Lourdes: Pilgerreise zur Gesundheit

ein Mann mit Sonnenbrille, in der Brille spiegelt sich der Ort Lourdes (Wolfgang Jürgens/pixelio.de)
Viele Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung haben den Wallfahrtsort Lourdes fest im Blick (Wolfgang Jürgens/pixelio.de)

Jedes Jahr pilgern tausende Leute nach Lourdes in Frankreich, um Heilung zu finden. Auch Menschen mit einer Behinderung oder schweren Krankheit setzen ihre Hoffnung auf Lourdes.

Der Legende nach hatte das Bauernmädchen Bernadette 1858 eine Marienerscheinung in der Grotte bei Lourdes. Nach dem Tod der inzwischen dem Kloster beigetretenen Bernadette entwickelte sich die Grotte zum Zentrum des Wallfahrtsortes Lourdes. Das Wasser der Grotte gilt als heilend und der Vatikan hat 67 spontane Heilungen zu Wundern erklärt, mehr als an jedem anderen Wallfahrtsort.

Pilgerstadt Lourdes

Lourdes liegt im nördlichen Vorgebirge der Pyrenäen. Der Fluss Gave de Pau fliesst auch quer durch den Wallfahrtsbezirk. Die Angebote in Lourdes sind vielfältig. So gibt es dort zum Beispiel auch ein Dialysezentrum oder die Krankenherberge Accueil Notre-Dame, die dank ihrer Lage im Zentrum des Wallfahrtsbezirks besonders für Menschen mit Behinderung oder einer Krankheit geeignet ist. Der Dienst an kranken Menschen steht in Lourdes im Mittelpunkt.

In Lourdes warten rund 30.000 Betten in Hotels und Herbergen auf die Pilger. Mit sechs Millionen Übernachtungen jährlich ist Lourdes nach Paris die Gemeinde mit den meisten Übernachtungen jährlich. Noch ist nicht der ganze Bezirk behindertengerecht. Doch ein staatliches Gesetz verpflichtet ab dem 1. Januar, 2015 sämtliche öffentliche Einrichtungen, also auch den Wallfahrtsbezirk, allen Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen. Dazu wurde in Lourdes eigens eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, um die Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Pilger mit einer Behinderung müssen aber natürlich nicht bis 2015 warten, sind sie doch eine der grössten Gruppen, die nach Lourdes pilgern. Die Krankenherberge Accueil Notre-Dame ist eine Herberge für kranke und behinderte Pilger und ihre Betreuer, liegt im Zentrum des Bezirks und verfügt sogar über zwei hauseigene Kapellen.

Organisierte Pilgerfahrten von ganz Europa aus

Zahlreiche Bus- und Reiseunternehmen aus ganz Europa bieten alljährlich mehrere Pilgerreisen nach Lourdes an. Sogar Charterflüge und Extrazüge werden im Sommer organisiert, um die Masse an Pilgerreisenden bewältigen zu können. Natürlich werden auch von der Schweiz aus Reisen organisiert, wie zum Beispiel von der Interdiözesanen Lourdeswallfahrt der Deutschen und Rätoromanischen Schweiz. Passend zu ihrer alljährlichen Reise gibt es das Magazin AVE, das monatlich über das Geschehen in und um Lourdes berichtet.

Das Angebot in Lourdes ist vielfältig: Fürbitten für sich selbst, für andere, gesegnetes Wasser, Marienbildchen und –Skulpturen in allen Grössen und Formen, zahlreiche Gottesdienste und Messen mit Krankensalbung in der Hauptkirche, in den Kapellen oder unter freiem Himmel.

Als Réne Racle wegen seiner Arthrose pensioniert wird und fortan auf den Rollstuhl angewiesen ist, zieht es ihn ebenfalls nach Lourdes. Zusammen mit der Interdiözesanen Lourdeswallfahrt der Deutschen und Rätoromanischen Schweiz unternahm er bereits mehrere Wallfahrten nach Lourdes.

