Attraktiv mit Behinderung - Miss Handicap Schweiz

Michelle Zimmermann ist die Initiantin und Projektleiterin von Miss Handicap und lebt selber mit einer Behinderung. (Bild: zvg)
Michelle Zimmermann ist die Initiantin und Projektleiterin von Miss Handicap und lebt selber mit einer Behinderung (Bild: zvg)

Mit der Wahl zur Miss Handicap wollen die Schweizer Organisatoren aufzeigen, dass Frauen auch mit einer Behinderung attraktiv sein können. Als Kandidatin kann sich bewerben, wer eine Körper- und/oder Sinnesbehinderung hat. In Deutschland gab es zwischen 2003 und 2008  eine ähnliche Veranstaltung unter dem Namen „beauties in motion“.

Schönheit kommt von Innen – so könnte man die Idee hinter Miss Handicap umschreiben. Mit diesem Projekt soll ein Zeichen in unserer Gesellschaft zur Integration von Menschen mit Handicap gesetzt werden. Denn jeder Mensch hat irgendwo Einschränkungen, welche ihn in seinem Handeln behindern. Nur bleibt das meistens äusserlich verborgen.

Botschafterin und Mutmacherin

Durch Charisma und Intelligenz können Frauen mit Behinderung genau so attraktiv sein wie Frauen ohne Behinderung. Die Miss Handicap soll Botschafterin für andere Menschen mit Behinderung werden und ihnen Mut machen. Dies ist das Ziel von Michelle Zimmermann. Sie ist die Initiantin und Projektleiterin von Miss Handicap und lebt selber mit einer Behinderung. Sie wurde 1980 mit einer seltenen Hautkrankheit (Epidermolysis Bullosa dystrophica) geboren und arbeitet heute nach einer kaufmännischen Ausbildung und Weiterbildung im Bereich Human Resources als Event-Managerin und Tierpsychologin. Ausserdem berät sie andere Betroffene im Umgang mit ständigem Schmerz.

Verschiedene Behinderungsarten

Speziell an der Wahl der Miss Handicap ist, dass verschiede Behinderungsarten und Formen zugelassen sind und diese nicht in Kategorien unterteilt werden. Es können also Frauen mit Körper- und/oder Sinnesbehinderung mitmachen. Dies ist der Hauptunterschied zur „beauties in motion-Wahl in Deutschland, an der nur Rollstuhlfahrerinnen teilnehmen konnten. Damit es bei der Miss Handicap Wahl 2009 dennoch zu einer fairen Auswahl kommt, wurden besondere Auswahlkriterien erarbeitet. Die Behinderung oder das damit verbundene Verhalten wird bei der Bewertung ausgeschlossen. Vielmehr zählen Ausstrahlung, Charisma, Offenheit und auch die „gesunden“ Körperstellen.

Begriff der Schönheit neu definieren

Dass so eine Wahl auch Fragen aufwirft, versteht sich von selbst. So ist unbestritten, dass manche Behinderungen Menschen auch entstellen können. Den Vorwurf, dass die Fokussierung auf Äusserlichkeiten erneut ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen sein könnte, lässt Adrian Hauser, zuständig für Medien und PR bei Miss Handicap, nicht gelten: „Menschen deren Äusseres nicht der Norm entspricht sind explizit erwünscht. Denn es geht unter anderem auch darum, den Begriff der Schönheit neu zu definieren, bzw. aufzuzeigen, dass Schönheit nicht nur eine Frage von Äusserlichkeiten ist.“

Ausserdem sei es auch eine Frage, wie man „Entstellung“ definiere. So sei es doch vor allem der Blick der anderen auf das Handicap, der entstelle oder entstellend wirke, sagt Hauser. Gerade diese Sichtweise auf Behinderungen, bzw. Menschen mit Behinderung, wolle man mit Miss Handicap ändern.

„Es soll also keine Miss Wahl werden, bei der wie anderswo Idealmasse und „Mainstreamschönheit“ zelebriert werden. Die Veranstaltung soll andere Menschen mit Behinderung dazu ermutigen, am öffentlichen Leben teilzunehmen und sich auf die eigenen Stärken statt auf die so genannten Einschränkungen zu konzentrieren. Eine so genannte „Einschränkung“ ist letztendlich auch wieder gesellschaftlich bedingt, bzw. das, was die Gesellschaft daraus macht. Diesem Trend wollen wir entgegenwirken und beidseitig mehr Verständnis, bzw. „Normalität“ erreichen. Daher ist Miss Handicap denn auch ein Gemeinschaftsprojekt von Menschen mit und ohne Behinderung“, schliesst Hauser.

Breite Unterstützung

Dies zeigt sich auch im Patronatskomitee, das sich aus folgenden bekannten Persönlichkeiten zusammensetzt:

  • Tim Wielandt Mister Schweiz 2007 / Model / Moderator
  • Livia Anne Richard Theaterregisseurin / -autorin
  • Christoph Sommer Behindertensportler, Mittel- bis Langstreckenläufer
  • Natacha Sängerin / Berner-Rocklady
  • Urs Brülisauer Geschäftsführer Mister Schweiz® Organisation
    Arnaud Quarre de Champvigy Model / Mister Schweiz Kandidat 2008 mit Hörbehinderung
  • Ines Kiefer (Deutschland) Model im Rollstuhl / Sonderpreis Beauties in Motion International 2007
  • Gabrielle Antosiewicz Dokumentarfilmregisseurin / -darstellerin / -produzentin
  • Markus Maria Enggist Schauspieler

Wer sich für die Wahl anmelden möchte, findet auf der Internetseite des Veranstalters alle notwendigen Informationen. Die Wahlnacht ist für November 2009 geplant. Wann genau und wo diese stattfindet, wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

 

Einmaliges Projekt beendet

Das „Beauties in Motion“ Projekt in Deutschland ging 2008 nach fünf Jahren zu Ende. In dieser Zeit konnten sich die jungen Frauen im Rollstuhl auf dem Catwalk präsentieren. Die Agentur, welche den Wettbewerb jeweils organisierte, vermarktet nun Models im Rollstuhl.
Mit den Veranstaltungen haben die Organisatoren sicherlich dafür gesorgt, dass in der Öffentlichkeit Schönheit und Behinderung nicht mehr als Widerspruch wahrgenommen werden. Ob der Anlass von der Modellagentur auch zu kommerziellen Zwecken ins Leben gerufen wurde, bleibe mal dahingestellt. Auf alle Fälle wäre es wünschenswert, wenn weiterhin Schönheitsköniginnen im Rollstuhl gekürt würden.

 

hia - 1/2009- MyH

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