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Pro und Contra für Sexualbegleitung für Menschen mit Handycap

Topic Status: beantwortet

 » Partnerschaft & Sexualität
Landesflagge: DE
DieKerstin
Themenersteller
Beiträge: 3
Hallo,

ich möchte mich im Laufe diesen Jahres als Sexualbegleiterin/-beraterin/-berührerin selbständig machen. Ich möchte Menschen mit Handycap die Möglichkeit geben, sich selbst anzunehmen, zu berühren, sich berühren zu lassen. Sexualität ist ein Grundbedürfnis und wird leider noch viel zu oft in diesem Bereich tabuisiert. Doch auch Menschen mit Autismus, spastischen Lähmungen, Down-Syndrom uvm. haben Gefühle und dieses Grundbedürfnis nach Wärme, Zuneigung, Streicheleinheiten und Sex.

Ich weiß, das in Holland z.B. ein- bis zweimal pro Monat eine solche "Dienstleistung" von staatlicher Seite übernommen wird. Doch wie ist es hier in Deutschland? Der Bedarf ist sicherlich vorhanden, doch wie wird es finanziert? Durch Angehörige? Durch die Klienten selbst? Oder gar nicht? Wie wird in Pflegeheimen mit diesem Bedarf umgegangen?

Das sind ne Menge Fragen und ich würde mich freuen, ein paar Antworten von Betroffenen zu bekommen.

LG
Kerstin

BE-BEST
Begleiten
Berühren
Streicheln
Sexualbegleitung - immer noch ein Tabu?
Verfasst am: 13. 01. 15 [13:52]
Die Website für Menschen mit Behinderung und schwerer Krankheit / Community for disabled people
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Justin
Beiträge: 6606
Hallo DieKerstin,

zunächst einmal herzlich willkommen in der Community! Schön, dass Du MyHandicap gefunden hast icon_smile.gif
Eine Übersicht, wie das bei uns funktioniert, bietet dieses kurze Video (selbstverständlich auch mit Untertiteln): http://www.myhandicap.de/guided-tour.html

Die Kosten für solche Dienstleistungen werden in Deutschland nicht übernommen, sondern müssen von den Kunden oder deren Angehörigen selbst getragen werden.

Wie solche Dienstleistungen in Pflegeheimen gehandhabt werden ist höchst unterschiedlich.

Meine Antwort war hoffentlich ein klein wenig hilfreich für Dich.

Bei weiteren Fragen wende Dich gern jederzeit wieder an die Community, meine Kollegen oder mich. Wir alle hier freuen uns, wenn wir helfen dürfen icon_smile.gif

Beste Grüße, Justin
MyHandicap
Wenn diese Antwort für Dich hilfreich war, bewerte bitte oberhalb des Beitrags, wie weit Deine Frage beantwortet wurde.
Sollte Dein Anliegen noch nicht gelöst sein, zögere bitte nicht, noch einmal nachzufragen! ******
Verfasst am: 13. 01. 15 [15:55]
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asp_peter
Beiträge: 32
Hi,

ich bin sicher nicht repräsentativ für diese Fragen, aber ich empfehle der Fragestellerin sich über das Autismusspektrum genauer zu informieren. Schon die Frage, wie das hier in D finanziert wird, halte ich für seltsam... das ist am einfachsten zu klären und deswegen habe ich jetzt schon Zweifel an einem geeigneten "Businessplan".

Jeder hat irgendein anderes Grundbedürfnis und es findet sich immer jemanden, der das deckt, v.a. wenn er/sie Geld dafür bekommt.

Mein Grundbedürfnis ist, alleine zu sein und auf keinen Fall von einer unbekannten Person (heißt, die ich nicht täglich über Jahre sehe) angefasst zu werden. Handschlag ist seit langem allerdings ok, weil sozial zwingend notwendig, und von der Familie akzeptiere ich zumindest zu Feiertagen eine Umarmung, weil die das brauchen. Alles darüber hinaus ist purer Stress.

Peter.

