Schweinegrippe: Impfung mit Fragezeichen

Injektionsspritze kurz vor dem Einstechen in die Haut.
In Deutschland sind aktuell zwei H1N1-assoziierte Todesfälle bekannt. Weltweit gab es mit 6. Oktober 4.525 bestätigte Todesfälle. (tommyS, pixelio.de)

Seit Sommer 2009 hält die Welt aufgrund der Neuen Influenza A (H1N1) den Atem an. Soll man sich impfen lassen, um wieder beruhigt Luft holen zu können? Bald müssen Sie sich entscheiden.

Seit 8. Oktober 2009 ist es offiziell: Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts hat die Impfung gegen Schweinegrippe für Deutschland empfohlen. Zunächst vorrangig für Medizinpersonal, chronisch Kranke und Schwangere. Grundsätzlich können laut STIKO alle Bevölkerungsgruppen von einer Impfung gegen die Neue Influenza A profitieren.

Risikogruppen

„Da Personen der Risikogruppen besonders von der Impfung profitieren und erheblich zur Krankheitslast hinsichtlich schwerer tödlicher Verläufe beitragen, sieht die STIKO deren Impfung als vordringlich an. Personen mit chronischen Grundkrankheiten und Schwangere haben ein mehrfach erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf gegenüber Personen ohne derartige Risikofaktoren“, heißt es in der Empfehlung der Ständigen Impfkommission.

Die Kommission betont allerdings, dass bei der neuen Influenza-Impfung grundsätzlich eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden solle. Dies gilt insbesondere für Schwangere.

Nebenwirkungen

Die bisherigen Daten und Analogienschlüsse sprechen gegen eine besondere Nebenwirkungsträchtigkeit der neuen Impfstoffe. Der Ausschuss für Humanmedizin der Europäischen Gesundheitsbehörde hat am 24. September 2009 eine positive Empfehlung für die H1N1-Stammanpassung des Impfstoffs Pandemrix® ausgesprochen. Die Europäische Kommission hat die Anpassung des Impfstoffs Pandemrix® an den neuen Influenzastamm A (H1N1) am 1. Oktober 2009 genehmigt.

Laut dem Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Institut vom 12. Oktober 2009 wurde die Sicherheit von Pandemrix® bei ungefähr 5000 Probanden im Alter von 18 Jahren und älter untersucht. Schwerwiegende Nebenwirkungen im ursächlichen Zusammenhang mit dem Impfstoff Pandemrix® wurden dabei nicht beobachtet. Sehr häufig wurde über Kopfschmerzen, Arthralgie, Myalgie, Verhärtungen, Schwellungen, Schmerzen und Rötung an der Injektionsstelle sowie Fieber und Mattigkeit berichtet.

Häufig kamen zudem Lymphadenopathie, Hautblutung an der Injektionsstelle, verstärkte Schweisssekretion, eine grippeähnliche Erkrankung und Lokalreaktionen vor. Schlaflosigkeit, Parästhesien, Benommenheit, Schwindel, gastrointestinale Symptome, Juckreiz oder Hautausschlage traten gelegentlich auf. Weiter wurden 400 Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren untersucht. Auch hier zeigten sich keine schwerwiegenden Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Pandemrix®.

Derzeit gibt es keine klinischen Studien mit Pandemrix® bei Schwangeren, Patienten mit Immunsuppression und Kindern im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren.

Für Säuglinge, die jünger als 6 Monate sind, wird die Impfung nicht empfohlen.
Anders als gewöhnliche Impfstoffe enthält der Impfstoff gegen die Schweinegrippe immunverstärkende Substanzen, sogenannte Adjuvanzien. Sie stacheln das Immunsystem stärker an und haben den Vorteil, dass mit weniger Material die gleiche Schutzwirkung erzielt werden kann. Kritiker befürchten dadurch nicht nur die oben angeführten Nebenwirkungen, sondern auch eine mögliche Anschiebung von Autoimmunerkrankungen.

Impfinformationen

Laut der deutschen Bürgerhotline, die Sie kostenlos unter 0800 4400 550 erreichen können, wird in der Bundesrepublik ab Ende Oktober mit der Impfung begonnen. Ein genaues Datum ist noch ausständig. Es wurden 50 Millionen Pandemrix-Dosen bestellt, Impfstoff für 25 Millionen Menschen. Die Krankenkassen tragen die Kosten für bis zu 35 Millionen Bürger. Wenn sich mehr Menschen impfen lassen wollen, springen Bund und Länder mit Steuermitteln ein.

