Ostern für Querdenker

Ein Osterei zu sein ist eine grosse Ehre! Die historische Herkunft des Ostereis ist allerdings genauso ungeklärt wie die Frage nach dem Küken. - Foto: Pixelio.de, Jürgen Acker

Wenn der Frühling Blumen auf Wiesen und Balkonen verstreut, hoppelt auch der Osterhase aus seinem Bau hervor. Feiertage sind schön und gut, aber wer braucht grinsende Schokohasen und bunt gefärbte Eier?

Seit über einem Monat behindert die Haseninvasion im Supermarkt Rollstuhlfahrer und Kinderwagenschieber am Vorwärtskommen. Überall machen sich die kleinen Schokotierchen breit und vermehren sich von Tag zu Tag. Und auch die Hennen sind fleißig und werfen Tonnen von bunten Eiern aus, die sie frech an den Durchgangsstellen im Einkaufsmarkt platzieren.

Ruhig Blut liebe Rollstuhlfahrer, Rollatorbenutzer oder seheingeschränkte Menschen! Bald sind die Wege wieder frei und Hasen und Eier verdaut.

Wozu bloß das ganze Ostertheater?

Weil’ s schön ist! Und weil bunte Eier besser schmecken als weiße oder braune und Schokolade sowieso glücklich macht!

Wäre es nicht langweilig, wenn immer alles gleich wäre? Wenn es beim Bäcker keine Kuchenhasen, Nikolause oder Faschingskrapfen mehr gäbe?

Tatsächlich versteckt sich hinter den Glitzerosterhasen und schrill gefärbten Eiern noch ein tieferer Sinn, als uns am Weiterkommen zu behindern und unseren Geschmacksknospen zu schmeicheln.

Ob dieser Hase ahnt, dass es ihn bereits seit 1682 als Osteraccessoire gibt? - Foto: Pixelio.de, Rainer Sturm

Symbole des Lebens

Eier gelten als Symbol des Lebens und der Auferstehung. Sie halten das Leben in sich verschlossen, wie ein Grab. Das Eierfärben entstand aus einer Not heraus. Während der Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden. Den Hühnern war das freilich egal und sie ließen sich beim Eierlegen nicht behindern.

Deshalb mussten die Eier durch Kochen haltbar gemacht werden. Um die gekochten von den rohen Eiern unterscheiden zu können, wurden dem Kochwasser Pflanzenteile zur Färbung beigegeben. Seit dem 13. Jahrhundert ist die traditionelle Farbe der Ostereier rot. Als Farbe des Lebens und als Symbol für das Blut Christi.

Der Hase gilt ebenfalls wegen seiner starken Vermehrung als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens. Auch das Datum des Osterfestes hat einen Bezug zu Meister Lampe. Der Hase ist ein Mondtier und Ostern wird am ersten Sonntag des Frühlingsvollmondes gefeiert. Der richtige Durchbruch gelang dem Osterhasen allerdings erst durch die tatkräftige Unterstützung der Süsswarenindustrie im 20. Jahrhundert.

Erstmals loderten die Osterfeuer um 750 in Frankreich. Im deutschsprachigen Raum sind sie seit dem 11. Jahrhundert bekannt. - Foto: Pixelio.de, Felix J.

Stille, Feuer, Osterkuchen

Die Osterzeit ist auch eine stille Zeit. Davon merkt man inmitten von Urlauberkolonnen und Einkaufswahnsinnigen allerdings nur mehr wenig.
Hören Sie genau hin und sie werden bemerken, dass von Gründonnerstag bis in die Osternacht, die Kirchenglocken schweigen. Sie gönnen sich eine Auszeit in Rom und kehren in der Osternacht wieder in die Gotteshäuser zurück.

Suchen Sie in dieser Zeit, auch wenn Sie nicht gläubig sind, eine Kirche auf. Alles ist ruhig und dunkel. Eine Stimmung, die dazu einlädt in sich hineinzuhören, einen Moment inne zu halten in unserem schnellen lauten Leben, in dem Menschen mit Behinderung oft nicht Schritt halten können.

In ländlichen Gemeinden werden in der Osternacht Feuer entzündet. Zur Freude über die Auferstehung Christi und leider oftmals auch zur Entsorgung sämtlicher Gartenabfälle. Ein grosses Feuer ist imposant, aber auch eine kleine Kerze verbreitet einen hellen Schein.

Feiern Sie Ostern!

Ostern ist ein Frühlingsfest, ein Fest der Erneuerung und des Lebens, des Abschliessens und Aufbruchs. Schliessen Sie an den Osterfeiertagen ganz bewusst mit einer Sache ab. Entzünden Sie Ihre eigene kleine Flamme, brechen Sie ein buntes Ei auf und schmelzen Sie einen Schokohasen auf Ihrer Zunge!

Das MyHandicap-Team wünscht Ihnen Frohe Ostern!


Text: MHA - 4/10

Fotos: Pixelio.de

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