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Geistig behinderter Sohn sucht Nähe zu Jugendlichen

Topic Status: in Lösung

 » Partnerschaft & Sexualität
Landesflagge: DE
Klette14
Themenersteller
Beiträge: 3
Hallo zusammen,
mein Sohn, mittlerweile 20 Jahre alt, GdB 70%, ist schwer pubertierend. Geistig auf dem Niveau eines vielleicht 7 oder 8-jährigen, körperlich mit den Bedürfnissen eines Erwachsenen, habe ich jetzt das Problem, dass er die Nähe von Jugendlichen in der Altersgruppe ca. 12 - 14 sucht. Dies ist insofern nicht verwunderlich, weil er aufgrund seiner Behinderung schon immer zu deutlich jüngeren Menschen orientiert war, da er bei gleichaltrigen keine Akzeptanz gefunden hat.
Ich weiß, dass es bereits ein gegenseitiges Anfassen mit einem 13-jährigen gegeben hat. Das erfüllt mich mit großer Sorge und Angst. Er hat wahrlich genug Probleme, da müssen nicht auch noch juristische dazukommen. Ich denke an die potentiellen Opfer, auch wenn mein Sohn niemals irgendeine Form von Gewalt anwenden würde und in dieser Altersgruppe durchaus schon ein Interesse bestehen kann. Ich habe Angst vor sozialer Ächtung für ihn und die ganze Familie, sollte dies zum Vorschein kommen.
Seine Therapeutin ist überfragt und überfordert. "Da sollten wir vielleicht einen Kollegen von ihr suchen, der auf diesem Gebiet mehr Kompetenz hat." Wo wir den finden können, wurde uns nicht mit auf den Weg gegeben. Ein Tabuthema und keiner weiß Rat.
Suche ganz, ganz dringend Unterstützung. Bin wirklich am Verzweifeln.
BG
Verfasst am: 17. 11. 16 [16:00]
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Jumanji
Beiträge: 615
Hallo,

hmm.. schwierig... und ich wäre auch überfordert. Ich sehe da jetzt erst einmal kein Täterverhalten. Das Problem ist eben das geistige Alter und dann auch die Entscheidungskompetenz.

Da deine Therapeutin als Fachkraft keine Idee hat und dich an einen Kollegen verweist... Mir ist dabei eine Idee gekommen. Ich will damit nicht deinen Sohn als Täter bezichtigen. Ich halte es für "normales" pubertierendes Verhalten. Wie bei jedem anderen Kind auch - nur halt in späterem Lebensalter. Aber gerade weil du Angst vor sozialer Ächtung hast, könnte diese Stelle vielleicht weiter helfen. Zumindest können die dir über die rechtliche Situation mit Sicherheit Auskunft geben können.

https://www.kein-taeter-werden.de/berlin

Ich weiß jedenfalls, dass gerade übergriffiges Verhalten durch geistig Behinderte ein großes Problem darstellen kann. Auf der einen Seite weiß derjenige nicht, was er da eigentlich macht und auf der anderen Seite ist dem Opfer (insb. wenn tatsächlich auch noch Gewalt im Spiel ist) das ziemlich egal. Die Folgen eines Missbrauchs können trotzdem auftreten. Verständnis hin, Verständnis her.

Es ist auf jeden Fall ein schwieriges Thema und es ist mit gefühlten x-Millionen Tabus belegt.

Jumanji
Verfasst am: 17. 11. 16 [17:41]
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Emmerich
Beiträge: 182
Hallo ...,

sei erst einmal herzlich willkommen hier im Forum!

Wir User versuchen gern zu helfen, aber das ist wirklich ein gewaltiges Problem.

Dein Sohn ist in einer Phase der Pubertät, dass ist alles noch normal. Er ist geistig Behindert und deshalb nun das Problem.
Ist dein Sohn in einer Tageseinrichtung? Da könnte man mal fragen.
Was mir gerade einfällt. Versuche doch einmal einen Urologen (bitte einen Mann!) aufzusuchen. Viele Urologen haben sich auf Männererkrankungen spezialisiert. Er wird dir wahrscheinlich auch nicht helfen können, aber er hat mit Sicherheit Adressen wo du dich mit deinem Sohn hinwenden kannst.
Du kannst auch einmal einen Psychiater kontaktieren. Auch er müsste doch Adressen wissen.
In deinem Fall sollte man jeden Strohhalm ergreifen. Du machst dir große Sorgen, was für eine gute und liebende Mutter normal ist. Das Verhalten deines Sohnes ist normal pubertierend. Wenn jedoch nichts unternommen wird, kann wirklich mal eine Straftat entstehen. Jeder Mensch hat Bedürfnisse!

Gebe uns doch bitte Bescheid, wie es bei dir/euch weiter geht.

