Günstig und barrierefrei in die Sächsische Schweiz

Blick auf bizarr geformte Felsen (Foto: Frank Richter)
Von der Barbarine, dem Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz aus (Foto: Frank Richter)

Einen Katzensprung von der Weltkulturhauptstadt Dresden entfernt, direkt an der tschechischen Grenze liegt die Sächsische Schweiz. Das dortige Elbsandsteingebirge, das sich vor etlichen Millionen Jahren zu der heutigen Landschaft entwickelte, hatte schon etliche Künstler im 18. Jahrhundert inspiriert. Nun sind Reisende mit Handicap dran.

Angekommen in Bad Schandau, Dreh- und Angelpunkt der Sächsischen Schweiz, zieht es den Preisbewussten zum Hotel Grundmühle. In dessen Parterre befinden sich nach eigenen Angaben zwei „komplett rollstuhlgerecht“ eingerichtete Zimmer. In der Hauptsaison kosten diese Doppelzimmer 80 Euro pro Nacht, inklusive Frühstück. Das hauseigene Restaurant ist ebenfalls gut zugänglich, nur der Weg zur Sauna verläuft über drei Treppenstufen. Die S-Bahnstation Krippen (die S-Bahn fährt direkt nach Dresden) liegt einen viertelstündigen Fussweg entfernt.

Laut dem Touristservice Bad Schandau bietet allerdings nur das mit dem Silbernen Rollstuhl prämierte Apparthotel Am Schlossberg mehr Behindertenfreundlichkeit. Das Gebäude ist für Rollstuhlfahrer komplett zugänglich, es gibt automatische Durchgangstüren und das Hotelpersonal ist behilflich bei der Zusammenstellung von Ausflügen. Dieses 4-Sterne-Hotel hat dementsprechend seinen Preis: 104 Euro pro DZ / Nacht. Die Hotelwebseite empfiehlt grundsätzlich die „Anfahrt mit dem eigenen Auto“.

Alternativen für preisbewusste Touristen 

Je nach Behinderungsgrad können auch günstigere Ferienwohnungen eine Option für Reisende mit Behinderung sein. Da viele Unterkünfte nicht nach DIN 18025 genormt sind, empfiehlt der Touristservice, bei Interesse konkret anzufragen und die Behinderung anzugeben. Sie „sind Ihnen bei der Buchung Ihrer Unterkunft gerne behilflich“. Zu beachten ist ausserdem noch die Kurtaxe von 1 bis 1,50 Euro (je nach Saison), die zusätzlich pro Person und pro Tag direkt bei der Unterkunft zu entrichten ist.

„Deutschlands schönste Schweiz“ (Eigenwerbung Sächsischer Tourismusverband) hat Touristen mit Behinderung einiges zu bieten. Die interessante Landschaft mit den bizarren Felsformationen und der Barbarine, dem Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, zieht Menschen, ob mit oder ohne Behinderung in diese Region.

Die 9,5ha grosse Festung ist mit vielen Mythen und Legenden verbunden. (Foto: Herbert Boswank)
Europas grösste Bergfestung Königstein thront über die Sächsische Schweiz (Foto: Herbert Boswank)

Kultur und Natur miteinander verknüpft

Historisch interessierte Touristen können die grösste Bergfestung Europas Königstein besuchen. Der ermäßigte Eintritt von 4 Euro ist allein auf Grund des beeindruckenden Ausblickes auf die Sächsische Schweiz gut investiert. Die insgesamt 9,5ha große Festungsanlage ist für Rollstuhlfahrer grösstenteils problemlos befahrbar. Nur sollte eine Begleitperson dabei sein, da teilweise Gefälle und Steigungen überwunden werden müssen.

Das Nationalparkzentrum Sächsische Schweiz (ermässigter Eintritt: 3 Euro) gilt als besonders barrierefrei. Auf Anfrage werden Führungen für Menschen mit Lern- und Sehbehinderung gemacht. Selbst hörbehinderte Gäste, oftmals kaum berücksichtigt in Sachen Barrierefreiheit, kommen auf ihre Kosten: Mit Induktionsschleifen, untertitelten Filmen und gebärdensprachgedolmetschten Führungen. So erfährt jeder interaktiv die hiesige Flora und Fauna sowie die Entstehungsgeschichte dieser „romantischen Landschaft“ (Sächsischer Tourismusverband).

