Auch mit Handicap bei Flugverspätung die Fluggastrechte geltend machen

Aussicht auf Berge und Wolken aus dem Flugzeug. (Bild: L. Bohlmann)
Flugverspätungen sind speziell für Menschen mit Behinderungen sehr mühsam, da die medizinische Versorgung nicht immer gewährleistet ist. (Bild: L. Bohlmann)

Das Flugzeug stellt in der heutigen Zeit ein wichtiges Verkehrsmittel dar - das gilt für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermassen. Erstere sollten bereits bei der Buchung des Fluges besonderen Hilfebedarf anmelden, um einen reibungslosen Flug zu ermöglichen. Kommt es aber zu einer Flugverspätung, die durch die Airline zu verantworten ist, sollten zudem die eigenen Rechte geltend gemacht werden - nicht selten stehen den Reisenden Entschädigungszahlungen zu.

Airlines bieten Behinderten besondere Serviceleistungen

Sofern Fluggäste mit Behinderung einen besonderen Service in Anspruch nehmen wollen oder müssen, können sich die Modalitäten einer Flugreise durchaus ändern. So ist beispielsweise üblich, dass die Fluggesellschaft zwei Tage vor dem Flug über die Inanspruchnahme zusätzlicher Unterstützung informiert werden muss. Dafür stehen zumeist Anträge zur Verfügung, die online ausgefüllt werden können. Wird ein solcher Service genutzt, ist häufig der online Check-in nicht möglich.

Für die behinderte Person selbst ist eine Sitzplatzreservierung kostenlos; ebenso kann sich auch eine Begleitperson einen Sitzplatz gratis reservieren. Bei Flügen ohne Begleitperson sollten vorher Informationen über die Anforderungen an die behinderte Person eingeholt werden. So verlangen die Airlines in der Regel, dass der Fluggast ohne fremde Hilfe in der Lage sein muss, seinen Sitzgurt zu schliessen oder eine Sauerstoffmaske aufzusetzen.

Flugverspätung wird zur Geduldsprobe

Wenn schwerbehinderte Menschen mit dem Flugzeug reisen ist also eine umfangreiche Planung notwendig - alle Eventualitäten können aber nicht berücksichtigt werden. Darunter fällt vor allem ein verspäteter Abflug, der durch die Fluggesellschaft zu vertreten ist und die Reisenden zu langen Wartezeiten zwingt. Während das Warten am Terminal auch nicht nur behinderten Menschen einige Nerven kosten kann, entwickelt sich eine solche Situation für behinderte Fluggäste schnell zu einer Tortur.

Ihre Möglichkeiten, sich am Flughafen frei zu bewegen und sich so die Zeit zu vertreiben, sind eingeschränkt. Nicht selten ist auch eine Versorgung mit medizinischen Geräten oder Medikamenten notwendig, die am Airport nicht gewährleistet werden kann, sodass der Aufenthalt eigentlich möglichst kurz gehalten werden sollte.

Flugplan (Bild: T. Sperner)
Bei Flugverspätungen können Fluggastrechte geltend gemacht werden. (Bild: T. Sperner)

Umfangreiche Entschädigungsleistungen bei Verspätungen

Kommt es zu einer Flugverspätung, die nicht durch ein Unwetter oder einen Streik hervorgerufen wurde, haben die Fluggäste in der Regel einen Anspruch auf Entschädigung. Voraussetzung dafür ist die Durchführung des Fluges bei einer innerhalb der EU beheimateten Fluggesellschaft. Ausserdem muss sich mindestens der Abgangs- oder Zielflughafen innerhalb der EU befinden. Weitere Kriterien für mögliche Entschädigungszahlungen sind auch die Dauer der Flugverspätung sowie die Entfernung zum Reiseziel.

•    Bei Distanzen bis zu 1'500 Kilometern und einer Verspätung von mindestens drei Stunden stehen dem Passagier 300 CHF (etwa 250 Euro) zu.

•    Zwischen 1'500 und 3'500 Kilometern erhöht sich die Summe auf 480 CHF (400 Euro);

•    über 3'500 Kilometer Entfernung gar auf 720 CHF (600 Euro).

Bei Flugverspätungen oder Flugausfällen kann auch ein Dienstleister, wie z.B. Flightright hinzugezogen werden, der auf Provisionsbasis arbeitet. Dieser setzt sich für die Rechte der Passagiere ein und hat auch bereits schon in der Schweiz viele Fälle erfolgreich lösen können.

Vollkommen unabhängig von der Ursache der Verspätung, haben die Fluggäste auch Anspruch auf Versorgungsleistungen. Wird eine Übernachtung in einem Hotel notwendig, muss die Airline für die entstehenden Kosten ebenfalls gradestehen. Bei Flugausfällen kann der Fluggast zwischen einem Ersatzflug und einer Rückerstattung der Kosten wählen.

Weiterhin müssen Aufwendungen ersetzt werden, die dem Passagier durch die Anreise zum Flughafen entstanden sind. Dazu zählen etwa Parkgebühren, sowie Taxi- und Bahnfahrten. Wie der Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft auszulegen ist, zeigt ein Gerichtsurteil: So war es wegen eines defekten Gepäckbandes zu einer Flugverspätung gekommen. Das zuständige Berliner Gericht befand, dass die Airline für eine solche Eventualität zusätzliches Personal und Gerätschaften hätte bereithalten müssen, sodass eine Flugverspätung hätte abgewendet werden können. Dem klagenden Fluggast wurde somit das Recht auf eine Entschädigungsleistung zugesprochen.

Schweizer profitieren von EU-Recht - mit Einschränkungen

Die Schweiz hat das EU-Recht im Rahmen eines Luftverkehrsabkommens übernommen. Somit gelten diese Entschädigungsrechte auch für Schweizer Bürgerinnen und Bürger, wenn sie Reisen aus oder nach ihrem Heimatland antreten. Ein Unterschied zu EU-Bürgern besteht dennoch: Kommt es zu einem Rechtsstreit, entscheiden Schweizer Gerichte. Auf die zumeist recht verbraucherfreundlichen Urteile des Europäischen Gerichtshofes können sich Schweizer nicht berufen.

 

Text: 09/2014

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