Alles Gute, Emmerich


Verfasst am: 17. 11. 16 [19:10]
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Klette14
Themenersteller
Beiträge: 3
Hallo zusammen,

vorab vielen Dank für die Antworten und Anregungen.

Vielleicht ergänze ich meinen gestrigen Bericht noch mal um ein paar Fakten:

Leider hat mein Sohn schon eine Vorgeschichte: Als es mit der Pubertät losging, im Alter von 12 Jahren, hat er seine Neugierde schon damals damit befriedigt, dass er sich von kleinen Kindern ihre Geschlechtsteile hat zeigen lassen. Wir haben damals als Eltern direkt reagiert, mit vollem Programm: Psychiater, Psychotherapeuten, Jugendamt, Beratungsstellen. Das Ergebnis war, dass er für drei Jahre in einer Wohngruppe gelebt hat, die auf diese Thema spezialisiert war.
Vor etwa einem Jahr haben wir in dann wieder nach Hause geholt. natürlich erst, nachdem wir viele Gespräche geführt hatten und uns versichert wurde, dass grundsätzlich keine pädophile Neigung vorliegt, sondern dieses Verhalten seiner geistigen Einschränkung geschuldet sei. Und er nun soweit therapiert sei, dass keine Rückfallgefahr zu verzeichnen sei.
Damals wie heute hat er keinerlei Gewalt angewendet - wobei das nicht das entscheidende ist.
Aktuell ist er seit zwei Wochen in der Psychiatrie.
Ich bin auf Anraten seiner jetzigen Therapeutin und seines Therapeuten aus der damaligen Einrichtung, an den ich mich natürlich auch sofort wieder gewandt habe, mit ihm dort vorstellig geworden. Jetzt werden seine Medikamente neu eingestellt. Hoffe, dass das hilft.
Habe heute dort ein Abschlussgespräch, weiß aber jetzt bereits, dass auch die Psychiatrie sich nicht für zuständig erklären wird.
Sein damaliger Therapeut hat mir mit auf den Weg gegeben ihn enger zu führen und dafür Sorge zu tragen, dass er nicht mehr in Situationen kommt, die ihn in Versuchung führen könnten. Das ist halt leichter gesagt als getan. Mein Sohn geht einer Ausbildung in einer Einrichtung für Behinderte nach. Er nimmt viele Freizeitangebote von zum Beispiel der Lebenshilfe wahr.
Ich kann ihn doch nicht einsperren um ihn und andere zu schützen.
Rückfällig geworden ist er übrigens im Rahmen einer Ferienaktion. Es waren mehrere Jugendliche in einem Zimmer untergebracht. Zwischen ihm und einem 17-jährigen kam es zu einvernehmlichen gegenseitigen sexuellen Handlungen, der 13-jährige hat das mitbekommen und mitgemacht. Also in einer absolut übersexualisierten Situation, zu der es, wie ich heute weiß, gar nicht hätte kommen dürfen.

Auf der Internetseite von kein-Täter-werden war ich auch schon.
Warte noch das heutige Gespräch in der Psychiatrie ab und werde mich dann wahrscheinlich an diese Stelle wenden. Sind leider nicht flächendecken aufgestellt. Müssen überlegen wie wir das organisatorisch gehandelt bekommen.

Über den Rat mit dem Urologen werde ich mal nachdenken. (Vielen Dank dafür)
Ehrlich gesagt fällt es mir unheimlich schwer mit Dritten über dieses Thema zu sprechen. Es ist ein Tabuthema.

Werde hier weiter berichten und bin nach wie vor für alle Anregungen und Empfehlungen dankbar.
(Bin übrigens Vater und nicht Mutter icon_wink.gif )

BG
Verfasst am: 18. 11. 16 [11:50]
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MyHandicap Engagementsiegel
colores
Beiträge: 2094
Nicht erschrecken ich habe einen vielleicht schockierenden Ansatz .
Ich bin gegen Umpolungen von Homosexuellen oder Pädophilen aber wäre nicht die Idee das andere Geschlecht atraktiv zu machen durch eine professionelle Sexualbegleiterin eine Möglichkeit ? vielleicht hat auch die Userin Rita Leone eine Idee .
Verfasst am: 19. 11. 16 [11:11]
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Jumanji
Beiträge: 615
Hallo,

die "Idee" mit der Sexualbegleitung finde ich gar nicht so schlecht. Allerdings nicht im Sinne von Umpolen oder so was, sondern um ihm die Möglichkeit zu geben Sexualität leben zu können. Wenn das Sexualleben erfüllt ist, erübrigt oder minimiert sich das Problem vielleicht.

Jumanji
Verfasst am: 19. 11. 16 [18:24]
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jenner
Beiträge: 2641
colores hat geschrieben:

Ich bin gegen Umpolungen von Homosexuellen (....)

