Reisen – besondere Herausforderung für behinderte Menschen

(Bild: Michaela Schöllhorn/pixelio.de)
(Bild: Michaela Schöllhorn/pixelio.de)

Die Herausforderungen für behinderte Reisende beginnen meist schon lange vor der Reise. Aufgrund eines Handicaps kann man unterwegs oftmals nicht so flexibel reagieren. Daher sollte man mögliche Probleme schon vorab bedenken. Dann sind die Erlebnisse der Reise auch für Menschen mit Behinderung durchweg positiver Art.

Ganz gleich ob das Ziel im In- oder Ausland liegt, gilt es zunächst einmal, das geeignete Reiseziel und die passende Unterkunft zu finden. Hierbei gilt: Barrierefrei ist nicht gleich barrierefrei. Egal, ob man über das Internet, das Reisebüro in der Stadt oder einen speziellen Reiseanbieter für Gäste mit Behinderung bucht. Man muss sich vorher stets der eigenen, individuellen Bedürfnisse bewusst werden. Wie breit müssen die Zimmertüren sein? Welche Masse muss der Aufzug mindestens haben? Wie viele Stufen kann ich notfalls überwinden? Brauche ich eine befahrbare Dusche oder komme ich auch in einer Badewanne mit Haltegriffen zurecht? All dies sollte man vor der Reise schriftlich mit dem Hotel seiner Wahl abklären. So bleibt einem bereits die erste böse Überraschung am Urlaubsort erspart.

Behindertengerecht im Ausland

Im Ausland gibt es häufig andere Auffassungen von behindertengerecht. Dies kann, beispielsweise in den skandinavischen Ländern, positiv, aber eben auch negativ sein. Häufig ist letzteres leider noch in südlicheren Ländern oder an exotischen Reisezielen der Fall. Da sind wenige bis gar keine Behindertentoiletten oder fehlende Bordsteinabsenkungen dann noch das kleinste Problem. Deshalb sollte man sich vorab Erfahrungen anderer Reisender einholen und auch hier explizit nach den eigenen Bedürfnissen fragen.

Anreise zum Urlaubsziel

Die Anreise zum Urlaubsziel selbst muss ebenfalls bedacht werden. Am unkompliziertesten, aber auch anstrengendsten, ist hier sicherlich die Nutzung des eigenen PKW. Bequemer geht es mit der Bahn. Manche Reiseziele kann man jedoch nur mit dem Flugzeug erreichen. Dabei gilt es auch zu bedenken, wie man zum Bahnhof oder Flughafen gelangt. Sollte man diese mit dem Auto ansteuern, ist zu klären, wo man sein Fahrzeug während der Reise abstellt. Auch wie man von diesem Parkplatz dann zum Gleis oder ins Terminal gelangt, gilt es vorab zu organisieren.

Ein- und Ausstiegshilfen müssen bei beiden Verkehrsmitteln rechtzeitig vorher gebucht werden. Flugreisende müssen Hilfsmittel und behinderungsbedingtes Übergepäck ebenfalls vor Reiseantritt detailliert anmelden.
Derartige Beschränkungen gibt es beim Schienenverkehr zwar nicht. Doch hier sollten Reisende beachten, dass Hilfsmittel und Gepäck noch für einen selbst und die eigenen Begleitpersonen transportierbar sein müssen.
Wer ins Ausland reist, sollte sich ausserdem darüber kundig machen, ob und wo er dort eventuell notwendige Medikamente bekommt. Besser ist es aber immer, seine Pharmazeutika im Handgepäck dabei zu haben. Zusätzlich sollte man ein Schriftstück seines Arztes, mindestens in Deutsch und Englisch, mit sich führen, in dem die Notwendigkeit der Arzneien bestätigt wird.

Mobilität vor Ort

Wer ohne eigenes Auto am Reiseziel ankommt, sollte sich vorab Gedanken über seine Mobilität vor Ort machen. Den behindertengerechten Transfer zum und vom Hotel kann man mittlerweile in der Regel beim Reiseveranstalter gegen einen Aufpreis dazubuchen. Doch oftmals möchte man auch während seines Urlaubs noch ein wenig mehr als nur sein Zimmer, den Speisesaal und den - idealerweise - rollstuhlgerechten Strand vor dem Hotel sehen.
Deshalb gilt es, sich bereits zuhause über Rollstuhltaxen oder speziell umgerüstete Mietwagen zu informieren.

Versicherungsschutz aufstocken

Man darf es wohl durchaus als Zweckpessimismus bezeichnen, wenn behinderte Reisende sich auch auf Ereignisse vorbereiten, die zwar für jeden Urlauber ärgerlich sind, Menschen mit Behinderung fernab der Heimat aber besonders treffen.

Mehr noch als andere Urlauber sollten sich Personen mit grundsätzlich geschwächtem Gesundheitszustand vorab über den Schutz ihrer Krankenkasse im Ausland informieren. In manchen Fällen muss der Versicherungsschutz hier aufgestockt werden. Dies gilt unter Umständen auch für die Begleitperson, wenn man auf Reise zwingend ihre Unterstützung benötigt.

Auch verlorenes oder beschädigtes Gepäck ist schlimm. Wenn ein Hilfsmittel jedoch verloren geht oder beschädigt wird, bedeutet dies meist das Ende der Reise. Es sei denn man hat sich bereits vorher kundig gemacht, wo man in einem solchen Fall vor Ort Hilfe suchen kann.

Zu bedenken ist hierbei jedoch, dass die üblichen Versicherungen von z.B. Fluggesellschaften die entstehenden Kosten meist nur teilweise abdecken.
Im schlimmsten Fall kann es aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund von defekten oder verloren gegangenen Hilfsmitteln zum Reiseabbruch kommen. In einem solchen Fall erspart es zusätzlichen Ärger, wenn man mögliche Rückreiseoptionen und deren Finanzierung bereits vor der Abreise durchdacht hat. Im besten Fall hat man hierfür eine zusätzliche Versicherung und einen Ansprechpartner, der alles Notwendige organisiert. Selbst wenn man diese Absicherung nicht in Anspruch nehmen muss, ist es ein gutes Gefühl darum zu wissen. Denn dann muss man sich nur noch um eines sorgen: Reisefieber.


Text: Justin Black 11/2012
Foto: pixelio.de

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