Alzheimer: Entlastung für pflegende Angehörige

Ein Mann schlägt sich die Hände vors Gesicht. (Bild: Lucie Gerhardt/pixelio.de)
Die Pflege eines Angehörigen mit Alzheimer bringt viele Menschen an ihre Belastungsgrenzen. (Bild: Lucie Gerhardt/pixelio.de)

Die Diagnose Alzheimer ist ein Schock. Für die Betroffenen ebenso wie für ihr persönliches Umfeld. Da die Betreuung eines demenzkranken Angehörigen für die Pflegenden physisch und psychisch sehr anstrengend ist, sollten sie auch auf die eigene Gesundheit achten und Hilfe in Form von Entlastungsangeboten in Anspruch nehmen.

Über die Hälfte der an Alzheimer-Demenz erkrankten Menschen in der Schweiz leben nach wie vor in privaten Haushalten und werden von nahen Angehörigen gepflegt. Studienergebnisse zeigen, dass bei den zu Hause lebenden demenzkranken Personen zwei Drittel der unterstützenden Angehörigen Ehepartner sind. Gut 25 % der Angehörigen sind Kinder, die die Versorgung eines an Demenz erkrankten Elternteils übernehmen, wie der Nationalen Demenzstrategie 2014-2017 zu entnehmen ist.

Pflegende Angehörige stark gefordert

Die Pflege und Betreuung von Alzheimer-Patienten ist für die Angehörigen eine grosse Herausforderung. Sie stehen zum Teil über Jahre unter grossem physischen, psychischen und sozialem Druck. Das Engagement, der Verzicht auf Freizeit und die Bereitschaft, das an Alzheimer erkrankte Familienmitglied praktisch rund um die Uhr zu betreuen, fordern ihren Tribut. Viele pflegende Angehörige von Alzheimer-Patienten klagen über Müdigkeit, Erschöpfung, Depressionen, sie sind oft hilflos, verspüren Trauer und Verzweiflung und werden oft selber krank.

Entlastungsangebote prüfen

Viele Angehörige scheuen sich davor, fremde Hilfe anzunehmen. Aber es ist wichtig, sich beraten zu lassen, rechtzeitig Unterstützung zu holen und Entlastungsangebote zu prüfen. Denn Entlastungsangebote bringen verschiedene Vorteile mit sich. Die pflegenden Angehörigen haben mehr Zeit für sich selber, sie können sich etwas erholen oder andere wichtige Dinge erledigen, für die sonst kaum Zeit bleibt. Und sie gewinnen vorübergehend etwas Abstand zum herausfordernden Alltag. Für die an Alzheimer erkrankte Person selbst bringen Entlastungsangebote etwas Abwechslung, möglicherweise für ein paar Stunden eine andere Umgebung und die Betreuung durch andere Personen, was oft mit einer positiven Wirkung auf das Verhalten in Zusammenhang gebracht wird.

Erhebungen zeigen, dass informierte Personen die bestehenden Entlastungsangebote auch nutzen, gleichzeitig wünschen sich die Angehörigen aber auch mehr Entlastung, insbesondere mehr Fremdbetreuung zu Hause.

Neben einem Putzeimer steht ein Schrubber auf einem grünen Reinigungstuch. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Die Entlastungsangebote für pflegende Angehörige reichen weit über die Haushaltshilfe hinaus. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Breites Angebote an Dienstleistungen

Die Entlastungsangebote sind unterschiedlich und erstrecken sich von Hilfe bei der Pflege und Betreuung (vielfach auch in der Nacht) über die Unterstützung bei Haushaltarbeiten oder beim Einkaufen, Fahrdienste, Mahlzeitendienste bis hin zur Inanspruchnahme von Tages- und Nachtstätten.

Zu den am häufigsten genutzten Entlastungsangeboten gehören Tagesstätten und die Leistungen von Pflegedienstleistern,  Pflege und Betreuung zu Hause oder Kurzzeitaufenthalte in einem Heim und spezialisierte Informations- und Beratungsdienste.

Von Organisationen bis zur Nachbarschaftshilfe

Wichtige Unterstützung und Entlastung bieten in der Schweiz vor allem die Schweizerische Alzheimervereinigung ALZ, die kantonalen wie auch privaten Spitex-Dienste, Pro Senectute und das Rote Kreuz. Daneben existieren in vielen Kantonen Selbsthilfegruppen. Ebenfalls zu erwähnen sind die Nachbarschaftshilfe und die Unterstützung durch die Kirche.

Der Entlastungsdienst der Alzheimervereinigung sieht beispielsweise vor, dass eine speziell ausgebildete Person regelmässig zu einem Menschen mit Demenz nach Hause geht, um ihn mehrere Stunden in seinen täglichen Aktivitäten zu begleiten und gleichzeitig den betreuenden Angehörigen zu entlasten. Auch die Ferienangebote der ALZ werden geschätzt. Menschen mit Demenz und ihre Partner fahren gemeinsam eine Woche in die Ferien. Die Angehörigen werden vor Ort von freiwilligen Helfern bei der Betreuung entlastet, damit die Ferientage für sie auch wirklich erholsam sind. Als Entlastung dürfen auch die Treffen der Angehörigengruppen in den Kantonen bezeichnet werden, wo sich pflegende Angehörige austauschen können und sich dabei auch verstanden fühlen.

Handeln, bevor es zu spät ist

Generell besteht in der Schweiz ein breites Angebot an Entlastungsangeboten für Menschen, die einen an Alzheimer erkrankten Angehörigen pflegen. Allerdings reichen die Angebote nicht aus und gerade in Anbetracht der demographischen Entwicklung müssen sie weiter ausgebaut werden. Wichtig ist vor allem, dass sich die Angehörigen frühzeitig informieren, sich beraten lassen und sich professionelle Unterstützung sichern, bevor sie zu erschöpft dafür sind und selber krank werden.

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Text: Patrick Gunti 05/2014
Bilder: pixelio.de

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