Die Schweiz sucht Botschafter mit Behinderung

Gruppenbild der fröhlichen Jury (Foto: Miss Handicap)
Auch nach über 20 Bewerbern noch bester Laune: die Jury! (Foto: Miss Handicap)

Im vierten Wahljahr der Miss Handicap soll erstmals auch ein Mister Handicap gewählt werden. Ein Blick hinter die Kulissen der Castings.

Mehr als 20 junge Frauen und Männer mit Behinderung stellten sich im Hotel Bellevue in Bern vor. Sie alle möchten im Herbst den Titel Miss Handicap und erstmals auch Mister Handicap gewinnen und ein Jahr lang in der Schweiz auf die Belange von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen.

Der schönste Schweizer mit Behinderung

Schon lange spielte die Initiantin der Miss Handicap, Michelle Zimmermann, mit dem Gedanken, auch einen männlichen Botschafter für die Schweizer mit Behinderung zu küren. „Wir sind der Meinung, dass Männer genauso gute Botschafter sind wie Frauen.“

An Bewerbern mangelte es nicht, schon bei früheren Wahlen meldeten sich immer wieder Männer. „Wir hatten einige Anfragen von Männern, die wissen wollten, wann es endlich auch für Männer die Möglichkeit gäbe, sich als Botschafter für Menschen mit Behinderung einzusetzen. Jetzt ist es soweit und wir freuen uns sehr, dieses Jahr auch einen Mister Handicap küren zu dürfen“, freut sich Michelle Zimmermann.

Integrationsprojekt durch Botschafter

Bei der Miss und Mister Handicap-Wahl geht es nicht um einen klassischen Schönheitswettbewerb, betont die Organisation, vielmehr handelt es sich um ein Integrationsprojekt. Die Sieger werden vor allem Aufklärungsarbeit leisten, Vorträge halten und soziale Engagements wahrnehmen.

Dabei sollen Miss und Mister Handicap eng zusammenarbeiten: „Sie werden sich in ihrem Amtsjahr als Botschafter für Menschen mit Behinderung ergänzen und unterstützen“, erklärt Zimmermann. „Es ist auch denkbar, dass der Mister Handicap vermehrt Aufträge erhält, bei denen ein Mann eher gewünscht ist, damit verstärkt auch Interessen von Männern abgedeckt werden können. So werden sich eben Miss und Mister Handicap gut ergänzen und sich aber auch unterstützen, damit die Botschaft noch breiter abgestützt werden kann.“

Bild von Stefanie nach Siegerehrung 2011 (Foto: Miss Handicap)
Stefanie Dettling – Miss Handicap 2011 (Foto: Miss Handicap)

Sensibilisierung der Gesellschaft

Und diese Botschaft ist klar: Menschen mit Behinderungen sollen zu gleichen Bedingungen am Leben in der Gesellschaft teilhaben können. „Gleichstellung heisst für mich, gleiche Chancen zu haben“, bringt es der Bewerber Michael Fässler auf den Punkt. Der aktive Tischtennisspieler möchte Mister Handicap werden, damit eine Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen stattfinden kann. „Ich möchte den Leuten die Augen öffnen“, erklärt der 24-Jährige, der seit einer Hirnblutung halbseitig gelähmt ist.

Stefanie Dettling, die aktuelle Miss Handicap nutzt ihr Amtsjahr aktiv, indem sie bis zu ihrer Ablösung circa einmal die Woche für Aufklärungsarbeit, Medientermine, Vorträge und Events als Vertreterin von Menschen mit einer Behinderung unterwegs ist. Die Organisation ist stolz auf ihre aktuelle Miss Handicap: „Ihre Vortragsreihe ‚Integration beginnt im Kindergarten‘ kommt bei Hochschulen sowie Schulklassen gut an. Zudem ist Sie eine bekannte Persönlichkeit geworden, die Leute immer wieder dazu motiviert, hinzuschauen, Gespräche zu führen und auch im Alltag zeigt, dass Hemmschwellen federleicht überwunden werden können.“

Das möchte auch Gion Jäggi aus St. Gallen. Er sieht sich durch seine Cerebralparese und seine offene und ehrliche Ausstrahlung zum Botschafter berufen: „Jeder hat eine Aufgabe. Meine ist es, den Leuten zu zeigen, wie wir Menschen mit Behinderung sind.“

Die Qual der Wahl

Die Jury – bestehend aus unserem Fachexperten und Arzt Christian Wenk, Stylistin Luisa Rossi, Journalist Markus Ehinger sowie Michelle Zimmermann und ihre Geschäftspartnerin Alexandra Elser – hatte keinen leichten Stand bei der Entscheidung, welche sechs Frauen und sechs Männer an der Wahlnacht antreten werden.

Eindrücklich sind sie alle, wie zum Beispiel Nadia Rafaï: „Trotz Handicap bin ich immer noch eine Frau und wie die meisten Frauen bin ich gerne hübsch.“ Auch die Reiterin Céline van Till kennt sich schon mit der Vorzeigefunktion aus. Sie beschrieb die Geschichte ihres Unfalls und die Folgen in dem Buch „Pas à pas“. Beide Bewerberinnen sind motiviert und selbstbewusst, genau das, was sich die Juroren auch wünschen.

Screenshot des Flyers (Foto: Miss Handicap)
Auf diesen Flyer meldeten sich über 20 junge Frauen und Männer (Foto: Miss Handicap)

„Stolpersteine überwinden – Kristalle entdecken“

„Stolpersteine überwinden – Kristalle entdecken“ wird das Motto der Wahlnacht 2012 am 13. Oktober im Kultur- und Kongresszentrum Luzern sein.

Mehr will Michelle Zimmermann noch nicht verraten. Kleine Änderung stehen aber schon klar: So wird es keine Zweit- und Drittplatzierte mehr geben, sondern einfach eine Miss und ein Mister Handicap. Wie jedes Jahr wird es auch wieder spannende Liveacts geben: „Es werden uns auch dieses Jahr namhafte Künstler beehren, mehr dazu aber zu gegebener Zeit auf unserer Website www.misshandicap.ch oder www.misterhandicap.ch“, verspricht Zimmermann.

Auch wer es ins Final geschafft hat, wird dann verraten. MyHandicap wünscht den Kandidatinnen und Kandidaten viel Glück!

 

Text: M. Plattner - 05/2012

Bilder: Miss Handicap

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