Asperger, 46 Jahre. Und stolz darauf, denn ich kann Dinge, die kein anderer kann.
Verfasst am: 14. 01. 15 [00:57]
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cajuns
Beiträge: 72
asp_peter hat geschrieben:

Hi,

ich bin sicher nicht repräsentativ für diese Fragen, aber ich empfehle der Fragestellerin sich über das Autismusspektrum genauer zu informieren. Schon die Frage, wie das hier in D finanziert wird, halte ich für seltsam... das ist am einfachsten zu klären und deswegen habe ich jetzt schon Zweifel an einem geeigneten "Businessplan".

Jeder hat irgendein anderes Grundbedürfnis und es findet sich immer jemanden, der das deckt, v.a. wenn er/sie Geld dafür bekommt.

Mein Grundbedürfnis ist, alleine zu sein und auf keinen Fall von einer unbekannten Person (heißt, die ich nicht täglich über Jahre sehe) angefasst zu werden. Handschlag ist seit langem allerdings ok, weil sozial zwingend notwendig, und von der Familie akzeptiere ich zumindest zu Feiertagen eine Umarmung, weil die das brauchen. Alles darüber hinaus ist purer Stress.

Peter.


Hi Peter,

das ist Beides nicht relevant. Ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema, wer was finanziert und was nicht. Es ist relativ leicht herauszufinden, ob eine bestimmte Sache finanziert wird, es ist fast unmöglich herauszufinden, ob eine bestimmte Sache nicht doch von einer bestimmten Stelle finanziert wird, die sagen nämlich aus Prinzip immer nein. Es ist z.B. nicht einzusehen, warum Sexualbegleitung nicht Teil der Leistungen zur Teilhabe an der Gesellschaft sein sollten. Sex wäre für mich wichtiger als ein Auto oder ein Theaterbesuch.

Zur zweiten Frage: Ich bin zwar kein Experte für Sexualbegleitung, aber ich vermute mal, die hüpfen nicht bei erster Gelegenheit ins Bett. In der Regel dürfte es um eine Heranführung an Sexualität gehen. Menschen aus dem autistischen Spektrum, die das nicht möchten, werden sich wohl nicht an eine Sexualberatung wenden und niemand ist gezwungen, das zu tun. Also, bitte mal einen Gan runterschalten.

HTH cajuns
Verfasst am: 14. 01. 15 [11:03]
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Gelöschter Benutzer
Liebe Kerstin

Ich bin grundsätzlich für ein solches Angebot. Jedoch eine Behindertenorganisation in der Schweiz hat solch eine Dienstleistung vor Jahren aufbauen wollen. Dann sprangen die Spenderinnen und Spender ab. Da haben sie die Kampagne eingestellt. Es wird sicherlich nicht einfach in die Selbstständigkeit mit solch einem Angebot zu gelangen. Ich nehme an, dass das Bedürfnis für Menschen da ist. Doch das Grundbedürfnis des Lebenshaushalts und der Gesundheit werden immer schwerer finanzierbar. Da wird sicherlich eine Finanzierbarkeit einer solchen Dienstleistung noch komplexer und aufwendiger.
Kannst du dir diesen Marketingaufwand und Überzeugungsaufwand realistisch ohne finanzielle Mittel vorstellen?

Schön wäre ein solches Angebot

Freundliche Grüsse

fuenf

Hoo'oponopono Huna und Liebe
Verfasst am: 14. 01. 15 [17:42]
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DieKerstin
Themenersteller
Beiträge: 3


...Es ist z.B. nicht einzusehen, warum Sexualbegleitung nicht Teil der Leistungen zur Teilhabe an der Gesellschaft sein sollten. Sex wäre für mich wichtiger als ein Auto oder ein Theaterbesuch.

...die hüpfen nicht bei erster Gelegenheit ins Bett. In der Regel dürfte es um eine Heranführung an Sexualität gehen. ...


Sorry, ich krieg das mit dem "zitieren" nicht so hin *rotwerd*

Ja, auch mir liegt vorwiegend die Heranführung am Herzen. Ich denke einfach, das Menschen mit Handicap zu schnell als asexuell abgestempelt werden und auch entsprechend behandelt werden.

