Betreutes Wohnen: mehr als ein Dach über dem Kopf

Ein älterer Mann liest Zeitung (Rainer Sturm/pixelio.de)
Betreutes Wohnen ist eine Lebensform, die Selbstbestimmtheit ermöglicht, gleichzeitig aber Unterstützung und Betreuung bietet. (Rainer Sturm/pixelio.de)

Betreutes Wohnen ist eine immer beliebtere Form der möglichst selbständigen Lebensgestaltung im Alter und bei einer körperlichen oder psychischen Behinderung. Die Angebots-Vielfalt ist sehr gross.

Im Zuge der demografischen Entwicklung altert unsere Bevölkerung in einem noch nie dagewesenen Ausmass. Männer in der Schweiz werden heute im Schnitt fast 80, Frauen fast 85 Jahre alt. 2009 waren über 1,3 Millionen Menschen hierzulande über 65 Jahre alt. Bis 2030 dürfte sich der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung auf 25 bis 30 Prozent verdoppeln.

Betreutes Wohnen als neue Lebensform

Für viele Menschen ist das Wohnen in den eigenen vier Wänden aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr möglich, vielfach auch nicht mehr gewünscht. Das Betreute Wohnen ist eine der alternativen Lebensformen, die sich für Senioren, aber auch Menschen mit einer physischen oder psychischen Behinderung als geeignet erwiesen haben und entsprechend populär sind.

So viel Unterstützung wie nötig, so viel Eigenständigkeit wie möglich

Gerade viele Senioren, die in ihren eigenen vier Wänden zwar noch grösstenteils selbständig sind, aber beispielsweise nicht mehr die Verantwortung für ein Haus übernehmen wollen oder in gewissen Lebenssituationen auf Betreuung angewiesen sind, sehen im Betreuten Wohnen eine geeignete Alternative. Im Betreuten Wohnen können sie eigenständig und selbstbestimmt leben, aber bei Bedarf auf verschiedenste Dienstleistungen zurückgreifen, wie zum Beispiel:

  • Verpflegung
  • Raumpflege
  • Notfallknopf / Notfalldienst
  • Pflege- / Spitex
  • Unterstützung in administrativen Belangen
  • Unterstützung ausser Haus
  • Kriseninterventionen
  • Freizeitaktivitäten
Hände verschiedener Personen auf einem Tisch (Maren Bessler/pixelio.de)
In Wohngemeinschaften wird der Isolation und der Einsamkeit von Senioren oder Menschen mit Behinderung Einhalt geboten. (Maren Bessler/pixelio.de)

Vorteile des Betreuten Wohnens im Alter…

Die Vorteile des Betreuten Wohnens liegen auf der Hand. Die Selbstbestimmung und die Selbstständigkeit werden gewahrt, die Senioren tragen weiter Verantwortung für ihr Tun und Handeln, bleiben aktiv und gefordert, und können gleichzeitig ihre Privatsphäre geniessen.

Die Betreuung vermittelt ein Sicherheitsgefühl, die gesundheitliche Versorgung ist gesichert. Angehörige und Bezugspersonen werden bei der Betreuung entlastet und je nach Form des Betreuten Wohnens wird durch den Kontakt mit anderen Senioren, Mitbewohnern oder Nachbarn der zunehmenden Vereinsamung älterer Menschen entgegengewirkt.

…und bei Behinderung

Auch bei einer körperlichen oder psychischen Behinderung ist die Wohnform des Betreuten Wohnens immer beliebter. Obwohl Betroffene trotz Behinderung häufig viele Dinge selbständig erledigen können, sind sie oft nicht in der Lage, den Alltag ohne die Hilfe Dritter zu bestreiten. Das Ziel des Betreuten Wohnens für Menschen mit Behinderung ist, dass die zu betreuenden Personen von Pflegern, Psychologen oder Sozialarbeitern dahingehend unterstützt werden, dass sie ein möglichst selbstständiges und auf den Einzelnen abgestimmtes Leben führen können.

Unterschiedliche Formen des Betreuten Wohnens

Die Selbstständigkeit von älteren Menschen oder Menschen mit einer physischen oder psychischen Behinderung ist sehr unterschiedlich. Entsprechend vielfältig sind die Angebote des Betreuten Wohnens. Der Markt des Betreuten Wohnens ist sehr dynamisch und bringt ständig neue Wohnformen hervor.

