Auf Rot-Weiss-Roten Pfaden

Mozartkugeln, Fiaker, Riesenrad, Sachertorte und die Kulturhauptstadt Europas 2009, urlauben Sie mit unseren Tipps in den schönsten Städten Österreichs! MyHandicap ist für Sie mit dem Finger auf der barrierefreien Landkarte in die Alpenrepublik vorgereist. Setzen Sie sich wirklich in den Zug und vergessen Sie bitte nicht, uns ein Packerl Manner Schnitten mitzubringen!

Einsteigen bitte!

Die Anreise nach Österreich treten wir mit der österreichischen Bundesbahn an – der ÖBB. Da wir mit einem Rollstuhlfahrer reisen, kümmern wir uns sicherheitshalber einen Tag vorher um einen der zwei Rollstuhlplätze im Fernreisezug. Im Callcenter der ÖBB (+43 5 1717) reservieren wir den einen Platz mit etwas Geduld. Bei guten zehn Minuten in der Warteschleife geht sich zum Kaffee auch gleich das erste Stück Sachertorte aus. Ja das ist sie, die österreichische Gemütlichkeit. Hektik dürfen Sie beim Urlaub in Österreich keine an den Tag legen, weder mit noch ohne Handicap. Alles geht hier ein bisserl langsam, aber es geht.

Mann im Rollstuhl vor einem Springbrunnen (Tourismus Salzburg GmbH)
Mitten im schönen Salzburg (Tourismus Salzburg GmbH)

Servus Mozart

Unsere erste Station ist Salzburg, die weltbekannte Mozartstadt. Barrierefreiheit ist hier schon seit einigen Jahren ein Thema. Die hilfreiche Broschüre „Salzburg – barrierefrei erleben“ wurde bereits einmal neu überarbeitet und wird auf Anfrage prompt zugesandt.

Auch im Internet können Sie sich über barrierefreie Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten und alles, was sonst noch relevant für einen Salzburgbesuch ist, informieren. Sämtliche Informationen wurden nach ÖNORM B 1600 erhoben und sind mit genauen Angaben angeführt. Wenn Sie sich auf Ihren Salzburgaufenthalt besonders gut vorbereiten möchten, wenden Sie sich von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und von Freitag von 8 bis 12 Uhr unter +43 662 8072 3232 oder per Mail an die Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung der Stadt Salzburg.

Nachgefragt, welche Hotels sich tatsächlich besonders gut für Rollstuhlfahrer eigenen, wird uns der etwas ausserhalb der Stadt gelegene Heffterhof mit acht barrierefreien Zimmern empfohlen. Um 98 Euro lässt es sich hier bequem im Doppelzimmer nächtigen - inklusive Frühstück. Auch das direkt beim Bahnhof lokalisierte Hotel Ramada verfügt über zwei barrierefreie Zimmer mit rollstuhlgerechtem Badezimmer. Die Nacht im Doppelzimmer kostet zwischen 79 und 120 Euro. Für das Frühstück muss mal pro Person 15 Euro zuzahlen. 

Das Vorwärtskommen mit den O- und Autobussen in der Stadt stellt kein Problem dar. Zwar sind nicht alle Fahrzeuge Niederflurbusse, aber auch hier gilt: Mit etwas Geduld erreicht man mit dem Rollstuhl jedes gewünschte Ziel. Auch die Festung Hohensalzburg erobern wir mit der barrierefreien Festungsbahn.

Die Linzer Altstadt aus der Vogelperspektive (Tourismusverband Linz)
Die Linzer Altstadt aus der Vogelperspektive (Tourismusverband Linz)

In Linz beginnts

Mit der kundenfreundlichen ÖBB geht’s weiter nach Linz. Die Kulturhauptstadt Europas hinkt, was Barrierefreiheit und vor allem die Informationen dazu betrifft, noch ein bisschen hinter Landeshauptstädten wie Graz oder Innsbruck nach. Aber sie bemüht sich! Die Damen vom Infocenter sind sehr freundlich und gerade dabei, die provisorisch zusammengestellte Infobroschüre „Linz, Rollstuhlgerecht“, zu überarbeiten. Bald soll sie auch online zur Verfügung stehen.