Menschen, die der Risikogruppe (Beschäftigte im Gesundheitsdienst, chronisch Kranke, Schwangere) angehören, sollen zuerst geimpft werden, da ein schwerer Verlauf der Schweinegrippe zu erwarten ist. Auch wenn genauere Auswirkungen der Impfung an diese Risikogruppen nicht getestet wurden, ist hier das Risiko für Gesundheitsschäden viel geringer als der zu erwartende Krankheitsverlauf bei einer Ansteckung mit dem Schweinegrippevirus, so die STIKO. Sie empfiehlt impfwilligen Personen der Risikogruppe, genauere Informationen beim Arzt des Vertrauens einzuholen.

Vitamine schlucken, Händewaschen und Stoßlüften mindern das Ansteckungsgefahrrisiko. (joujou, Pixelio.de)

Chronisch krank - was tun?

Menschen, die der Risikogruppe (Beschäftigte im Gesundheitsdienst, chronisch Kranke, Schwangere) angehören, sollen zuerst geimpft werden, da ein schwerer Verlauf der Schweinegrippe zu erwarten ist. Auch wenn genauere Auswirkungen der Impfung an diese Risikogruppen nicht getestet wurden, ist hier das Risiko für Gesundheitsschäden viel geringer als der zu erwartende Krankheitsverlauf bei einer Ansteckung mit dem Schweinegrippevirus, so die STIKO. Sie empfiehlt impfwilligen Personen der Risikogruppe, genauere Informationen beim Arzt des Vertrauens einzuholen.

Doktor Nicolaus König, Chefarzt der Marianne Strauss Klinik am Starnberger See, rät seinen MS-Patienten, sich gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen, aber mit einer Impfung gegen die Neue Grippe noch abzuwarten. „Im Moment wissen wir nicht, wie weit diese Grippeimpfung doch Nebenwirkungen hat. Wir sind mit Empfehlungen sehr zurückhaltend“, sagt König.

Nachgefragt beim Robert Koch Institut in Berlin, wird chronisch Kranken empfohlen, sich in besonderem Maße an die allgemeinen Hygienemaßnahmen zu halten. Hinweise, wie Sie sich vor einer Virusinfektion schützen, finden Sie auf der Wir-gegen-Viren-Homegape.

Laut der STIKO soll mit der Impfung chronisch kranker Kleinkinder jedoch abgewartet werden. Grund dafür ist der im Pandemrix enthaltene Wirkungsverstärker namens "Adjuvans". Viele Kinderärzte haben Bedenken, dass dieser Wirkstoff Überreaktionen bei den empfindlichen Immunsystemen von Kleinkindern auslösen könnte. Weiter sei in Pandemrix ein Konservierungsmittel enthalten, das bei Kinderimpfstoffen seit längerem nicht mehr genutzt werde. Da Pandemrix bisher nicht an dieser Zielgruppe getestet wurde, wird zum Warten geraten - auf einen neuen Impfstoff ohne Adjuvans und ohne Konservierungsmittel.

Impfsituation in der Schweiz

In der Schweiz ist laut Auskunft des Bundesamtes für Gesundheit (Hotline: 031 3222100) eine offizielle Impfempfehlung noch ausständig. Auch der Name des Impfstoffes ist bisher nicht offiziell bekannt. Mit der Impfung soll ebenfalls Ende Oktober begonnen werden. Die Impfung ist gratis. Auf der Seite des Bundesamts für Gesundheit „Gemeinsam gegen Grippe“ können Sie sich über alles Wissenswerte und Aktuelle zur pandemischen Grippe (H1N1) und zur saisonalen Grippe informieren.

China war das erste Land, das mit der Impfung gegen die Schweinegrippe begonnen hat. Australien und die USA folgten Ende September. „Leider können wir hieraus keine Informationen bezüglich Nebenwirkungen ziehen. Diese Länder verwenden andere Impfstoffe“, sagt Doktor König.

Scheint so, als würde die Impfung gegen die Neue Grippe ein Sprung ins kalte Wasser sein. Wie sehr dieser Sprung dem einzelnen Körper schadet oder ihn stärkt, um sich gegen das neue Virus zur Wehr zu setzen, wird sich zeigen. Im Moment herrscht der Grundsatz: „Anderer Mann, geh du voran!“ Trauen Sie sich, Versuchskaninchen zu spielen?


Text: MHA, 14/10/09

Fotos: pixelio.de

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