Im Test: Wie barrierefrei ist die AIDA?

Die AIDAbella sticht in See (Benjamin Renz/pixelio.de)
Die AIDAbella sticht in See (Benjamin Renz/pixelio.de)

Mit einem neuartigen Clubkonzept etablierte AIDA Cruises Mitte der 90er Jahre Kreuzfahrten für die jüngere Generation. Inzwischen haben Kreuzfahrten ihr elitäres Image abgestreift und gelten als hipp. Aber wie barrierefrei ist dieser Spass? Können ihn auch Rollstuhlfahrer geniessen?

Justin Black hat für MyHandicap den Praxistest gemacht und sich eine Woche auf der AIDAbella eingeschifft.

Gleich, wenn man im Callcenter der AIDA Cruises anruft, um sich nach den Reisemöglichkeiten für Rollstuhlfahrer zu erkundigen, erlebt man eine positive Überraschung: „Da verbinde ich Sie gerne mit unserer Special-Needs-Abteilung“, ist die freundliche Aussage der Mitarbeiter.

Kurz darauf kann man sich mit einer Kollegin unterhalten, die sich mit den speziellen Bedürfnissen von Passagieren mit Handicap wirklich auskennt. Sie weiss detailliert, auf welchem Schiff es welche rollstuhlgerechten Kabinen gibt, wie gross diese sind, welche Breite die Türen haben und welche Bereiche eines der (derzeit) sieben Schiffe nur über eine oder mehre Stufen zu erreichen sind.

Auch die Routen kennt sie genau und kann einem sagen, bei welcher Reise das Schiff im Hafen oder zur Reede anlegt. Im zweiten Fall würde das nämlich bedeuten, dass der Landgang nur mittels Tenderboot möglich ist. Diesen Transfer vom Schiff zum Hafen können Rollstuhlfahrer jedoch nicht nutzen.

Das Rundum-sorglos-Paket

Rollstuhlgerechte AIDA-Kabine (Foto: Justin Black)
Rollstuhlgerechte AIDA-Kabine (Foto: Justin Black)

Bei einer direkten Buchung über AIDA Cruises kümmern sich die Mitarbeiter der Special-Needs-Abteilung auch um alle anderen Sondermassnahmen, die während der Reise notwendig werden.

Somit ist ein Rundum-sorglos-Paket quasi im Preis enthalten. Zum Beispiel die Sitzplatzreservierung im Flugzeug, die Anmeldung der notwendigen Hilfsmassnahmen am Flughafen und des Sondergepäcks und der Transfer mittels eines speziellen Rollstuhltaxis vom Zielflughafen zum Schiff. Dieser wird allerdings gesondert in Rechnung gestellt.

Auch können vorab für die Landausflüge rollstuhlgerechte Fahrzeuge und ein eigener Scout für individuelle Entdeckungstouren gebucht werden. Allerdings gegen einen Aufpreis, der nicht gerade klein ist. Daher sollte man sich gut überlegen, ob man dieses Angebot in Anspruch nimmt.

Handrollstuhl mit Zusatzantrieb

Als Rollstuhlfahrer sollte man mit einem möglichst kleinen, leichten und kompakten Gefährt reisen. Handrollstühle mit einem Zusatzantrieb bieten sich hierfür an.

Auch wenn ein großer Elektrorollstuhl an Bord der AIDA selbst keine Schwierigkeiten darstellen würde, so ist man mit einem Handrollstuhl (mit Zusatzantrieb) wesentlich flexibler bei der Flugreise und den Landgängen.

Denn je nach Route sind die Reiseziele nicht immer optimal auf Touristen im Rollstuhl eingestellt. Da ist es von Vorteil, wenn man von einer Begleitperson mal geschoben werden kann oder ein Bordstein ohne Absenkung nicht zum unüberwindbaren Hindernis wird.

Das Showensemble der AIDA (Foto: Justin Black)
Das Showensemble der AIDA (Foto: Justin Black)

Je nach Hafen und Gezeiten kann es sein, dass man eine lange Treppe nutzen muss, um die AIDA zu verlassen. Diese kann man eigentlich auch nicht mehr mit einem Handrollstuhl überwinden.

Doch in einem solchen Fall eilen sofort vier Mitglieder der rund 600 Mann starken Besatzung zur Hilfe und tragen den Rollstuhlfahrer, wie in einer Sänfte, an Land.

Ein derartiger Service und freundliches Personal ist überall auf dem Schiff zu finden. Auch die Scouts nehmen sich genug Zeit, um gemeinsam mit den Gästen zu besprechen, welcher Ausflug im nächsten Hafen trotz der speziellen Bedürfnisse mitgemacht werden kann.

Wer eine Begleitperson dabei hat und von dieser in einen normalen Reisebus getragen werden kann, dem stehen zahlreiche Touren zur Auswahl.

Der Rollstuhl wird im Kofferraum des Busses verstaut. Somit kann man getrost auf ein Sonderfahrzeug verzichten.

Zahllose Erlebniswelten

Nicht nur die verschiedenen Anlaufhäfen bieten den Passagieren Abwechslung. Auch auf der AIDA selbst gibt es zahllose Erlebniswelten. Entspannung lassen sich auf dem Sonnendeck und in der Spa-Abteilung finden. Sportlich wird es im Fitnessstudio oder auf dem Kleinfeldfussball- und -basketballplatz am Heck des Schiffes.

In den sieben Restaurants kann man zwischen Buffet und á lá carte wählen. Das Nachtleben zelebriert man entweder an einer der elf Bars, im Kasino oder der bordeigenen Disko. Das Showensemble der AIDA führt jeden Abend mehrere Shows im Theatrium auf.

AIDAbella nachts (Helmut Brunken/pixelio.de)
AIDAbella nachts (Helmut Brunken/pixelio.de)

Alle öffentlichen Bereiche des Schiffs sind grundsätzlich barrierefrei gestaltet. Die Architekten haben ggf. immer auch einen zweiten, rollstuhlgerechten Weg geschaffen.

Einzig der FKK-Bereich auf Deck 14 ist für Rollstuhlfahrer unzugänglich.

Die zwei Stufen zur Disko lassen sich durch einen kleinen Umweg umfahren.

In den Aufzügen sind die Knöpfe für immobile Rollstuhlfahrer zwar unerreichbar angebracht, aber bei über 2.000 Passagieren muss man nie lange warten, bis einen jemand mitnimmt.

Für den Notfall sind jedem Passagier mit Handicap übrigens Besatzungsmitglieder zugeteilt, die ihn zu seinem Rettungsboot eskortieren. Wer in seiner Kabine mal Hilfe braucht, kann im Bad oder am Bett einen Notruf auslösen.

Sollte man den daraufhin unmittelbar erfolgenden Kontrollanruf nicht beantworten, ist binnen zwei Minuten der Schiffsarzt zur Stelle.
Beste Voraussetzungen also, damit jeder einen entspannten Urlaub auf der AIDA verbringen kann.

Text: Justin Black

Fotos: Justin Black, Helmut Brunken / Benjamin Renz / www.pixelio.de

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