Aktuell werden die mit einem Rollstuhlfahrer gemeinsam überprüften Adressen und Informationen per Post zugesandt. Katharina Lettner von der Touristeninfo bemüht sich sehr um mobilitätseingeschränkte Gäste. Das einzige tatsächlich barrierefreie Hotel in der Stadt ist das Hotel Courtyard. Das Haus verfügt über exakt ein „durch und durch“ rollstuhlgerechtes Musterzimmer für Barrierefreiheit. Die anderen Zimmer sind durchaus auch als behindertenfreundlich anzusehen. Laut Auskunft in der Broschüre hängt der Haustechniker bei Platzproblemen sogar die Türen aus! Zu zahlen sind für diesen Service zwischen 80 und 90 Euro am Wochenende und 125 Euro unter der Woche. Am Wochenende ist das Frühstück inklusive. Wochentags muss man es um 11 oder 18 Euro dazu kaufen. 

Das Vorwärtskommen in der Stadt scheint sich laut Lettner leichter bewerkstelligen zu lassen als die Zimmersuche. Sowohl Strassenbahnen, Linienbusse als auch Cityrunner sind mit Niederflurtechnik ausgestattet.

Oh Donau so blau, so blau, so blau…

Mit dem Schiff reisen wir am Samstag weiter in die Bundeshauptstadt. Das für manuelle Rollstühle zugängliche Schiff der Donauschiffahrt Wurm und Köck verlässt um 9 Uhr den Linzer Hafen und legt um 20.30 in Wien an der Reichsbrücke an. Eine lange Fahrt, die sich lohnt! Das Schiff passiert die wunderschöne Wachau und Städte wie Krems und Tulln.

Auch für Rollstuhlfahrer: Ein Fiaker mit Rampe (Foto: Alfred Wojtek)
Auch für Rollstuhlfahrer: Ein Fiaker mit Rampe (Foto: Alfred Wojtek)

Wien ist anders

In Wien angekommen, beziehen wir eines der uns empfohlenen coolen und vor allem auch günstigen Hotels. Das Kolpinghaus Wien Zentral verfügt als einziges Hotel in Wien über neun barrierefreie Zimmer mit extra viel Platz und rollstuhlgerechtem Bad. Um 88 beziehungsweise 98 Euro gibts hier ein Doppelzimmer inklusive Frühstück. Wer gern auf Design schläft, wird das Budget Design Hotel Roomz lieben. Drei barrierefreie Zimmer warten auf coole Reisende. Ein Zimmer für zwei Personen kostet je nach Saison zwischen 59 und 150 Euro. Das Frühstück muss um 15 Euro dazugekauft werden. 

Und als krassen Gegenpol drehen wir am nächsten Tag eine Runde mit dem rollstuhlgerechten Fiaker. Ja, es gibt ihn tatsächlich! Einen mit Rampe ausgestatteten Fiaker! Herr Alrfred und sein Kollege Herr Woitek kutschieren seit einem Jahr Rollstuhlfahrer mit einem Gesamtgewicht von bis zu 300 Kilo durch Wien. Die Stunde kostet 95 Euro, 40 Minuten 65 Euro und 20 Minuten 40 Euro. Auf Wunsch holt Herr Wojtek seine Gäste auch mit dem Fiaker vorm Hotel ab und führt sie direkt in die Wiener Oper. Denn „Wien ist anders“ und „vieles ist möglich“!

Franz Andel von der ÖBB fasst barrierefreien Urlaub in Österreich perfekt zusammen: „In Österreich wird improvisiert. So wird vieles möglich! Mit Goodwill von beiden Seiten kommen auch mobilitätseingeschränkte Gäste in Österreich sehr weit!“


Text: MHA

Fotos: Tourismus Salzburg GmbH, Tourismusverband Linz, Alfred Wojtek

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