Rollis auf Reisen

Petra und Horst Rosenberger fahren mit ihren Rollstühlen, die mit Koffern vollgepackt sind, einen kleinen Hügel hinunter (Foto: Petra und Horst Rosenberger)
Petra und Horst Rosenberger stehen selten still. Ihre unermüdlichen Rolliräder haben sie schon durch die halbe Welt gebracht (Foto: Petra und Horst Rosenberger)

Petra und Horst Rosenberger sind Globetrotter. Ihre Rollstühle halten sie auf ihren Reisen nicht auf. Ganz im Gegenteil, das „Durchrollen“ von Ländern und Städten macht das Erleben auf ihren Reisen oft noch viel intensiver.

Petra und Horst Rosenberger stehen mit beiden Beinen im Leben, sind berufstätig und haben eine erwachsene Tochter. Reisen ist ihre gemeinsame Leidenschaft. „Wir ergänzen uns sehr gut. Wir haben zum Teil sehr unterschiedliche Interessen, dadurch ist unser Leben bunt und spannend“, erzählt Horst Rosenberger.

Die Rosenbergers haben beide eine Polioerkrankung, die unaufhaltsam voranschreitet. Doch das hindert sie nicht daran, weiter die Welt zu erkunden. „Solange wir reisen können, wollen wir das auch tun“, sagt Horst Rosenberger.

Petra und Horst Rosenberger überwinden Grenzen

Mit ihrem im April 2011 erschienen Buch „Überwindung von Grenzen – Rollis on Tour“ nehmen die Rosenbergers die Leser mit auf drei ihrer zahlreichen Reisen rund um die halbe Welt. Ob Georgia, Griechenland oder der Polarkreis, Petra und Horst Rosenberger fühlen sich auf der ganzen Welt zuhause.

„Wir möchten als Rollstuhlfahrer zeigen, es gibt immer eine Möglichkeit, das zu tun, was man möchte“, sagt Horst Rosenberger. Mit dieser Botschaft will er nicht nur Rollifahrer erreichen, sondern alle Menschen, die gerne reisen oder reisen würden, aber die Blockaden in ihrem Kopf noch nicht überwinden können.

Ein dick eingepackter Rollifahrer beim Eisseefischen (Foto: Petra und Horst Rosenberger)
Auch als Rollifahrer kann man eisseefischen - Petra und Horst Rosenberger haben es am Polarkreis ausprobiert (Foto: Petra und Horst Rosenberger)

So wie Petra und Horst Rosenberger ihr Leben gestalten, so ist auch ihr Buch. Vielfältig und abwechslungsreich erzählen die Rosenbergers von drei sehr unterschiedlichen Reisen. Den US-Bundesstaat Georgia haben Petra und Horst Rosenberger im Alleingang bereist, in Griechenland waren sie mit Freunden unterwegs und bei ihrer Reise an den Polarkreis schlossen sie sich einer Reisegruppe an.

Unterwegs als Individualreisende

Petra und Horst Rosenberger sind sich jedoch einig: „Am liebsten reisen wir alleine. Wir sind starke Individualisten, wir ziehen gerne unser eigenes Programm durch.“

Das schwierigste am Individualreisen mit Rollstuhl ist das Finden einer barrierefreien Unterkunft. Auch mit den Gaststätten ist es nicht immer leicht. Kein wesentliches Problem stellt für die Rosenbergers das Auffinden von geeigneten Toiletten dar. „Wir sind da ganz schön pfiffig. Wir wissen mittlerweile, dass wir in Museen, grossen Kaufhäusern oder auch bei McDonald’s meistens rollstuhlgeeignete Toiletten finden“, erzählt Petra Rosenberger.

Dieser Hinweis ist nur einer von vielen wertvollen Tipps, die das reiselustige Ehepaar auch in ihrem Buch in einem eigenen Kapitel „FAQs – Häufige Fragen“ allen Reisenden mit oder ohne Handicap mit auf den Weg gibt.

Sympathie für reisende Rollstuhlfahrer

Petra und Horst Rosenberger sind sehr offene Menschen. „Als Rollstuhlfahrer fallen wir natürlich ganz anders auf. Die Leute staunen und finden das oft schon seltsam, dass zwei Rollstuhlfahrer alleine auf Reisen gehen. Die ersten Berührungsängste halten aber meist nicht lange an. Es strömt uns überall grosses Interesse und Sympathie entgegen“, erzählt Horst Rosenberger.

Das Ehepaar Rosenberger plant für seine Reisen immer etwas mehr Zeit ein, als die meisten Menschen, die ohne Rollstuhl unterwegs sind. Schliesslich möchten sie auch alles sehen, was sie interessiert.

Petra und Horst Rosenberger sitzen an einem Campingtisch am Strand und studieren eine Karte (Foto: Petra und Horst Rosenberger)
Petra und Horst Rosenberger sind bei ihren Reisen stets sehr gut vorbereitet (Foto: Petra und Horst Rosenberger)

Auf einige wenige Dinge, wie das Erklimmen von Bergen, Türmen oder Aussichtspunkten, müssen Petra und Horst Rosenberger allerdings meist verzichten. „Wir müssen auf unseren Reisen natürlich Kompromisse eingehen“, sagt Horst Rosenberger. Oft erleben Petra und Horst Rosenberger jedoch viel mehr, als sie sich erhofft hätten.

Reisen mit viel Zeit im Gepäck

Ein vorprogrammiertes Abenteuer ist auch ihre nächste geplante Reise nach Südafrika. Fünf Wochen haben die Rosenbergers dafür veranschlagt. „Es gibt so viele Dinge, die man machen kann. Das alles braucht Zeit und die wollen wir uns nehmen“, sagt Horst Rosenberger.

Auch wenn Petra und Horst Rosenberger nicht auf Reisen sind, sind sie ständig in Bewegung und viel unterwegs. Mindestens zweimal im Monat präsentieren sie Multimediashows über ihre barrierefreien Reisen. Aktuell stehen an verschiedenen Orten Lesungen aus ihrem neuen Buch am Programm.

Obwohl die Rosenbergers mit ihren vielen Unternehmungen, die sie alle neben ihrem beruflichen Alltag unterbringen, alle Hände voll zu tun haben, unterstützen sie MyHandicap mit ihrem vielseitigen Reisewissen als Fachexperten. Herzlichen Dank dafür!

Text: Michaela Hawlik - 05/2011

Fotos: Petra und Horst Rosenberger

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!