Umpolung von Homosexuellen? Ist das ernst gemeint?

jenner


Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß ob sie wieder kommen (Oskar Wilde)
Es widert mich an, wie die Anonymität des Netzes ausgenutzt wird, andere „fertig“ zu machen.




Verfasst am: 19. 11. 16 [19:21]
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jenner
Beiträge: 2641
Jumanji hat geschrieben:

die "Idee" mit der Sexualbegleitung finde ich gar nicht so schlecht. (....) Wenn das Sexualleben erfüllt ist, erübrigt oder minimiert sich das Problem vielleicht.

Hallo Jumnanji,

finde ich auch "gar nicht so schlecht". Was ein Urologe mit allem zu tun hätte (von dem andere schrieben), verstehe ich allerdingst nicht so recht.

VG jenner



Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß ob sie wieder kommen (Oskar Wilde)
Es widert mich an, wie die Anonymität des Netzes ausgenutzt wird, andere „fertig“ zu machen.




Verfasst am: 19. 11. 16 [19:54]
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Justin
Beiträge: 6606
Hallo Klette14,

zunächst einmal herzlich auch von unserer Seite aus willkommen in der Community! Schön, dass Du MyHandicap gefunden hast icon_smile.gif

Du hast aus der Community schon einige gute Hinweise erhalten (vielen Dank dafür, Leute icon_smile.gif ).

Wir drücken dir die Daumen, dass du die Hilfe findest, die dein Sohn und ihr braucht.

@colores: Ich denke übrigens nicht, dass es hier vordergründig um Homosexualität geht. Schon gar nicht um Pädophilie. (Übrigens zwei Themen, die keinesfalls miteinander gleichzusetzen werden!!!) Vielmehr geht es dir wohl um die völlig normale, pubertäre Entwicklung und das ausprobieren in dieser Zeit, die in diesem Fall eben etwas zeitversetzt ist.

@jenner: Ich fürchte nicht… Es ist leider tatsächlich Menschen auf dieser Welt, die aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft ignorieren und davon ausgehen, dass homosexuelle Menschen umgepolt gehören.

Wir bitten darum, an dieser Stelle keine weiteren Diskussionen zu führen, die nicht zur Kernfrage beitragen. In unserer Plauderecke können derartige Diskussionen selbstverständlich gern geführt würden. Jedoch losgelöst von dieser ursprünglichen Fragestellung hier.

Beste Grüße, Justin
MyHandicap
Wenn diese Antwort für Dich hilfreich war, bewerte bitte oberhalb des Beitrags, wie weit Deine Frage beantwortet wurde.
Sollte Dein Anliegen noch nicht gelöst sein, zögere bitte nicht, noch einmal nachzufragen! ******
Verfasst am: 20. 11. 16 [11:52]
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Jumanji
Beiträge: 615
Hallo,

hm.. ich ergänze, warum ich aufgrund des Beitrags von Colores auf die Idee gekommen bin, dass ein ein Sexualassistenz in dem Fall eventuell helfen könnte.

Es geht bei Homosexualität um eine sexuelle Ausrichtung die gelebt wird und für die sich ein gesunder Mensch auch bewusst entscheiden kann. Die Grundausrichtung ist mit Sicherheit angeboren und hat weder was mit Krank sein oder Unnormalität zu tun. Umpolen kann man da nichts, auch wenn sich Eltern geouteter Kinder schon einiges Einfallen lassen, um die "Normalität" wieder herzustellen. Natürlich ohne Erfolg! In dem Fragethread geht es allerdings um einen geistig Behinderten Menschen, der die Entscheidung für das Leben einer sexuellen Ausrichtung nicht selbstständig treffen kann. Da ist das Ausleben der Sexualität nicht bewusst gesteuert und unterliegt tatsächlich menschlichen Trieben. Meine klitzekleine Hoffnung wäre, dass sich das Interesse an Jüngeren vielleicht ein wenig verliert oder entschärft, wenn Sexualität gelebt, erlebt und ausgelebt werden kann mit Hilfe einer Sexualassistenz. Immerhin gehen auch Männer und Frauen in einer stabilen Ehe und Partnerschaft nicht fremd! Ich weiß, ein ziemlich dämlicher Vergleich, aber ich weiß auch nicht, wie ich es anders erklären soll.

Ich hoffe, Ihr bekommt aus Berlin noch hilfreiche Antworten und den Ärzten in der Psychiatrie fällt noch was ein. Es ist für Eltern absolute grausam, wenn sie in solch einer Situation stecken und dazu verdammt sind, bei solch einem Verhalten mehr oder weniger hilflos zuschauen zu können.

Jumanji
Verfasst am: 20. 11. 16 [14:25]
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