Theaterbesuch mit Handicap

Vorhang auf! (Stefanie Hofschlaeger/pixelio.de)
Vorhang auf! (Stefanie Hofschlaeger/pixelio.de)

Im Zeitalter von Fernsehen, Kino, DVD und Internet ist ein Theaterbesuch nicht nur ein besonderes, sondern häufig auch ein seltenes Erlebnis. Dabei ist man selbst im modernsten Multiplexkino oder mit dem tollsten Fernsehsystem nicht so nah an der Geschichte und den Akteuren, wie in einem Theater.

Hinzu kommt die einmalige Atmosphäre in einem Schauspielhaus. Auch wenn man heute als Zuschauer in den großen Häusern nicht mehr unbedingt in Frack und Abendkleid aufläuft, so ist schicke Garderobe immer noch Standard. In kleineren Szene-Theatern sind es dann eher die Persönlichkeiten der Besucher als ihre Kleidung, die die Atmosphäre ausmachen. Deshalb sollte man auch mit Handicap mindestens einmal in seinem Leben Theaterluft schnuppern.

Kulturgenuss für alle

Die Intendanten der Schauspielhäuser wollen der breiten Öffentlichkeit Kultur zugänglich machen. Daher ist man immer auch um Barrierefreiheit bemüht. Da jedoch jeder etwas anderes darunter versteht und die Möglichkeiten von Spielstätte zu Spielstätte auch unterschiedlich sind, ist es allerdings sinnvoll, als Mensch mit Handicap, vor dem Kartenkauf ein paar Dinge abzuklären.

Für Rollstuhlfahrer ist es beispielsweise wichtig, zu wissen, ob es einen ebenerdigen Zugang gibt. Nicht bloss in das Theater, sondern auch in den Zuschauerraum. Vielen Theatermitarbeitern, die man um Auskunft bittet, ist dabei nicht bewusst, dass für manchen Rollstuhlfahrer schon eine einzelne Stufe zu den Plätzen eine unüberwindbare Hürde bedeuten kann.

Klären, was wichtig ist

Deshalb sollte man explizit nachfragen. Auch, ob es ein separates und DIN-gerechtes WC gibt, oder ob „nur“ keine Stufen zu den Toiletten führen. Auch Nutzer von Rollstühlen müssen ggf. den Sekt aus der Pause wieder los werden können.

Bei größeren Schauspielhäusern sind diese Punkte meist gegeben. Häufig verfügen sie sogar über Aufzüge, um Rollstuhlfahrern alle Bereiche zugänglich zu machen.

Bei kleineren Theatern ist es nicht nur wichtig, vorab Treppen und Sanitäreinrichtungen zu erfragen, sondern auch die Breite der Gänge in dem Saal. Nur in seltenen Fällen gibt es spezielle Rollstuhlplätze ohne Sitz in einem Theater.

Daher ist es durchaus üblich, dass man sich mit seinem fahrbaren Untersatz einfach neben die Sitzreihen stellt. Wenn ein Stück jedoch nur in einem kleinen Raum aufgeführt wird, kann es u.U. für andere Besucher schwierig werden, noch am Rollstuhl vorbei zu kommen. Manchmal kommt es auch vor, dass die Gänge sogar zu schmal sind, um einen Rollstuhl dort überhaupt abzustellen.

Theaterbesuch bei Sinnesbehinderungen

Während ein Theaterbesuch für Rollstuhlfahrer, nach Beachtung der angeführten Punkte, meist relativ unkompliziert ist, wird der live-Schauspielgenuss für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigung schon eher zur Herausforderung. Im Theater agieren die Schauspieler in der Regel ohne technische Hilfsmittel, also Mikrofone.

Trotzdem steht oftmals, gerade in größeren Häusern, die von der Stadt oder dem Staat mit getragen werden, für eine begrenzte Anzahl von Plätzen eine Induktionsschleife für die Träger von technischen Hörhilfsmitteln zur Verfügung.

Beim Kartenkauf sollte man sich als Betroffener über diese Möglichkeit informieren und ggf. einen solchen speziellen Sitzplatz reservieren. Hin und wieder werden auch Sondervorstellungen mit Gebärdendolmetschern angeboten.

Hierbei sollte man darauf achten, einen Platz zu reservieren, von dem aus man sowohl Dolmetscher als auch Bühnengeschehen gut im Blick hat. Auch gibt es inzwischen Bühnenstücke, die komplett in Gebärdensprache gespielt werden.

Während die Theaterangebote für Menschen mit Einschränkungen des Hörvermögens mittlerweile häufiger werden, sind die Möglichkeiten für Menschen mit eingeschränkter oder völlig fehlender Sehfähigkeit leider noch sehr begrenzt.

Es gibt jedoch vereinzelte Aufführungen in Deutschland, bei denen eine Audiodeskription stattfindet. Dies ist mitunter von DVDs oder aus dem Fernsehen (z.B. MISS MARPLE) bekannt. Über Kopfhörer wird den blinden Menschen dabei, von speziell geschulten Erzählern, in den Dialogpausen das Geschehen auf der Bühne geschildert.

Sonderpreise

Ganz gleich, welche Art von Handicap ein Theaterbesucher hat, häufig gibt es Sonderpreise für die Besitzer von Schwerbehindertenausweisen. Sollte darin ein entsprechender Vermerk eingetragen sein, erhält eine Begleitperson freien Eintritt, oder beide Karten kosten nur die Hälfte. Was am Ende den gleichen Effekt für den Geldbeutel hat.


Warum also nicht mal etwas Besonderes erleben und einen Blick auf die Bretter riskieren, die - für Manchen - die Welt bedeuten?

 

Text: Justin Black

Foto: pixelio.de

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