Transsibreise ohne Barrieren

Bunte Züge fahren durch karge Landschaften (Foto: MHA)
Eine Reise mit der Transsib ist in jedem Fall ein Abenteuer (Foto: MHA)

Auch in Russland können Rollstuhlfahrer auf Schiene gehen. Von Moskau bis Irkutsk führen einige Züge auf der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn barrierefreie Wagons.

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ist für jeden Menschen ein herausforderndes Abenteuer. Diese strapaziöse Reise mit dem Rollstuhl anzutreten, scheint für viele Menschen unrealistisch. Ist es aber nicht!

Die transsibirische Eisenbahn

5191 Schienenkilometer sind es von Moskau bis Irkutsk, dem Tor zum Baikalsee. Die Transsib ist mit insgesamt 9288 zusammenhängenden Kilometern die längste zusammenhängende Eisenbahnverbindung der Welt. Von Moskau bis Irkutsk stoppt der Zug an 39 Stationen. Eine durchgehende Reise im Rollstuhl ist jedoch nicht möglich. Zumindest einmal müssen Rollstuhlfahrer den Zug in Perm wechseln.

Barrierefreiheit des russischen Zugnetzes

In Russland werden bestimmte Züge mit einem Wagon mit jeweils zwei barrierefreien Abteilen geführt. Über hundert solcher Wagons sind innerhalb des russischen Bahnnetzes unterwegs. Auf der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn können Passagiere ausschliesslich von Moskau nach Irkutsk barrierefrei reisen. „In Irkutsk ist definitiv Endstation“, sagt Jörg Peters von Troika Reisen in Moskau.

Leute stehen vor Zug (Foto: MHA)
Bahnhofstopps sind Höhepunkte einer Transsibreise (Foto: MHA)

Ausstattung

Die extrabreiten barrierefreien Abteile sind mit zwei Betten und einem Sitz ausgestattet. Auch der Besuch der Toilette stellt keine Barriere dar. Das adaptierte WC befindet sich gleich neben dem Abteil und ist erheblich breiter als die engen Standardtoiletten der russischen Wagons.

Aus- und Einsteigen

Eine Heberampe macht es möglich, dass Menschen im Rollstuhl den Zug innerhalb von zwei Minuten verlassen können. Bei Stopps ab zwanzig Minuten lohnt es sich auszusteigen und am Bahnsteig ein paar Knabbereien oder Souvenirs zu erstehen.

Verpflegung und Reisebegleitung

„Durch den Zug kann man leider nicht mit dem Rollstuhl fahren. Die Durchgänge sind zu eng. Der Besuch des Speisewagens ist für Rollstuhlfahrer deshalb leider nicht möglich. Die Mahlzeiten werden im Abteil serviert“, erzählt Peters.

Sein Unternehmen Troika Reisen bietet Menschen im Rollstuhl seit fünf Jahren individuelle Lösungen für eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Seit kurzer Zeit gibt es auch ein festgeschnürtes Paket für Transsibreiselustige im Rollstuhl. 15 Tage dauert diese durchorganisierte Reise von Moskau bis Irkutsk.

An den Aufenthaltsstädten sind rollstuhlgerechte Hotels und Kleinbusse für den Transfer organisiert. Nach individuellen Bedürfnissen kann die Reise mit einer durchgehenden deutschsprachigen Guide gebucht werden, oder nur mit Transferbetreuung.

Im barrierefreie Hotel am Baikalsee kann man sich von der langen Zugfahrt erholen (Foto: Troika Reisen)
Im barrierefreie Hotel am Baikalsee kann man sich von der langen Zugfahrt erholen (Foto: Troika Reisen)

Herausforderung Reiseland Russland

Trotz dieser komfortablen Reisenbeschreibung, müssen Rollstuhlreisende bedenken, dass Russland alles andere als ein Vorzeigeland für barrierefreies Reisen ist. Hohe Gehsteigkanten, Löcher in den Strassen und fehlende Aufzüge erschweren das Vorwärtskommen. „Man kann hier als Rollstuhlfahrer nicht einfach in ein Museum gehen. Eine Organisation im Vorhinein ist ratsam“, erzählt Jörg Peters.

Meinungen deutscher Transsibreisen-Anbieter

Das deutsche Reisebüro Garisont kooperiert mit Troika Reisen. Ungefähr 3800 Euro betragen die Kosten für eine barrierefreie 15-tägige Transsibreise mit allem Drum und Dran. Wer eine durchgehende deutschsprachige Reiseleitung wünscht, bezahlt 690 Euro extra. „Man muss sich schon bewusst sein, dass sich eine Reise durch Russland wesentlich von einer Reise nach Holland unterscheidet“, warnt Herr Schenker vom Reisebüro Garisont.

Anna Pietsch von Lernidee ist skeptisch was eine Reise mit der Transibbirischen Eisenbahn für Rollstuhlfahrer betrifft: „Wir raten von so einer Reise generell ab, wenn jemand zu hundert Prozent auf den Rollstuhl angewiesen ist.“

Pröve fährt mit Rollstuhl durch schmale Tür (Andreas Pröve)
Andreas Pröve lässt sich von engen Gängen und Türen nicht aufhalten (Andreas Pröve)

Weltreisender Andreas Pröve

Andreas Pröve hat diesen Beweis bereits vor über 20 Jahren erbracht. Er reiste im Rollstuhl durch Indien, Asien und zum Abschluss mit der Tranissibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau.

Für Pröve war die Reise mit der Transsib nach all seinen Zugerlebnissen nur noch „Malen nach Zahlen“. Pröve reiste alleine und in nicht barrierefreien Abteilen. Passagiere und Zugpersonal hoben ihn in seinem Rollstuhl in und aus dem Zug.
„Das grösste Problem waren die Toiletten“, erzählt der Weltreisende. Aber auch diese Barriere lies sich lösen. Pröve machte seinen Rollstuhl schmäler und legte Holzkeile unter.

„Ich habe in den Zügen immer wenig gegessen und getrunken, so konnte ich einen halben Tag ohne Toilettenbesuch aushalten. Bei einer Woche Zugfahrt konnte ich mich jedoch nicht mehr vor dem Zug-WC-Gang drücken“, erzählt Pröve aus seinem Reisenähkästchen.

Vieles ist möglich

Andreas Pröve hat vorgemacht, was sich viele Reiseabenteurer mit mobiler Einschränkung wünschen. Eines ist sicher, ob individuelle Abenteuerreise oder vollbetreutes und festgeschnürtes Reisepaket, die Transsibirische Eisenbahn öffnet ihre Türen auch für Rollstuhlfahrer.
Wer den Wunsch in sich trägt, sich der Herausforderung Transsibirische Eisenbahn zu stellen, sollte sich nicht von Löchern in den Strassen oder fehlenden Liften abschrecken lassen. Denn vieles ist möglich, auch im Rollstuhl!

Text: MHA

Fotos: Troika Reisen, Andreas Pröve, MHA

  

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