Menschen mit chronischen Krankheiten - Eine Risikogruppe mit besonderen Herausforderungen

Menschen mit chronischen Krankheiten sind besonders gefährdet. Die Herausforderungen der Angehörigen können zur Belastungsprobe werden. (Symbolbild/Pixabay)

Neue Verhaltensregeln, Schliessungen diverser Einrichtungen, Herunterfahren des öffentlichen Verkehrs: Das Leben in Zeiten des Coronavirus trifft Menschen mit chronischen Krankheiten besonders und stellt deren Angehörige vor grosse Herausforderungen. Nachfolgend listen wir die wichtigsten Informationen rund um die Bewältigung des Corona-Alltags auf.

Die Schweizer Städte sind ruhig, die Strassen deutlich weniger befahren, die Restaurants und Läden geschlossen. Kein Geschrei und Gelächter von Schülern, keine Veranstaltungen, keine Hektik. Auch in den ländlichen Gebieten hat sich das „normale Leben“ komplett verändert. Das Coronavirus hat Auswirkungen auf viele Dienstleistungen und Angebote, auf die Menschen mit Behinderungen im Besonderen angewiesen sind. Dies betrifft jegliche Lebensbereiche. Der ÖV sollte von Risikogruppen gemieden werden, die Tagesbetreuung und Pflege ist oftmals eingeschränkt und der organistorische Aufwand zur Bewältigung des Alltags deutlich gestiegen.

Anlaufstellen und Hilfe

Das Coronavirus zwingt uns zur Flexibilität, doch ist das für Angehörige von Menschen mit Behinderungen, Senioren oder Menschen mit Krankheiten wie beispielsweise Diabetes, Multiple Sklerose oder Demenz kaum möglich. Für Risikogruppen sind schweizweit daher Nachbarschaftshilfen, Initiativen und Social-Media-Gruppierungen ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, besonders gefährdeten Menschen zu helfen. Seien es Einkaufsdienste, Fahrdienste oder Betreuungen. So kann die plötzliche Umstellung des Lebensalltags besser bewerkstelligt werden und Angehörige von Menschen mit Beeinträchtigungen entlastet werden.

Auf der Website hilf-jetzt.ch können Hilfesuchende auf einfachem Weg Unterstützung in der Nähe finden. Gleichzeitig können Menschen Hilfe anbieten. Die Plattform dient quasi als selbstorganisierte Nachbarschaftshilfe und hat seit der Lancierung hunderte von Registrierungen.
Auch die App „Fiveup“ bringt Hilfesuchende mit Helfern zusammen. Dabei gibt es eine spezielle Hotline für Risikogruppen ohne Smartphone. Ein einfacher Anruf genügt und man bekommt telefonisch Hilfe.
Generelle Informationen zur aktuellen Situation und den sich ständig verändernden Massnahmen finden Sie ausserdem auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit.

Besonderes Risiko für Pflege

Ein besonderes Problem stellt die Pflege durch Angehörige oder Betreuende dar. Die fehlende Entlastung durch Externe, fehlende Dienstleistungen wie beispielsweise ÖV und das Ziel, die Menschen mit chronischer Krankheit oder Behinderung möglichst zu Hause zu behalten, können zu enormer Belastung führen. Hinzu kommt das Risiko, dass ein Angehöriger, der sich beispielsweise um einen Betroffenen kümmert, durch das Virus für eine Zeit ausfällt. Für diesen Fall empfiehlt die Organisation für betreuende Angehörige Proaidants, vorab einen Notfallplan zu entwickeln, damit die Pflege bei einem unvorhegesehenen Ausfall trotzdem nahtlos gewährleistet werden kann. Mehr Infos dazu finden Sie unter dieser Website.

Austausch mit Gleichgesinnten und Experten

Keine Frage: Die aktuelle Situation ist für die Risikogruppen und für die Angehörigen schwierig. Es stellen sich viele Fragen und täglich neue Probleme. Daher haben wir einen Forum-Thread eröffnet, in dem Fragen gestellt und mit Gleichgesinnten diskutiert werden kann. Ein Austausch mit anderen Menschen, die ebenfalls chronisch krank, beeinträchtigt oder pflegende Angehörige sind, kann hilfreich sein. Mögliche Fragen sind: Wie geht ihr mit den Herausforderungen um? Wo bräuchtet ihr mehr Unterstützung? Was belastet euch besonders?

So schütze ich mich und mein Umfeld - Die wichtigsten Regeln

Der Coronavirus ist nicht sichtbar, kann theoretisch aber fast überall sein. Trotzdem helfen Panik und Angst nicht weiter. Im Gegenteil: Mit einem überlegten Umgang und der Einhaltung einfacher Regeln ist der Schutz vor dem Virus deutlich grösser. Wer sich an die Empfehlungen des Bundes hält, hat deutlich geringere Chancen, mit dem Virus angesteckt zu werden.

- Gründlich Hände waschen
- Hände schütteln vermeiden
- Abstand halten
- In Taschentuch husten
- Möglichst zu Hause bleiben

Arbeitgeber (Werkstätten), Ausbildungsbetrieben, Tagesstätten müssen besonders acht geben, weil ein grosser Teil der Arbeitnehmenden mit Behinderungen zu den Risikogruppen gehören und die Hygienevorschriften nur teilweise umsetzen können.

Text: Andreas Batliner 04/2020

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