Erlebniszoos mit Spass- und Lerneffekt

Bild des nachgebauten Regenwalds im Zürcher Zoo
Zürich besitzt einen der grössten nachgebauten Regenwälder der Welt (Foto: Samuel Furrer)

Zoologische Gärten haben sich in den letzten Jahrzehnten von blossen Schauhäusern zu spannenden und lehrreichen Erlebnisparks gewandelt. MyHandicap hat sich in zwei Musterzoos umgesehen und dort die Serviceleistung für behinderte Menschen geprüft.

Ihm ist es, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Traurig dreht der Panther im berühmten Gedicht von Rainer Maria-Rilke seine Runden. Als Kind hat der Schreiber noch selber miterlebt, wie Löwen, Affen und Giraffen auf engem Raum die Zuschauer amüsierten oder traurig stimmten. Doch diese Art von Tierhaltung ist inzwischen längt Vergangenheit.

Die heutigen zoologischen Gärten schaffen für die Tiere vermehrt einen dem Ursprungsland entsprechenden Lebensraum. Den Zoobesuchern beschert dies spannende und lehrreiche Reisen in nachgebaute Regenwälder oder afrikanische Buschlandschaften. MyHandicap hat mal die Zoolandschaft auf Barrierefreiheit hin durchforstet und zwei Favoriten ausgewählt.

Hottentotten-Ente und Rotstirn-Seidenkuckuk

Draussen herrschen kühle 12 Grad, doch der Besucher hat sich längst seiner Regenjacke und seines dicken Pullovers entledigt. In einem Meer von Grün tschirpen unsichtbare Vögel. In Wasserteichen tummeln sich derweil Korallenfische und Schildkröten. Feine Tröpfchen rinnen über Pflanzen und Köpfe der Besucher. Regenwald pur in der berühmten Masoala-Halle des Zürcher Zoos.

Die 2003 eröffnete Halle ist das Prunkstück des Zürcher Zoos. Neben dem Gondwanaland in Leipzig durchwatet der Besucher eines der grössten Regenwaldhäuser der Welt. Dort leben mehr als 400 madagassische Pflanzenarten und 42 verschiedenen Wirbeltierarten in guter Harmonie. Darunter die wohl wenig bekannte Hottentotten-Ente, der Rotstirn-Seidenkuckuck und das afrikanische Blatthühnchen.

Ein Mädchen steht vor einem Nilpferd-Aquarium
Mit Nilpferden auf gleicher Augenhöhe (Foto: ZooHannover)

Schutz für Regenwälder

Doch um diese seltenen Einwohner zu sehen, braucht es schon sehr geschulte Augen. Der Spassfaktor kommt hier ein bisschen zu kurz, doch dies ist auch nicht das erklärte Ziel des Masoala-Projekts. Die Zooleitung möchte in erster Linie ein reiches Ökosystem für Forschungs- und Schulzwecke genau nachbilden und die madagassische Regierung bei ihren Bestrebungen unterstützen ihre lokalen Regenwälder zu schützen.

Bis 2012 entsteht im Zoo Zürich eine neue Anlage. Sie umfasst Gehege für verschiedene südamerikanische Tierarten und ist dem Sumpfgebiet Pantanal südlich des Amazonas nachempfunden. Im Zentrum entstehen vier Inseln für die Gelbbrust-Kapuzineraffen, die Totenkopf-Äffchen und die Köhlerschildkröten. Das Wasser rund um die Inseln wird den neuen Gehegen von Ameisenbären, Tapiren und Capybaras zugeschlagen. Im Flachwasserbereich schliesslich finden Flamingos genügend Platz und gute Brutbedingungen.

Serviceleistungen für behinderte Menschen

Alle Anlagen sind selbstverständlich für behinderte Menschen begeh- und berollbar. Zudem organisiert der Zürcher Zoo Spezialführungen, bei denen beispielsweise Blinde und Sehbehinderte das Tierreich über Geräusche und Streicheln entdecken können.

Direkt vor dem Haupteingang und dem Haupt- und Nebeneingang zur Masoala-Halle stehen speziell gekennzeichnete Parkplätze zur Verfügung.

