucht die Stiftung MyHandicap einen neuen und innovativen Weg zu beschreiten, um mit einfachen, digitalen Lösungen zur Alzheimerprävention beizutragen. Computerbasierte Trainingsprogramme und Spiele haben sowohl Vorteile als auch Nachteile gegenüber herkömmlichen kognitiven Trainingsprogrammen. Es können alle Teilnehmer selbst bestimmen, in welchem Tempo und speziell mit welchem Fokus Sie vorwärtsschreiten. Dieses individualisierte Format erlaubt Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten gleichmässig daran teilzunehmen und die für sie passenden Trainings auszuwählen. Allerdings ist der Zugang der Trainings durch das Vorhandensein eines Computers oder eines mobilen Gerätes und durch das relevante Anwendungswissen beschränkt. In unserer zunehmend digitalen Welt stellt dies zwar keine unüberwindbare Hürde dar, jedoch sind es vor allem ältere Menschen, welchen vielleicht genau dieses Anwendungswissen fehlt. Zudem ist es denkbar, dass die Akzeptanz solcher digitalen Lösungen bei älteren Menschen erst geschaffen werden muss.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

In einer systematischen Aufarbeitung der Fachliteratur zum Thema «Computerbasierte kognitive Gehirntrainings» aus dem Jahr 2017 sind Forscher zum Schluss gekommen, dass spezialisierte Trainings einen höheren Einfluss auf die kognitiven Funktionen haben als routinemässige, mentale Aktivitäten. Diese spezialisierten Trainings zeichnen sich durch ihre Adaptierbarkeit und fortlaufende, nicht monotone Herausforderung aus. Schwierig ist hingegen der Nachweis, dass die gesteigerten kognitiven Fähigkeiten auf andere Aufgaben transferierbar sind. Einige Untersuchungen dazu gibt es, aber die Grenze zwischen spezialisierten Trainings und Videospielen scheint nicht überall gleich definiert zu sein, was die Vergleichbarkeit erschwert. 

Allerdings können auch herkömmliche Videospiele positive Effekte auf unser Gehirn haben. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2017 haben Forscher die Auswirkung von 3-D-Plattform-Spielen, in diesem Fall Super Mario 64, auf die graue Masse im Gehirn von älteren Spielern (55-75 Jahre) untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass bei der Spielergruppe kein Verlust grauer Masse im Gehirn nachgewiesen werden konnten, während die Kontrollgruppe einen Verlust aufwies. Die Forscher konnten sogar ihre Hypothese bestätigen, dass sich durch das Spielen von Gelegenheitsspielen die graue Masse im Gehirn erhöhen und das Erinnerungsvermögen verbessern kann. 

Einen allgemeinen Nachweis, dass computerbasierte Trainings und Videospiele vor Alzheimer schützen können, gibt es jedoch noch nicht. Die Wissenschaft ist in diesem Forschungsbereich noch in den Kinderschuhen. Dies zeigt sich auch daran, dass sich nur sehr wenige Artikel und Studien zu dem Thema Videospiele und computerbasierte Trainings finden lassen, welche älter als 10 Jahre sind. Die ersten Untersuchungen sind jedoch vielerorts positiv ausgefallen, auch wenn ihr Fokus nicht in erster Linie der Alzheimerprävention gegolten hat.

Ein Schachbrett
Schach kann sowohl in analoger wie digitaler Form helfen. (Bild: unsplash.com / Randy Fath)

Was sagen Alzheimerorganisationen dazu?

Ganz allgemein sind sich Forscher und Alzheimerorganisationen einig, dass geistige Fitness unabdingbar ist, um auch im hohen Alter die mentale Gesundheit zu schützen. Die Schweizer Alzheimervereinigung schreibt dazu beispielsweise: «Ein plastisches Gehirn lässt sich trainieren! Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass sich bei geistig aktiven Menschen Abbauprozesse weniger stark oder erst später bemerkbar machen. Vermutlich erholt sich ein trainiertes Gehirn besser von Verletzungen und Schädigungen. Ausserdem hat es mehr Reserven und kann Abbauprozesse ausgleichen.» Ähnliche Aussagen und Informationen finden sich auch bei der deutschen Alzheimer Forschung Initiative. Geistige Fitness ist ein wichtiger Faktor, um das Risiko an Alzheimer zu erkranken, zu reduzieren sowie die graue Masse im Gehirn zu erhalten. Allerdings umfassen die Ratschläge und Informationen dieser Organisationen selten digitale Lösungen und Spiele sondern beschränken sich auf herkömmliche Trainings und Spielvarianten, wie Kopfrechnen und Puzzles.

Silver-Brain

Die Silver-Brain -Webseite bildet den ersten Schritt in ein computerbasiertes Trainingsprogramm von MyHandicap. Dieses soll allen Menschen erlauben, selbst an ihrer geistigen Fitness zu arbeiten und, so erhoffen wir uns, aktiv Alzheimer-Prävention zu betreiben. Teilnehmer sollen unterschiedliche Trainings- und Spielvarianten finden, welche ihre Bedürfnisse und Wünsche so gut wie möglich abdecken. Dabei interessiert uns in erster Linie mit welchen Trainings und Spielen wir die Teilnehmer regelmässig zum Mitmachen animieren können. Denn das Gehirntraining kann, ähnlich wie das körperliche Training, seine Wirkung nur entfalten, wenn kontinuierlich daran gearbeitete wird.

Silver-Brain soll dabei das Rad nicht neu erfinden, sondern die bereits vorhandenen Informationen bündeln und so zur Verfügung stellen, dass Einzelpersonen wie auch Institutionen diese nutzen und davon profitieren können. Der Alltag von gefährdeten Personen soll dabei so wenig wie möglich beeinflusst werden , um den Einstieg in aktive Prävention zu vereinfachen. Solange Heilung oder medikamentöse Prävention keine Option sind, stellt eine zeit- und kosteneffiziente Möglichkeit zur Risikovorbeugung immer noch die beste Präventionsmethode dar. Videospiele und computerbasierte Trainings könnten in Zukunft einen grossen Beitrag dazu leisten und Silver-Brain soll ein Teil davon sein.

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