In der einfachsten Form betreuen Pflegedienste Personen während einiger Stunden pro Woche in Einzelwohnungen und unterstützen die Betroffenen bei den vorgängig definierten Aufgaben. Dabei kann es sich um barrierefreie Mietwohnungen handeln, um zur Verfügung gestellte Zimmer in Einrichtungen oder um Miet- oder Eigentumswohnungen innerhalb von Residenzen, deren Ausstattung von einfach bis luxuriös reicht.

Wohnen privat - Leben in der Gemeinschaft

Eine gerne in Anspruch genommene Alternative innerhalb des Bereichs des Betreuten Wohnens sind beaufsichtigte Wohngemeinschaften. Hier leben Senioren oder Menschen mit einer Behinderung in Einrichtungen, die spezifisch auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtet sind. In ihren persönlichen Zimmern haben sie die gewünschte Privatsphäre, profitieren aber gleichzeitig in gemeinsamen Wohnräumen, der Küche oder in Begegnungszonen von der Gemeinsamkeit, vom Kontakt mit den Menschen. Innerhalb der Gemeinschaft bestehen Rechte und Pflichten.

Je nach Bedürfnis variiert die Art der Betreuung. Manchmal sind lediglich Pflegedienste im Einsatz, die täglich einige Stunden vor Ort sind, oftmals wird die Betreuung und Begleitung aber auch durch multiprofessionelle Teams rund um die Uhr wahrgenommen.

Ein Eimer mit Reinigungsmitteln und Putzlappen (birgitH/pixelio.de)
Im Betreuten Wohnen können Senioren oder Menschen mit Behinderungen auf Dienstleistungen wie Reinigung, Mahlzeiten oder auch Pflege zurückgreifen. (birgitH/pixelio.de)

Viele Anbieter im Bereich des Betreuten Wohnens

Die Anbieter von Betreutem Wohnen sind so zahlreich wie die Wohnformen vielfältig sind. Einen guten Überblick gibt die Homepage heiminfo. Dabei ist es sehr wichtig, die in Betracht kommenden Angebote, den Umfang und die Details der einzelnen Dienstleistungen genau zu prüfen.

Verschiedene Leistungsträger

Die Kosten des Betreuten Wohnens sind sehr unterschiedlich. In der Regel setzen sie sich zusammen aus der Miete der Wohnung oder des Zimmers und aus individuellen Kosten wie Mahlzeiten, Reinigung, Pflege und Umfang der Betreuung. Wer in welchem Umfang die Leistungen bezahlt, variiert von Fall zu Fall.

Neben Eigenleistungen der Bewohner können die Krankenkassen, die Invalidenversicherung oder Städte und Gemeinden mit der Ausrichtung von Ergänzungsleistungen und Hilflosenentschädigungen die Leistungsträger sein. Seit Anfang des Jahres haben Menschen mit Behinderung, die selbständig leben und wohnen möchten, auch die Möglichkeit, für die Betreuung zu Hause den so genannten Assistenzbeitrag zu beziehen.

"Betreutes Wohnen" kombiniert Kostenvorteile

Der Spitex Verband Schweiz hat 2011 in einer Studie untersuchen lassen, in welchem Fall die Pflege zuhause kostengünstiger ist, und wann diejenige im Heim. Das Resultat: Bei leichter Pflegebedürftigkeit sind die Gesamtkosten deutlich tiefer, wenn ein Mensch zuhause gepflegt wird. Bei sehr hohem Pflegebedarf sind die Gesamtkosten im Heim tiefer. Bei mittlerer Pflegebedürftigkeit und -komplexität überlappen sich die Kostenstrukturen zwischen Heim- und Spitexpflege.

Speziell im Überlappungsbereich der mittleren Pflegebedürftigkeit liegt den Resultaten zufolge ein Spielraum für eine Beeinflussung der Kosten. Die Mischform des Betreuten Wohnens in Form eines Wohnkomplexes mit angeschlossenem ambulantem Pflegeangebot könnte die Kostenvorteile von Heim und Spitex verbinden. Gemäss den Autoren wären die Lebenshaltungskosten ähnlich tief wie bei einer privaten Wohnung, und die Kosten der Spitexpflege könnten reduziert werden, weil weniger Wegkosten anfallen und das entsprechend qualifizierte Personal für die unterschiedlich komplexen Arbeiten gezielt eingesetzt werden könnte.

Text: Patrick Gunti - 05/2012
Fotos: pixelio.de

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