Und genauso wie es mir gut tut, umarmt und gestreichelt zu werden, tut es anderen Menschen - egal, ob mit Handicap oder ohne - auch gut. Nur das es letzteren durch Barrieren, Unverständnis und Tabuisierung immens erschwert wird. Nur als Beispiel: Der freundliche und kerngesunde Herr von neben an setzt sich in sein Auto und fährt ins nächste Bordell. Oder wenn gut betucht, dann wird ein Escortservice bestellt...

Und nein, es ist nicht leicht heraus zu finden, wie entsprechende Dienste nun finanziert werden. Dies ist aber ein wichtiger Bestandteil eines Bussinessplans und Voraussetzung für einen Einstieg in eine Selbständigkeit als Sexualbegleiterin. Denn, ja, auch ich muss am Ende davon leben können.

Doch auch gerade, was Aufklärung angeht, oder sich selbst fühlen und wahrnehmen können - für Menschen, denen das essentiell fehlt - finde ich wichtig. Nicht zuletzt im Bereich der Integration und des Verstehens. Nicht zu reden von unseren Gesetzen der Gleichbehandlung: Alle sind gleich, nur manche eben gleicher (Ironie aus).

LG
Kerstin

BE-BEST
Begleiten
Berühren
Streicheln
Sexualbegleitung - immer noch ein Tabu?
Verfasst am: 14. 01. 15 [19:07]
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kathrin49
Beiträge: 65
Hallo Kerstin,

das klingt schon alles sehr "businessorientiert".

Mir fehlt in Deiner Vorstellung warum Du Dich als befähigt empfindest.

Welche Ausbildung /Lebenserfahrung hast Du?

Nicht jeder kann das, und nicht lang.. .

Physio hat auch seine Berührungspunkte, wenn es gut und professionell gemacht wird.

Ein liebevoller und dem Nächsten zugewandter Mensch denkt dabei vielleicht oder bestimmt nicht zuerst über Gewinn nach.

Grüße, Kathrin49

Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht
Verfasst am: 14. 01. 15 [19:30]
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Gelöschter Benutzer
Hallo

Vielleicht hilft diese Seite weiter: http://www.sexualbegleitung.com/faq_sexualbegleitung.html

Freundliche Grüsse

fuenf

Hoo'oponopono Huna und Liebe
Verfasst am: 14. 01. 15 [22:53]
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Breather
Beiträge: 1162
Hallo Kerstin,

das Thema Sexualbegleitung ist mir nicht fremd. ich leite einen Intensivpflegedienst.
Somit wurden wir im Rahmen unseres Betreuungsauftrages mit dem Thema konfrontiert ( Im Auftrag unserer männlichen klienten.

Ich kann dir sagen, dass es mit sicherheit ein guter Plan ist von dir. Kann dir aber auch sagen (nach Gesprächen mit Sexualbegkeiterinnen), dass Du davon als alleinige "Einnahmequelle" deinen Lebensunterhalt sicher nicht finanzieren kannst. So die Aussagen deiner Kolleginnen (sollte es soweit kommen).

Auf jeden Fall, solltest du die Chance nutzen, dich weiter zu informieren.
Herr Sandfort, wäre da siher die geeignete Person.
http://www.isbbtrebel.de/ausbildung-in-sexualbegleitung/

LG Thomas
Verfasst am: 15. 01. 15 [11:10]
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Gelöschter Benutzer
Wo kommst Du her, DieKerstin ?

Ich hätte jetzt auch gerne Sexualbegleitung aus Duisburg genommen aber 200 Euro habe ich leider nicht und hinfahren ist zu schwierig für mich...
Ich glaube, wenn man wie in Holland es finanziert bekommen würde, hätte ich weniger Depression und die Krankenkasse hätte viel Geld bei mir gespart (...).

Ich suche aber eher für Massagen, kuscheln und Umarmungen aber wo ich auf dauer jemand hätte wegen Ängste / vertrauen aber leider finde ich hier in Köln nichts
Verfasst am: 15. 01. 15 [12:03]
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