Ambient Assisted Living für mehr Autonomie

Ein Mann mit einem Tablet und einem Smartphone in der Hand, verbunden mit seiner Ärztin. (Foto: BVMed)
Ambient Assisted Living-Produkte für mehr Autonomie und Selbstbestimmung Zuhause, aber auch unterwegs. (Foto: BVMed)

Ambient Assisted Living, kurz: AAL, ist ein Bereich des durch technische Verfahren und Systeme unterstützten Smart Home. Bereits heute unterstützen AAL-Lösungen hilfsbedürftige Menschen. An umfassenderen Lösungen wird intensiv geforscht.

Smart Home, Smart Living, Ambient Assisted Living - es sind Begriffe, die sich in unserem Alltag noch nicht durchgesetzt haben, die aber in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bei der Assistenz und Pflege von Menschen mit Behinderung oder Senioren eine wichtige Rolle spielen werden.

Assisted Living: Höhere Lebensqualität und sichere Mobilität

Assistenzprodukte oder Assistenzsysteme an sich sind keine neue Errungenschaft. Rollatoren oder Rollstühle gibt es schon lange und auch Notrufsysteme sind schon länger auf dem Markt. Elektronische Sensormatten zur Meldung eines Sturzes von Pflegebedürftigen an Pflegekräfte oder Verwandte gehören zu aktuellen Ambient Assisted Living-Produkten.

Dies gilt auch für den möglichen Kontakt von Senioren oder Menschen mit Behinderung mit Pflegenden über ein Fernsehgerät oder die Steuerung von Haushaltsgeräten, Fenster- und Türöffnungen über eine zentrale Steuerung, beispielsweise über ein Tablet oder ein Smartphone.

Unter anderem im Rahmen von Bildungs- und Forschungsprogrammen sind in den letzten Jahren viele interessante Projekte lanciert worden, die weit über bereits existierende Produkte hinausgehen. Aus ihnen sollen dereinst praktikable Lösungen entstehen, die der hohen Lebensqualität zu Hause, der sicheren Mobilität und der Erhaltung der Gesundheit dienen:

Intelligenter Sessel: GEWOS

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS präsentierte auf der CeBIT 2013 mit dem Projekt GEWOS einen intelligenten Sessel, in dem man sich gemütlich vor dem Fernseher lümmeln kann, der die Menschen aber gleichzeitig dazu motiviert, sich gesund und fit zu halten.

Eingebaut in Sitzkissen, Rücken- und Armlehne misst die eingebaute Mikrosystemtechnik kontinuierlich den Gesundheitszustand der sitzenden Person. GEWOS ermittelt die wichtigsten Körperfunktionen und die korrekte Sitzposition. Weichen die Werte von den Vorgaben ab, zeigt das System dem Nutzer, wie er seine Ausdauer trainieren oder gesünder sitzen kann - zum Beispiel im Sessel, der sich dann in einer Rudermaschine verwandelt.

Blick auf einen Monitor, der die Vital-Daten einen Menschen abbildet. (hamma/pixelio.de)
Mit AAL-Systemen sind Betreuungsdienste kontinuierlich über sich abzeichnende gesundheitliche Veränderungen informiert. (hamma/pixelio.de)

Selbstbestimmung und Autonomie mit SAMDY

Unter der Projektleitung des Sozialwerks St. Georg entsteht mit SAMDY ein sensorbasiertes Assistenzsystem, welches alte Menschen oder Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung und Autonomie ermöglicht.

Pflege- und Betreuungsdienste werden kontinuierlich über sich abzeichnende gesundheitliche Veränderungen oder potenzielle Gefahrensituationen der unterstützten Personen informiert.

Das Frühwarnsystem besteht aus verschiedenen in der Wohnung und im Bett installierten Drahtlos-Sensoren sowie einer Daten verarbeitenden Home-Station. Die Sensoren können das Schlaf- und Wachverhalten, die Bedienung von Hausgeräten sowie Vitaldaten wie Atmung, Herzschlag und Puls messen.

Statusboard für den Pflegebedarf: "Care4Balance"

In der Schweiz forscht das iHomeLab anwendungsorientiert im Bereich Ambient Assisted Living. "Care4Balance" (engl.) zum Beispiel hat das Ziel, die Zusammenarbeit der professionellen Pflege mit der Betreuung durch Angehörige zu optimieren.

Dazu wird ein Statusboard entwickelt, welches den Pflegebedarf der älteren Person anzeigt und Aufgaben an die verschiedenen betreuenden Personen verteilt werden können. Das Board ist immer aktiv und für die älteren Menschen einfach zu bedienen. Die Informationen werden durch Benutzereingaben und Umgebungssensoren gesammelt. Das System erkennt und analysiert Pflegeanforderungen und/oder umständliche Situationen.

Persönlicher Begleiter: CONFIDENCE

Ebenfalls erforscht das iHomeLab das Assistenzsystem CONFIDENCE (engl.). Dieses bietet Personen mit leichter bis mittlerer Demenz eine flexible Lösung, die persönliche Hilfe mit sinnvoller, nutzbringender Technologieunterstützung verbindet.

Dazu kooperiert eine Gruppe von Familienmitgliedern, professionellen Helfern und Freiwilligen mit Hilfe von Informationstechnologie, um gemeinsam Angehörige und Patienten draussen auf ihrem Weg zu unterstützen. Der mobile CONFIDENCE-Dienst gibt ihnen dazu einen persönlichen Begleiter an die Hand, der verschiedene Stufen der Hilfe anbietet, je nach Situation und Grad des Orientierungsverlusts.

Dies sind nur einige wenige Beispiele von aktuellen oder künftigen Assistenzsystemen und -produkten. Diese Systeme, basierend auf modernster Kommunikationstechnologie, Telemedizin und elektronische Helfer, werden immer bedeutender für Menschen mit Behinderung und Senioren, und unterstützen deren Wunsch nach möglichst langer und möglichst grosser Selbständigkeit.


Text: Patrick Gunti - 07/2013

Fotos: BVMed, pixelio.de

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