Die Sächsische Schweiz spricht auch Sportler an

Sie wollen der einzigartigen Natur des Elbsandsteingebirges sportlich begegnen? Veit Riffer, selbst querschnittgelähmt und zertifizierter Nationalparkführer, empfiehlt Reisenden mit Mobilitätseinschränkung Touren auf Rollstühlen oder Handbikes – auch unter seiner Führung. Auf seiner reich bebilderten Homepage können Interessierte sich vorab die insgesamt 32 aufgelisteten Touren (u. a. mit detaillierten Angaben zu Streckenlänge, Zwischenetappen und Schwierigkeitsgrad) schmackhaft machen. Abhängig vom „eigenen Aktionsradius“ (O-Ton Riffer) ist für jeden was dabei!

Der Wanderer über dem Nebelmeer; ein Gemälde von Friedrich (Wikipedia)
Das Elbsandsteingebirge inspirierte im 18. Jahrhundert Künstler wie Caspar David Friedrich (Wikipedia)

Der berühmte, insgesamt 112 Kilometer lange Malerweg, der den deutschen Künstler Caspar David Friedrich unter anderem zu seinem Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ inspirierte, gilt als schönster Wanderweg Deutschlands. Leider ist er aufgrund von Schluchten und Stiegen nur in Teilen befahrbar. Dennoch sollten Sie sich die einzigartige Landschaft auf den zugänglichen Etappen nicht entgehen lassen. Auf der Webseite finden Sie unter "Wanderweg Malerweg" Beschreibungen zu den einzelnen Etappen.

Spass mit dem nassen Element

Auch auf Wasser ist die Sächsische Schweiz ein Erlebnis. Auf Menschen mit Behinderung zugeschnittene Angebote sind laut dem Reiseführer „Sachsen barrierefrei“ eine „Bereicherung und Herausforderung“ für das Team von Kanu Aktiv Tours in Königstein. Dort werden unter anderem Kajak- (ab 22 Euro), Schlauchboot- (ab 47 Euro) und Fahrradtouren (9 Euro pro Tag) angeboten – auch in Kombination untereinander. Weiter im Angebot stehen Klettern (auch für Blinde) im „Sachsens einzigen Indoor-Hochseilgarten“ und Höhlenerkundungen. Laut der jungen Dame am Telefon kommen regelmässig Menschen mit Behinderung – individuell oder in Gruppen – und nehmen „starke Erlebnisse“ mit nach Hause.

Wer es aber ruhiger angehen möchte, kann die eindrucksvolle Landschaft während einer Fahrt auf der Elbe genießen, auf Wunsch auch bis nach Tschechien. Walter Strohbach (Telefon: +4935028/81399) heißt bis zu drei Reisende mit Rollstühlen auf seinem Katamaran willkommen. Eine Begleitperson wäre jedoch beim Ein- und Aussteigen sowie beim Umsetzen auf diejenigen Plätze zu empfehlen. Die Kosten für eine geführte Bootsfahrt belaufen sich je nach Strecke auf 10 bzw. 15 Euro (Standardfahrt / Panoramafahrt) pro Stunde und pro Person.

Der zertifizierte Nationalparkführer Veit Riffer und seine Begleiterin beweisen das (Foto: Sächsischer Touristenverband)
Der gesamte Elbradweg ist auch für Rollstuhlfahrer problemlos zu befahren (Foto: Sächsischer Touristenverband)

Ein Ausflug an die "Elbflorenz"

Ein Urlaub in der Sächsischen Schweiz kann gut mit einem Tagesausflug in die – ehemalige – Weltkulturhauptstadt Dresden veredelt werden. Eine Dreiviertelzugstunde von Bad Schandau entfernt, laden die Dresdner Sehenswürdigkeiten zum Besuch ein: Die Frauenkirche, die Semperoper sowie der Dresdner Zwinger. Alle besitzen laut dem Behindertenführer der Stadt Dresden Behinderten-WCs. Für Rollstuhlfahrer ist der Zwinger im Gegensatz zu den anderen beiden Locations nur in Teilen zugänglich.

Der Tagesausflug kann mit einer Führung durch die Altstadt oder mit einem Spaziergang durch das Elbtal ergänzt werden. Stefan Blechinger von Dresden Marketing empfiehlt letztere Route unbedingt, wegen „der Berge und des Panoramas“. Die Steigung ist niedrig, alle paar Kilometer befindet sich ein Behinderten-WC und die Radwege sind geteert. Besser kann ein barrierefreier Urlaub kaum sein.


Text: TMI

Fotos: Sächsischer Touristenverband, Herbert Boswank, Wikipedia

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