Reisen in der Schweiz – frei von Barrieren und Sorgen

Die Tourismusdestination Schweiz hat Menschen mit Behinderungen schon lange als Zielpublikum entdeckt. Während beispielsweise Reisefreudige mit leichten körperlichen Behinderungen oder Hörschwächen ihre Ferienwünsche problemlos in einem der vielen Reisebüros in der Schweiz anbringen können, steigen die Anforderungen mit dem Grad der Behinderung.

Bei allen Reisevorhaben gilt: eine minutiöse Planung ist entscheidend für einen sorgenfreien Urlaub. Insbesondere für Menschen mit Behinderungen erfordern Reisen eine aufwendigere Vorbereitung, gilt es doch die richtige Unterkunft zu finden, den Hin- und Rückweg, aber auch den Aufenthalt selber zu organisieren.

Aber was bedeutet Reisen und Unterkünfte ohne Barrieren? Dies beginnt bereits mit der Anreise: Die SBB bieten durch Ihre Kooperation mit MyHandicap nützliche Informationen und Angebote mit dem Ziel, Reisen für Menschen mit Handicap so angenehm wie möglich zu machen. Wer hingegen mit dem Auto anreist, weiss einen gut markierten, genügend breiten Behindertenparkplatz vor der Unterkunft zu schätzen. Ebenso sollte der Zugangsweg zur Unterkunft ebenerdig sein oder – falls mit einer Stufe versehen – alternativ über eine Rampe, einen Lift oder einen Treppenlift verfügen. Auch muss der Haupteingang zum Hotel für Rollstühle geeignet sein; Drehtüren fallen somit ausser Betracht. Die Breite der Lifteingangstüre sollte wenn möglich – anstelle der üblichen 80 cm – 90 cm betragen und die Liftkabine eine Bodenfläche von 110 x 120 cm aufweisen. Sämtliche weiteren Türen müssen mindestens 80 cm breit sein.

Rollstuhlgängigkeit als Mass aller Dinge

Rollstuhlgängigkeit ist selbstverständlich auch im Gebäudeinnern das Mass aller Dinge. Konkret bedeutet dies: sämtliche Zugangswege zu den Unterkunftszimmern und den sich darin befindenden Feuchträumen, aber auch zum Restaurant sind ohne Hindernisse mit den Rollstuhl befahrbar. Die Zimmer müssen über genügend Bewegungsfläche für Rollstühle verfügen und das Bett sollte sich verschieben lassen. Ebenfalls genügend Bewegungsfläche ist in den Sanitärräumen unabdingbar, insbesondere vor dem WC und dem Waschbecken. Letzteres muss unterfahrbar sein und eine Höhe von maximal 80 cm aufweisen. Im Idealfall ist das Lavabo sogar absenkbar. Zudem sollten sich Gäste in mindestens einem Spiegel auch vom Rollstuhl aus erblicken können. Haltegriffe in genügender Anzahl – beim WC, in der Dusche und/oder in der Badewanne – sind absolut erforderlich, desgleichen ein Duschsitz. Eine Badewanne mit Seitentüre bringt ein weiteres mögliches Hindernis zum Verschwinden.

Für das Prädikat «rollstuhlgängig» ist auch der Restaurationsbereich denselben Regeln unterworfen: ebenerdige Zugänge oder solche über Rampen, Lifte bzw. Treppenlifte gehören zur Grundausstattung. Die Tische im Restaurant sollten wiederum unterfahrbar und wenn möglich nicht höher als 70 cm sein.

Fundgrube für Reisefreudige: Mobility International Schweiz

In der Schweiz besteht eine beachtliche Anzahl an Angeboten für Reisen für Behinderte, von einfachen Hotelunterkünften über Ferienwohnungen bis hin zu betreuten «All-inclusive»-Reisen, wobei Rollstuhlfahrerinnen und –fahrern im Vergleich zu anderen Behinderungen Priorität eingeräumt wird. Ebenfalls bieten in der Schweiz mehrere Organisationen und Vereinigungen spezifische Informationen für Reisen für Behinderte an. An erster Stelle steht das Informationsangebot von Mobility International Schweiz (MIS). MIS sammelt und vermittelt Informationen zu barrierefreiem Reisen für die Schweiz und weltweit und ist Kooperationspartner von MyHandicap. Mit seinen Listen u.a. über Ausflugsziele im In- und Ausland, spezialisierte Reisebüros, Unterkünfte, aber auch zu umgebauten Mietautos oder Hilfsmitteln für barrierefreies Reisen ist MIS derzeit die umfassendste Informationsquelle aus dem Internet. Die MIS-Infothek-Datenbank enthält mittlerweile nicht weniger als 1'400 Einträge.

Für Rollstuhlfahrerinnen und –fahrer bietet RolliHotel.ch eine Hotelsuchmaschine erster Güte. Über eine Abfragemaske können Art der Unterkunft, Regionen und Orte sowie Klassifizierungen von Hotels mit rollstuhlgeeigneten Zimmern bis zu speziell eingerichteten Rollstuhlzimmern erfragt werden. Die Datenbank erteilt umfassende Auskünfte allgemeiner Art sowie über die Erreichbarkeit, das Vorhandensein eines Liftes, die Beschaffenheit der Zimmer und Badezimmer inklusive allen für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer wichtigen Massen wie Türbreiten, Freiraum vor Türen, Höhe des Waschbeckens etc.

Auf unsere Anfrage im Hotel Pestalozzi war zu erfahren, dass der Preis für ein speziell für Rollstuhlfahrer adaptiertes Doppelzimmer – trotz grösserem Badezimmer und weiteren Zusatzinstallationen – nicht höher ist als bei einem Standard-Doppelzimmer. Je nach Saison kostet dieses Doppelzimmer bei Einzelbelegung im sehr zentral gelegenen Hotel (600 m vom Bahnhof SBB und 50 m von der Piazza Grande entfernt) zwischen 95 und 135 Franken pro Nacht inkl. Frühstück. Bei einer Doppelbelegung reduziert sich der Preis pro Person je nach Saison auf 78 bis 100 Franken. Der Halbpensionszuschlag beträgt 35 Franken pro Tag und Vollpension schlägt mit 50 Franken zu Buche. 

Barrierefreiheit überprüfen

Um auch die Barrierefreiheit am Zielort zu überprüfen, bietet MyHandicap das MyAdress Adressenverzeichnis auf dem Portal an. Dort können die relevanten Daten der Gebäude, wie Türbreiten, Rampensteigungen und Behindertentoiletten, nachgeschlagen werden.

Text: pg/myh

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