  • Die meisten Wege im Zoo Zürich sind rollstuhlgängig und auf dem Zooplan klar gekennzeichnet.
  • Es stehen fünf Rollstühle zur Verfügung. Eine telefonische Reservation unter der Telefonnummer 044 254 25 43 empfiehlt sich (Depot CHF 20.–).
  • Behinderte mit gültigem IV-Ausweis bezahlen einen Eintritt von CHF 11.–. Dies gilt ebenfalls für die Begleitperson, wenn eine Betreuung notwendig ist.

Spezialführungen durch den Zoo Zürich

Vor einer Flamingogruppe tuckert ein kleines Safari-Boot vorbei
Für die Sambesi-Bootsfahrt gibt es Spezialrollstühle (Foto: ZooHannover)

In einem Nachmittag von Afrika nach Asien

Plötzlich ist es da: Direkt hinter dem treibenden Baumstamm taucht ein Flusspferd auf, gähnt und präsentiert – nur einen Steinwurf entfernt – seine beachtlichen Zähne! Unwillkürlich rutschen die Reisenden ein Stück zur Seite. Bei der Sambesi-Flussfahrt im Zoo Hannover ist der Lernfaktor wohl ein bisschen niedriger, doch der Spass umso höher. Innerhalb von 15 Jahren hat das EXPO-Projekt „Zoo der Zukunft“ der Zoo Hannover GmbH die europäische Zoowelt revolutioniert. Aus dem herkömmlichen Stadtparkzoo wurde der touristische Leuchtturm der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Rosarote Flamingos vor rauschenden Wasserfällen, In sanften Hügeln erhebt sich eine 12.000 Quadratmeter große Savannenlandschaft. Zebras, Antilopen und Gazellen tummeln sich neben Blauhalsstraußen. Eine schwankende Hängebrücke, verschlungene Kletterpfade und nebelige Höhlendurchgänge machen den Ausflug zu einer einzigartigen Entdeckertour! Und der Clou ist die Sambesi-Lodge, wo sich der Besucher plötzlich Aug in Aug mit einer Giraffe befindet.

Und das ist noch nicht alles: Noch sechs andere Themenwelten warten auf die Erforschung. Der Gorillaberg, der indische Dschungelpalast, das niedersächsische Bauerndorf Meyers Hof, das Kinderland Mullewapp, das australische Outback und die Kanadalandschaft Yukon Bay – sie alle zusammen begeistern jährlich über 1,6 Mio. Zoobesucher. Einer davon war der MyHandicap-Redaktor Justin Black. Ihn hat vor allem die Flussfahrt durch afrikanische Landschaften begeistert: „Ich fand es einmalig, dass ich Flusspferde und Zebras aus nächster Nähe betrachten konnte."

Serviceleistungen für behinderte Menschen

Mit Vorschlägen zur behindertengerechten Optimierung der Fahrtwege ist Justin bei der Zooleitung auf offene Ohren gestossen. „Die früher mit Kopfsteinpflaster gebauten Fahrtwege zur Yukon-Bay-Landschaft sind jetzt aus Beton“ stellt Justin befriedigt fest

  • Behinderten-Parkplätze auf dem Hauptparkplatz
  • Rollstuhlverleih (Reservierung unter Tel. 0511 280 74-163)
  • Breite Wege und Rampen in allen Erlebniswelten
  • Behindertengerechte Toiletten in allen Erlebniswelten
  • Sambesi-Boote können mit leichten Rollstühlen benutzt werden, die ggf. am Bootssteg bereit gestellt werden.
  • Ein- und Ausstiegshilfe am Bootssteg bzw. Umstieg vom Elektro-Rollstuhl auf einen leichteren.
  • Besucher mit einer Behinderung zahlen im Erlebnis-Zoo Hannover den regulären Eintrittspreis. Sofern im Behindertenausweis ein „B“, „H“, „aG“ oder ein „Bl“ vermerkt ist, erhält die Begleitperson jedoch freien Eintritt.


Tipp: Besuchen Sie diese beiden Zoos und teilen Sie MyHandicap Ihre Erlebnisse mit.


Text: Michel Benedetti – 07/2011

Fotos: Samuel Furrer / Zoo Hannover

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