Frauen mit Behinderung zeigen Stärke

100% Frau – genau das wollen Frauen mit Behinderung sein – nicht nur am Internationalen Frauentag (Foto: Netzwerkfrauen Bayern)

Alles wird gut, wenn man bereit ist zu kämpfen! Seit hundert Jahren gehen Frauen mit und ohne Behinderung am Internationalen Frauentag auf die Strasse.

Ich wusste es bereits mit fünf Jahren: Das Leben als Frau ist nicht einfach! Also strich ich das A von meinem Namen und schnitt mir meine langen Haare mit der Kinderschere ab. Der Schwindel flog schnell auf und ich musste weiterhin Michaela heißen und mich um meine Rechte als Mädchen und später als Frau auf die Hinterbeine stellen. Zum Glück bin ich nicht allein!

Am Internationalen Frauentag am 8. März zeigen Frauen in vielen Ländern dieser Welt Jahr für Jahr Missstände in ihrem Leben auf. Im Alltag von Frauen mit Behinderung gibt es davon leider noch mehr als genug. Viele Frauen mit Handicap fühlen sich in unserer Gesellschaft oft eingeengt und in ihrer Freiheit beschnitten. 

Papier ist geduldig

 „Die Gleichstellung ist nur auf dem Papier so rosig beschrieben“, weiss Tanja Miedl, Fachreferentin und Öffentlichkeitsbeauftragte der Netzwerkfrauen in Bayern.

Die Netzwerkfrauen sind ein Zusammenschluss von Frauen und Mädchen mit unterschiedlichen Behinderungen in Bayern. Seit zehn Jahren hat dieses Netz schon viele Frauen aufgefangen und etliche Ungerechtigkeiten im alltäglichen Leben von Frauen und Mädchen mit Behinderung aufgehoben.

Ein grosses Anliegen der Netzwerkfrauen ist die persönliche Assistenz. „Alle Frauen mit Behinderung sollen Assistenz bekommen können. Nur so haben Frauen die Chance, gleichwertige Partnerinnen zu werden“, fordern die Netzwerkfrauen. Wesentlich dabei ist auch die geschlechtsspezifische Pflege und Assistenz.

Tanja Miedl setzt sich bei den Netzwerkfrauen Bayern für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen und Mädchen mit Behinderung ein. (Foto: Netzwerkfrauen Bayern)

Selbstbestimmung statt Diskriminierung

„Die Mädchen, die jetzt mit einer Behinderung geboren werden und die Frauen, die heute eine Behinderung erwerben, sollen es in zehn oder fünfzehn Jahren besser haben. Sie sollen selbstbestimmt leben können“, sagt Miedl. Und dafür setzen sich die Netzwerkfrauen mit aller Kraft ein.

Wesentlich für Frauen mit Behinderung ist die Teilhabe an einer inklusiven Gesellschaft. Frauen mit Behinderung sollen sich an nichtbehinderten Frauen orientieren können. Sie dürfen nicht diskriminiert werden.

Auch im Bereich Arbeit und Ausbildung ist noch viel Handlungsbedarf nötig. „Frauen mit Behinderung sind sehr häufig von Erwerbslosigkeit betroffen. Es gibt zu wenig Angebote am Teilzeitstellenmarkt und es mangelt auch an Bildungsangeboten“, erzählt Tanja Miedl und sagt kampflustig: „Wir pochen darauf, dass mehr adäquate Arbeitsstellen vergeben werden.“

„Jede Frau macht uns stark. Jede Frau, die sich engagiert. Denn Frauen sind ein Teil dieser Gesellschaft, ob mit oder ohne Behinderung“, sagt die Fachreferentin der Netzwerkfrauen bestimmt.

99 Jahre Internationaler Frauentag

1911, als der erste Internationale Frauentag stattfand, kämpften Frauen unter anderem um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht von Frauen. 99 Jahre später setzen sich Frauen mit Behinderung für ein selbstbestimmtes Leben ein. Nicht nur auf dem Papier, sondern im tatsächlichen Leben.

„Die Gesellschaft soll uns die Möglichkeit geben, so zu leben, wie wir möchten. Mit wem wir möchten und mit der Arbeit, die wir gerne ausführen wollen“, fordert die Fachreferentin der Netzwerkfrauen.

Nina Ruge fungiert als Schirmherrin der Netzwerkfrauen in Bayern. Das Motto der Fernsehmoderatorin lautet: „Alles wird gut!“.

Kann auch im Leben von Frauen mit Behinderung alles gut werden?

Tanja Miedl ist überzeugt: „Ja! Alles wird gut, wenn wir bereit sind, viel dafür zu tun. Wenn wir gewillt sind, uns einzubringen und zu kämpfen. Wenn wir die grosse Kraft, die in uns Frauen liegt, zum Einsatz bringen, dann kann mittel- oder langfristig alles gut werden!“

 

Text: MHA

Fotos: Netzwerkfrauen Bayern

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