Die Grotte von Lourdes (Foto: wikicommons)
Auch MyHandicap-Botschafter Réne Racle pilgert regelmässig in die Grotte von Lourdes (Foto: wikicommons)

Hoffnung auf Heilung

Viele Pilger reisen in der Hoffnung nach Lourdes, dort geheilt zu werden. Jeder möchte das 68. Wunder von Lourdes werden. Racle ging es jedoch nicht um Heilung, sondern vor allem um Dank: „Ich wollte Maria danken“.

Während des Jahres versucht er, „mit meinen bescheidenen Kräften“, wie er sagt, die Lourdeswallfahrt zu unterstützen. Er hält Vorträge in den Pfarreien und bei Behindertenorganisationen. Darüber hinaus wirkt er als Botschafter für andere Menschen mit Behinderung.

Schliesslich bat das Schweizer Fernsehen darum, ihn zu begleiten zu dürfen. Den kurzen Bericht dazu stellt uns Réne Racle freundlicherweise zu Verfügung:

„Schon beim Einsteigen in Dietikon wurde ich gefilmt. Dabei kam auch mein neuer Swisstrak – liebevoll Harley genannt – zum Einsatz, denn die Rampen und Übergänge vermag ich nicht mehr mit einem Handrollstuhl zu meistern. Ich reiste mit dem Zug nach Lourdes und besprach mit Herrn Aschwanden vom Schweizer Fernsehen, wie wir den Film gestalten könnten. Wenn auch nur ein Bruchteil der aufgezeichneten Gespräche Verwendung fanden, sie taten mir ganz einfach gut. Besonders beeindruckend war für mich, dass ich den Leuten ‚mein Lourdes‘ zeigen und sie an ‚meinen Höhepunkten‘ teilhaben lassen konnte.

Lourdes mit den Augen eines behinderten Menschen

Dazu gehörte einerseits die Lichterprozession. Mit einer Handkamera ausgerüstet, nahm ich daran teil. Doch sie ging nicht. Sofort kamen in mir Zweifel hoch. Ist das alles richtig, was ich hier tue? Mache ich es lediglich aus Hochmut? In all diese Fragen hinein betete ich zu Maria und siehe da, die Kamera funktionierte plötzlich wieder.

Ein weiterer Höhepunkt war der Krankensalbungsgottesdienst. Der Empfang des Sakramentes, aber auch die Gemeinschaft, kräftigten meine Seele. Zudem war es eine ganz besondere Ehre, eine Fürbitte lesen zu dürfen. Aber damit noch nicht genug. Als ich mit Hubert, der mir ein guter Freund geworden ist, über die Brücke der Gave fuhr, kam mir Pilgerdirektor Jürg Schmid entgegen. Da ich meine Harley frisch gekriegt hatte, dachte ich mir, es wäre nicht schlecht, wenn die Rollstühle auch mal einen Segen erhalten würden. Pfarrer Schmid war derselben Meinung und so bekam meine Harley auf der Brücke bei strahlendem Sonnenschein den Segen. Viele, vielleicht zu viele Stunden sitzen wir ja im Rollstuhl und so kann ein Segen sicherlich auch vor Unfällen bewahren.

An einem weiteren Tag besuchte ich mit der Harley den ‚normalen‘ Kreuzweg. Das gab mir Halt und Kraft und so konnte ich als Abschluss voller Freude eine Kerze anzünden und der Gottesmutter für alles danken und sie zugleich bitten, mir auch für die kommende Zeit Kraft und Zuversicht zu spenden. Der Wegweiser Lourdes ist für mich zu einem wahren Weg geworden. Für mich gingen durch die Krankheit nicht nur Tore zu, sondern es öffneten sich auch neue. Dafür möchte ich der Muttergottes von Lourdes und der hl. Bernadette danken, aber auch all jenen, die mich auf diesem Weg begleiten. Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen allen Kraft, Mut und BegleiterInnen, die ein Wegstück mit Ihnen teilen.“


Text: M. Plattner / René Racle - 03/2011

Bilder: wikicommons / pixelio.de

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