Schlaganfall mit 23?

Schwarzweissaufnahme des Alfried Krupp Krankenhauses
Am Alfried Krupp Krankenhaus treffen sich demnächst Moyamoya-Betroffene zu einem Austausch. (Foto: Alfried Krupp Krankenhaus)

Nicht nur ältere Menschen erleiden einen Hirnschlag. Auch jüngere können davon betroffen sein – zum Beispiel mit einer Moyamoya-Erkrankung. Das Alfried Krupp Krankenhaus in Rüttenscheid veranstaltet zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung.

Plötzlich aufgetretene Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Sehstörungen? Beim älteren Menschen sind diese Symptome oft durch einen Schlaganfall bedingt. Aber Schlaganfälle können auch junge Menschen ohne Risikofaktoren betreffen. Ein so genannter „juveniler Schlaganfall“ ist definiert als Schlaganfall bei unter 45-jährigen Patienten.

„Dabei ist die genaue Abklärung aufgrund des Wiederholungsrisikos ganz elementar“, so Dr. med. Markus Krämer, Neurologe vom Essener Alfried Krupp Krankenhaus. Nur wenige Mediziner beschäftigen sich mit juvenilen Schlaganfällen. Forschungsgelder sind rar und die Pharmaindustrie interessiert sich nicht dafür.

Moyamoya kann zu juvenilen Schlaganfällen führen

Am Essener Alfried Krupp Krankenhaus werden Patienten mit seltenen Schlaganfall-Ursachen behandelt, so zum Beispiel mit „zerebraler Vaskulitis“, das heisst, einer Entzündung der Hirngefässe. Besonderer Schwerpunkt liegt auch auf der Moyamoya-Erkrankung. Bei der Moyamoya-Erkrankung kommt es ohne erkennbaren Grund zu Verengungen und Verschlüssen der Hirnarterien.

Es bilden sich Umgehungskreisläufe, deren Aussehen in der Katheterdarstellung an „Rauchwolken“ erinnern. Der Begriff „Moyamoya“ bedeutet auf japanisch „Wölkchen, Wölkchen“. Die Moyamoya-Erkrankung ist hauptsächlich in Asien beschrieben. In den USA und Europa tritt dieses „Orphan-disease“ auch bei nicht-asiatischen Menschen auf. Etwa 0,03 Prozent der Bevölkerung sollen in Europa betroffen sein.

Orphan-disease: Eine der seltenen Erkrankungen

Für viele betroffene junge Menschen ist es eine Odyssee, bis sie zur richtigen Diagnose und Therapie gelangen. Mit der Bypass-Operation, bei der neurochirurgisch Blut von der Schläfenarterie zum Gehirn umgeleitet wird, kann die Erkrankung gut behandelt werden. Die Unterversorgung des Gehirns mit Blut wird ausgeglichen, das erhebliche Schlaganfall-Risiko normalisiert sich.

Doch die Operation ist nicht die einzige Therapie der Moyamoya-Erkrankung: „Chronische Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, erhöhter Blutdruck und oft psychische Probleme erfordern eine spezialisierte neurologische Dauerbehandlung vor und nach der Operation“, betont Markus Krämer vom Alfried Krupp Krankenhaus.

Porträt von Dr. med. Markus Krämer
Dr. med. Markus Krämer behandelt unter anderem Moyamoya und juvenilen Schlaganfall. (Foto: Alfried Krupp Krankenhaus)

Schlaganfall schon in den jungen Jahren

Wenn im März 2012 eine münsterländische Lokalzeitung über den Wechsel des 25-jährigen Fussballers Mark Dunke* zum Bezirksligisten berichtete, denkt man wohl nicht, dass dieser junge Mann bereits einige Schlaganfälle hinter sich hat. „Mark* ist für uns eine gute Verstärkung“, wird der Trainer zitiert.

Zwei Jahre zuvor hatte dieselbe Zeitung über das Schicksal des Sportlers berichtet: „Zwar hatte ich schon zuvor öfter mal Kopfschmerzen oder ein leichtes Kribbeln in einer Gesichtshälfte bemerkt, doch darauf gab ich wenig. Nach dem Urlaub begann ich zu joggen, um mich schon etwas für den SV Schwarz-Weiss fit zu machen. Danach litt ich unter Sprachproblemen. Ich dachte, ich hätte einen Sonnenstich.“

Das war es aber nicht. Nach einem MRT ist klar: „Schlaganfall im Sprachzentrum. Ich durfte von jetzt auf gleich nichts mehr machen.“ Und es kommt noch heftiger: „Die Ärzte haben mir gesagt: ‚Kein Sport mehr.’ Dabei ist Fussball doch bisher mein Leben gewesen.“ Mark Dunke leidet an der Moyamoya-Erkrankung. „Ich hatte zu wenig Blut im Kopf“, bringt es Mark auf eine einfache Formel.

Normales Leben auch mit Moyamoya

Er wird in das Alfried Krupp Krankenhaus nach Essen verlegt. Hier raten ihm Ärzte zur Bypass-OP. Und sie machen ihm Hoffnung, wieder ein normales Leben führen zu können. Nach der OP geht es ihm besser, er beginnt zu joggen und plant den Wiedereinstieg ins Fussball-Training. „Ich mache Logopädie, um die letzten Sprachprobleme zu beheben“, schilderte Dunke vor zwei Jahren der Lokalzeitung. Heute ist von Sprachproblemen nichts mehr zu merken, Kopfbälle sind beim Bezirksligisten auch kein Problem.

Am Samstag, den 8. September 2012, findet im Essener Alfried Krupp Krankenhaus das erste Patiententreffen zur Moyamoya-Angiopathie statt. Dabei ist es dem deutsch-schweizerischen Forscherverbund wichtig, den Patienten mit dieser seltenen Erkrankung beizustehen, zentral ist den Forschern aber ebenso die Erkrankung auch bei Ärzten bekannter zu machen.


Kontakt

Dr. med. Markus Krämer
Klinik für Neurologie
markus.kraemer@krupp-krankenhaus.de


Sekretariat

Telefon: 0201 434-41430
Telefax: 0201 434-2873


Alfried Krupp Krankenhaus

Rüttenscheid
Alfried-Krupp-Strasse 21
45131 Essen

 

*Name geändert


Text: Thomas Mitterhuber/Alfried Krupp Krankenhaus – 09/2012

Fotos: Alfried Krupp Krankenhaus
 

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