Oktoberfest mit Behinderung

Rund sechs Millionen Menschen stürmen vom 19. September bis zum 4. Oktober 2009 auf die Wiesn. Und Sie wollen dabei sein? Kein Problem! Auch nicht mit Behinderung und Rollstuhl!

Klar, Sie dürfen nicht menschenscheu sein. Aber das ist beim Oktoberfest sowieso Voraussetzung. Und wie rollt man nun am Besten über die Wiesn? Durch illuminierte Menschenmassen, volle Bierzelte und wilde Fahrgeschäfte?

Ganz einfach. Man nimmt eine grosse Portion Humor, Geduld und Charme mit. Schüchternheit ist auf der Wiesn tabu. Jeder, der auf dem grössten Volksfest der Welt weiterkommen will, muss sich behaupten – mit oder ohne Behinderung.

Los geht's!

Mit diesen Grundvoraussetzungen ausgestattet, nehmen Sie nun Kurs aufs Oktoberfest. Ratsam ist, die Wiesn tagsüber zu besuchen, am besten unter der Woche. Vormittags gibt’s für Gruppen von Menschen mit Behinderung individuelle Führungen. Melden Sie sich unter 089 2323 900 an und erfahren Sie mehr über die Oktoberfest-Hintergründe. Wenn Ihnen das zu wenig Action ist, dann kommen Sie am Abend. Die Wiesn wartet auf Sie, zu jeder Öffnungszeit: 10:00 bis 22:30 unter der Woche und von 9:00 bis 22:30 am Wochenende.

Wenn Sie mit dem PKW Kurs auf die Wiesn nehmen, stehen für Sie im Süden der Theresienwiese ausreichend Parkplätze für Geh- und Schwerbehinderte bereit. Der Parkplatz kann über die Zufahrt an der Stielerstrasse (die Einfahrt ist ausgeschildert) erreicht werden. Die Benutzung des Parkplatzes ist für Inhaber des blauen Parkausweises kostenlos. Diesen Ausweis bitte gut sichtbar im Auto anbringen. Sonst kann’s Ärger geben!

Wer mit der MVV anreist, wird auf keinerlei Barrieren stoßen. Alle Haltestellen rund um das Festgelände sind behindertengerecht und mit Fahrstühlen ausgestattet. U-Bahnhaltestellen sind: Theresienwiese, Goetheplatz, Schwanthaler Höhe, Poccistraße oder Heimeranplatz, S-Bahnhaltestelle: Hackerbrücke.

Informationen zum barrierefreien Fahrplan der MVV finden sie auf der Seite von münchen.de  Auch über Baumassnahmen und Störungen können Sie sich vor dem Reiseantritt zur Wiesn informieren. Keine Sorge, selbst bei Wartungsarbeiten an einer Station, können Sie einfach jede andere der oben angeführten Haltestellen als Alternative anfahren.

Rein ins Getümmel!

So und nun sind sie da!!! Wow!!! Toll sieht sie aus, die Wiesn! Schön hat sie sich herausgeputzt! Und Sie sicher auch!

Ach ja, sollten Sie Ihren Rolli nicht selbst mitbringen, aber sich bei so vielen Menschen aufgrund Ihrer Behinderung zu Fuß unsicher fühlen, mieten Sie für den Wiesnbesuch einen Rolli. Auf dem Oktoberfest stehen fünf Rollstühle zur Verfügung. Sie können von Behinderten und jungen und alten Besuchern mit Fussproblemen gegen ein Pfand von 50 Euro oder die Hinterlegung des Personalausweises kostenlos ausgeliehen werden. Die Ausgabe und Rücknahme der Rollis erfolgt durch das Rote Kreuz an der „Gepäckaufbewahrungsstelle“ (U-Bahnhof Theresienwiese) und bei der BRK-Station im „Servicezentrum“ (rechts von der Bavaria, direkt hinter dem „Schottenhamel-Festzelt“)

Sie wollen gleich eine Runde mit dem Riesenrad fahren, um sich von oben einen Überblick zu verschaffen? Ok! Jeder Besucher auf Rädern kommt auch in das grosse Rad. Vorausgesetzt, der Rolli entspricht der DIN-Norm. Auch die anderen Schausteller sind im Rahmen Ihrer Möglichkeiten bemüht, Hilfestellungen zu leisten und auf die Wünsche der Besucher mit Behinderung einzugehen.

Platz nehmen bitte!

Jetzt sind Sie durstig geworden. Also auf in eines der Festzelte. Alle Bierzelte haben einen ebenerdigen Eingang oder eine Rampe. Für die muss man manchmal allerdings ganz schön sportlich sein, oder einen „Helfer“ zur Seite haben.

Im Zelt hält jeder Wirt Plätze für Rollstuhlfahrer bereit. Diese Plätze können nur von Rollstuhlfahrern reserviert werden. Reservierungen werden wochentags ab 17:00 Uhr und am Wochenende ab 14:00 vorgenommen. Ansprechpartner für Reservierungen und die Telefonnummern der Wiesnzelte finden Sie auf den Webseiten der Wiesenzelte und dem Wiesnservice. In jedem Festzelt sind mindestens 20 behindertengerechte Plätze eingerichtet. Sind diese von Rollstuhlfahrern besetzt, fragen Sie einfach bei der Bedienung oder den Ordnern nach, ob es einen Platz für Sie gibt.

Sollten Sie keine Reservierung vorgenommen haben und die Rollstuhlplätze von Besuchern ohne Rollstuhl belegt sein, müssen diese innerhalb von 30 Minuten den Platz frei machen.

Und jetzt?

Sie haben den Bierkonsum des Oktoberfests angekurbelt und müssen sich der zugeführten Flüssigkeitsmengen entledigen? In jedem Festzelt steht eine der 17 behindertengerechten Toiletten zur Verfügung. Das Tourismusamt hat in Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeirat der Landeshauptstadt München 2008 alle Festzelttoiletten überprüft und eventuelle Mängel behoben. 2009 sind sämtliche Behindertentoiletten in den Festzelten gemäß der DIN 18024 Teil 2 installiert.

Für Rollstuhlfahrer geeignete Toiletten stehen für Sie ausserdem noch im Servicezentrum Theresienwiese, am U-Bahnhof Theresienwiese und am Wiesneingang Esperantoplatz/Matthias-Pschorr-Strasse bereit.

Eins, zwei Polizei...

Falls Sie sich Sorgen um Ihre gesundheitliche Sicherheit auf der Wiesn machen, hören Sie sofort auf damit! Das Bayerische Rote Kreuz hat drei Stationen zur medizinischen Versorgung auf dem Gelände eingerichtet. Die Stationen sind bereits aus der Weite an den weissen Luftballons mit rotem Kreuz erkennbar.

Für Sicherheit sorgt die Wiesnstreifen, die auf dem Gelände zu Fuss unterwegs ist. Sollten Sie sich unsicher fühlen, oder es zu Unannehmlichkeiten kommen, wenden Sie sich sofort an die Wiesnpolizei.

So, jetzt aber genug der Information! Legen Sie los und sammeln Sie Ihre eigenen Wiesnerfahrungen und –erlebnisse! „Und dann die Hände zum Himmel, kommt lasst uns fröhlich sein, wir feiern zusammen und keiner ist allein!“

Text: MHA

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