Sitzlift im Alter: Wenn die eigene Treppe zum Feind wird

Eine ältere, zufriedene Dame steht vor ihrem Sitzlift am unteren Treppenende (Bild: Treppenlift1/Wikimedia Commons)
Senioren tun sich oft schwer daran, sich ihre Hilfsbedürftigkeit zuzugestehen. (Bild: Treppenlift1/Wikimedia Commons)

Wenn Treppensteigen zur Last wird, muss nicht immer eine Behinderung im Spiel sein. Wenn Menschen älter werden und ihre Mobilität nachlässt, kann das tägliche Treppensteigen zu einem Risikofaktor werden. Lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht.

Wenn die Kraft nachlässt, kostet es Senioren oft einiges an Überwindung, sich zuzugestehen, dass man auf Hilfe angewiesen ist - in diesem Falle: auf einen Sitzlift. Lesen Sie die Geschichte von Marianne H., einer Frau, welche die Notwendigkeit erst begriff, als es fast zu spät war.

So hatte sich Marianne H. ihren Lebensabend definitiv nicht vorgestellt: "Damals, bei Rentenbeginn, fühlte ich mich ziemlich fit, wohnte alleine und betrieb noch regelmässig Sport. Ich hätte nicht mal im Traum gedacht, dass ich irgendwann mal nicht mal mein eigenes Bett im Obergeschoss erreichen kann."

Treppe wird zunehmend zum Hindernis

Kurz vor ihrem siebzigsten Geburtstag fing es an: "Es begann zuerst mit den Händen und Armen, etwa ein Jahr später kamen die Beine hinzu. Es wurde für mich immer schwieriger zu gehen, ohne mich abstützen zu müssen." Ein Arzt bestätigte ihr daraufhin den Verdacht: Arthrose. Es lag in ihrer Familie. "Meine Oma hatte das auch und meine Tante ebenso", weiss Marianne.

Vor allem das Treppensteigen wurde am Ende zu einem täglichen Horror. Marianne hatte ständig Angst, dass ihr die Beine aufgrund der Schmerzen wegknickten und sie die Stufen hinabstürzte. Das Schlüsselerlebnis erlebte sie Weihnachten 2011: Obwohl sie stets darauf achtete, immer eine Hand auf dem Gelände zu haben und sich auf den Stufen ausreichend Zeit liess, rutschte sie in einer unaufmerksamen Sekunde weg: "Passiert war zum Glück nichts, ich konnte mich noch rechtzeitig festhalten."

Notwendigkeit eines Sitzlifts erkannt

Der Zeitpunkt der Erkenntnis war aber da. Marianne wurde schlagartig klar, was sie bislang stets verdrängte: "So kann das nicht mehr weitergehen, es muss eine andere Lösung her!" Ein Wohnungswechsel kam für sie dennoch nicht infrage - lebte sie doch seit über 30 Jahren im selben Haus.

Heute, gut zwei Jahre später steht ihr Bett immer noch im Obergeschoss. Marianne erreicht es mittlerweile mühelos und risikofrei. Sie hatte sich im darauffolgenden Jahr mit Hilfe ihres Sohnes ausführlich informiert und für die Anschaffung eines Treppenlifts entschieden. Sie nahm ihr Erspartes zusammen, die Kinder übernahmen den Rest der Kosten für einen generalüberholten, gebrauchten Treppenlift.

Der Sitzlift, ihr täglicher Begleiter

"Heute im Rückblick bereue ich, dass ich diesen Schritt nicht früher gemacht hatte. So wären mir Jahre ständiger Angst erspart geblieben. An Tagen, an denen die Schmerzen schlimm waren, bin ich länger im Bett liegen geblieben oder trotz Hungers nicht hinunter in die Küche gegangen, weil ich das Gefühl hatte, mich der gemeinen Treppe ausliefern zu müssen", erzählt sie mit einem Kopfschütteln.

Der Tag, an dem der Sitzlift anmontiert wurde, fing für Marianne mit einem mulmigen Gefühl an. Jedoch war der Moment, "als die Monteure mit ihrem Werk fertig waren und wegfuhren, für mich ein Befreiungsschlag." Sie setzte sich auf den Sitzlift, schnallte den Gürtel um und bediente ihn, so wie es ihr zuvor erklärt wurde. Noch auf halber Fahrt hinauf kamen ihr die Tränen. Vor Erleichterung.

"Ohne den Sitzlift war mir meine eigene Treppe nicht geheuer", sagt Marianne. Heute möchte sie ihn auf keinen Fall missen und will mit diesem Erfahrungsbericht anderen Betroffenen ein Signal setzen.

 

Text: MyHandicap - 11/2013

Bild: Treppenlift1/Wikimedia Commons

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