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Vor Reha Nach amputation entlassen

Topic Status: beantwortet

 » Recht & Soziales
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Alexander23
Themenersteller
Beiträge: 1
Meinem Vater wurde der Unterschenkel amputiert nun hat er seine erst Prothese am Freitag bekommen. Nun möchte das Krankenhaus ihn entlassen obwohl der Termin für die Reha erst am 12.12 ist. Er ist 69 Jahre und nach der langen Zeit liegen hat sich natürlich die Muskulatur zurück gebildet. Im Krankenhaus wird sich nicht wirklich darum gekümmert mit ihm zu trainieren. Da ich arbeiten muß und es einige km zu fahren sind kann ich es leider auch nicht übernehmen. Für die tägliche Hygiene ist es unumgänglich das er im Haus Treppen steigen muß. Ist es überhaupt zulässig den Patienten einfach knapp 3wochen vor Beginn der Reha zu entlassen und was kann bzw muß ich tun um Unterstützung für ihn zu bekommen. Ich muß ehrlich zugeben das ich mit der Situation grad etwas überfordert bin. Danke für ihre Hilfe
Verfasst am: 25. 11. 19 [00:37]
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andi-kaninchen
Beiträge: 7
Hallo, ja das ist gang und gebe.
Eigentlich gibt es in jedem KH einen Sozialdienst. Der kümmert sich um sowas, glaube ich.
Ihr braucht eine Häusliche Pflege, die kommen zu Ihrem Vater und helfen bei allem.
Fragt wer das auslösen muss.
Bei mir hatte ich eine Verordnung vom Hausarzt.
Verfasst am: 25. 11. 19 [07:47]
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Waldi14
Beiträge: 139
Andi hat Recht:
... " Immer wieder hören wir von Frischamputierten, dass nach Aussage der Kranken- bzw.Pflegekassen eine Einstufung in einen Pflegegrad erst nach dem stationären Aufenthalt möglich sein.
ABER: Auch wenn man als Patient noch stationär ist und es nicht absehbar ist, dass man danach wieder alleine zurechtkommen wird, sollten man bereits stationär den Sozialdienst des Krankenhauses um Hilfe beim Antrag zu einer Eileinstufung in einen Pflegegrad bitten - dieser ist auch bereits stationär möglich!
Sie können über den Sozialdienst der Klinik auf kurzem Weg mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) eine Eileinstufung erreichen. Leistungen aus der Pflegeversicherung fließen dann sofort und erst im Nachhinein kommt ein Gutachter zum Begutachtungsverfahren vorbei. Dabei wird untersucht, ob der Pflegegrad zu Recht vergeben wurde oder abgeändert wird.

Gleichzeitig würde ich schon bei Pflegediensten am Ort nachfragen, wer die häusliche Pflege übernehmen kann.
Ein anderer Weg wäre natürlich eine Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim. Aber auch da kann/muss der Sozialdienst in der Klinik aktiv werden.

Alles Gute wünscht waldi
Verfasst am: 25. 11. 19 [12:44]
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einbein
Beiträge: 787
Das Krankenhaut ist für die Operation und erste Wundversorgung zuständig. Sobald dort alles im Lot ist, dass die weitere Versorgung vom Hausarzt gemacht werden kann, gibt es keinen Grund für einen weiteren Krankenhausaufenthalt.
Mit dem Sozialdienst des KH sprechen, ob und wie weit eine Kurzzeitpflege erforderlich ist. Im Grunde spricht aber "nur wegen einem abben Bein" erst mal nicht dafür.

Das Bein ist ja sicherlich nicht von jetzt auf gleich unfallbedingt amputiert worden. Und auch dann muss man sich auf die neue Lebenssituation einrichten und arrangieren. Mit 69 kann man noch ganz fidell und aktiv sein, andere sind aber mit 40 schon "alt". Auch von der rEHA darf man keine Wunder erwaerten. Es sind 3 Wochen, in denen man etwas Inspiration bekommen kann. Es ist nicht das Trainingslager der Fremdenlegion, um eine Prothesen-Sportler zu werden. Im Grunde ist es auch schmarren, in eine Reha zu gehen, wenn man noch nicht frei auf der Prothese gehen kann.
Eine Prothesenversorgung ist eine langwierige Prozedur und erfoertert von allen Beteiligten Engagement, Geduld und Hartnäckigkeit. Der Stumpf verändert sich in der Anfangszeit extrem und man muss anfangs praktisch täglich anpassen. Dies kann die Reha kaum leisten.

Zuerst muss man sich selbst die Frage stellen: Was will ich, was kann ich leisten und wieviel Anstrengung will ich in mein Projekt stecken. Dazu gehören auch die kognitiven Fähigkeiten. Vielleicht ist es auch sinnvoll, es sich bequem zu machen und auf ein Leben mit dem Rollstuhl einzurichten, als mit sinnlosen Anstrengungen seine verbleibende Lebenszeit zu verbrauchen.

Mit Prothese zu laufen bedeutet in jedem Fall Leistungssport betreiben zu wollen. Dazu muss man alles über Bord werfen, was einen davon abhält. Allem voran Scham und Rücksichtnahme. Gegen sich selbst und gegenüber anderen. Dann störende Einflüsse wie Rauchen, Übergewicht, Alkohol. Ggf. muss eine Diabetis gut eingestellt sein und man muss diszipliniert damit umgegen können. Dann erstellt man sein Trainingsprogramm. Fordern, ohne etwas kaputt zu machen. Der gute Sportler zeichnet sich dadurch aus, dass er in seinen Körper schauen kann und weiß, wann die Grenze erreicht ist.
Zum Aufbau einer Grundkondition eigent sich hervorragend Schwimmen und Radfahren. Eine Prothese bedarf es dazu nicht. Mit 69 mit Radfahren anzufangen ist sicher nicht der beste Zeitpunkt. Ich habe aber auch schon Kandidaten gehabt, die als Kind amputiert wurden und über 50 Jahre später wieder auf dem Rad saßen und nach 30 Sekunden davon fuhren. Das ist mehr eine Frage des Kopfes als des Körpers.

Der nächste Punkt ist der Rollstuhl. Manchmal geht es nicht anders. Aber der Rollstuhl ist der Feind jeder Aktivität. Erstens ist er eine Behinderung an sich, dann macht er den Anwender bequem und faul und hält ihn davon ab, ein guter Prothesenläufer zu werden. Wenn die körperliche Möglichkeit besteht, schafft man am besten erst garkeinen an oder lässt ihn schnellstmöglich im Keller verschwinden. Krücken wären dann das Mittel der Wahl. Sie ersparen das Sportstudio und Kräftigen bei der Fortbewegung gleich den Oberkörper mit.

Sitzen sollte man die ersten Wochen nach einer Beinamputation übrigens nur zum Essen und auf dem Klo. Sonst stehen oder liegen. Eine Hüftbeuge-Kontraktur bekommt man nur schwer weg und der Lypfhabfluss wird im sSitzen gestört.

Bei Fragen gerne melden.






Was du heute nicht erlebst, kannst du morgen nicht nachholen ohne etwas anderes zu verpassen.
Verfasst am: 25. 11. 19 [13:01]
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