Das neue Buch vom Weltenbummler im Rolli

Auf den Spuren der Pilger durch Indien.
Das dritte Buch von Andreas Pröve (Foto: Piper/Malik Verlag)

„Entweder man liebt Indien oder man hasst es“, sagen die Kenner des Subkontinents. Andreas Pröve gehört eindeutig zu denjenigen, die sich in unsterblich in die Farben Indiens verliebt haben. Bereits 14 Mal war der reiselustige Rollstuhlfahrer dort. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist er sich sicher: Erleuchtung gibt’s (erst) im nächsten Leben.

Wohl in keinem anderen Land der Welt sind die Gegensätze derart krass. Während es einerseits zu den führenden Nationen bei der Softwareentwicklung gehört, beten seine Einwohner andererseits tausende verschiedener Götter an.

Die so genannte Bollywood-Filmindustrie produziert Filme für Millionen und Abermillionen von Zuschauern. Aber ein Kuss darf im Kino nicht gezeigt werden.

Neugier ist Antrieb

„Die Neugier ist mein Antriebsmotor“, erzählt Andreas Pröve, wenn man ihn fragt, was ihn nach Indien zieht. Er ist fasziniert von den Menschen dort. Ihre Kultur und ihre Spiritualität sind für Aussenstehende oft unbegreiflich.

Auch für den deutschen Reisejournalisten wird es wohl immer ein Geheimnis bleiben, wie genau dieses Volk denkt und fühlt. Er selbst sagt, dass das „Fragezeichen Indien“ für ihn immer grösser wird, je öfter er in den Flieger nach Bombay steigt. Der Titel seines neuen Buches ist daher auch bewusst gewählt:

ERLEUCHTUNG GIBT’S IM NÄCHSTEN LEBEN.

MyHandicap-Medienexperte Justin Black und Reisejournalist Andreas Pröve kennen sich schon seit ein paar Jahren.
Justin Black und Andreas Pröve (Foto: BLACKFORCE.tv)

Der dritte Reisebericht

Es ist bereits das dritte Buch, das der gelernte Tischler verfasst hat. Seit einigen Tagen ist es in den Buchhandlungen erhältlich.

„Mein erster Trip damals, das war wirklich noch ein Abenteuer.“ Sehenswürdigkeiten habe er damals nicht gesehen. Zu sehr sei er damit beschäftigt gewesen, die Grenzen seines neuen Lebens im Rollstuhl auszutesten.

Mit 23 ein Motorradunfall

Andreas Pröve hatte mit 23 Jahren einen Motorradunfall. Das ist nun fast 30 Jahre her. Seitdem spürt er zwei Drittel seines Körpers nicht mehr. Die Querschnittlähmung hat sein Leben völlig neu geordnet.

Doch er ist deshalb nicht sauer. Denn heute kann er mit dem, was er wirklich liebt, seinen Lebensunterhalt verdienen. Das währe wahrscheinlich anders gekommen, hätte es ihn nicht in den Rollstuhl verschlagen.

Pröve reist anders

Durch seinen ständigen Begleiter mit den vier Rädern reist Pröve anders. Schneller als ein Fußgänger, aber doch wesentlich näher am Geschehen als in einem Auto oder gar Zug. Wobei er sich auch hin und wieder von aufgebrachten Indern in den Bus oder die Bahn tragen lässt. Damit sie ihm helfen, muss der Rollstuhlfahrer ihnen nämlich den Zugang versperren.

Inzwischen weiß der zweifache Familienvater, wie er in dem fremden Land weiterkommt. Auch reist er nur noch teilweise allein. Nagender Singh begleitet ihn inzwischen auf den Entdeckungstouren. Die beiden haben sich vor Jahren kennen gelernt und sind mittlerweile die besten Freunde. Seit einiger Zeit ist Nagender ebenfalls Fotograf. Inspiriert durch den umtriebigen Deutschen.

“Erleuchtung gibt’s im nächsten Leben” ist das dritte Buch von Andreas Pröve.
Andreas Pröve präsentiert sein neues Buch (Foto: BLACKFORCE.tv)

Ein gar nicht typischer Inder

Wieso sein Freund ein ganz und gar nicht typischer Inder ist und was die beiden alles erlebt haben, als sie versuchten, einem Foto auf dem Deckblatt einer Landkarte auf die Spur zu kommen, das berichtet Andreas in seinem neuesten Multivisionsvortrag. Durch einen solchen Abend sind schon einige Zuschauer auf den Geschmack gekommen und haben sich selbst auf gemacht. Sie wollten den Zauber Indiens am eigenen Leib spüren.

All diejenigen, die nicht so weit reisen wollen oder können, nimmt Andreas Pröve mit. Und das nicht nur auf seinen Vorträgen, sondern vor allem auch in seinen Büchern.

Auf den Spuren der Pilger

Gemeinsam mit den Lesern und seinem Freund Nagender macht Pröve sich in seinem neuesten Werk auf, den Spuren der Pilger durch dieses magische Land zu folgen. Man trifft Gläubige, die barfuss hunderte von Kilometer laufen, um ihren Gott in einem Tempel zu sehen.

Man erlebt die reichhaltige Ernte auf den Feldern und das farbenfrohe, indische Erntedankfest. Man zittert auf einer Eisenplatte, die Andreas als Bett angeboten wird und fürchtet um sein Leben, wenn rücksichtslose Lastwagenfahrer auf den Landstraßen am Handbike vorbeibrausen.

Das Besondere mit Andreas Pröve

Das Besondere, wenn man mit Andreas Pröve durch Indien reist, ist der Blick auf alle Facetten des Landes.

So bleiben einem auch die Menschen nicht verborgen, die trotz Arbeit auf der Strasse schlafen. Man sieht die bettelnden Kinder und erfährt, dass sie dank ahnungsloser Touristen wesentlich mehr Geld mit nach Hause bringen als ihre hart arbeitenden Eltern. Oder man spricht mit der Geschäftsführerin eines Lieferservice, der in einem kleinen, dreckigen Hinterhof spirituell reine Mahlzeiten zubereitet.

All das, ohne dass es in schönen oder dunklen Farben ausgeschmückt wird. Man sieht Indien, wie es wirklich ist. Und so kann es durchaus sein, dass Andreas Pröve am Ende nicht der Einzige ist, der sagt: „Erleuchtung darüber gibt es erst im nächsten Leben.“

Text: Justin Black - 01/10

Fotos: Piper/Malik Verlag, BLACKFORCE.tv