Wie war es eigentlich mit Bill? Ein Blick hinter die Kulissen.

Bill Clinton zu Gast bei der Einweihung des Center for Disability and Integration – Wie hat es MyHandicap geschafft, diesen hohen Besuch in der Schweiz zu empfangen? 

Dominik Domnik: Joachim Schoss, der Stifter von MyHandicap, lernte Bill Clinton und seine Clinton Foundation 2006 in London näher kennen. Bill Clinton fand die Entstehungsgeschichte von MyHandicap faszinierend und die Idee eines Internetportals für Menschen mit Behinderung sehr sympathisch. Deshalb wollte er sich für MyHandicap einsetzen, wenn sich der passende Anlass dafür fände. 

Die Eröffnung des Center for Disability and Integration der Universität von St. Gallen und der Stiftung MyHandicap war ein solcher. 

Welche Ziele verfolgt die Clinton Foundation? 

Dominik Domnik: Die Clinton Foundation funktioniert wie ein Markplatz (Clinton Global Initiative). Lokale Initiativen entwickeln Anträge und stellen diese bei der Foundation vor. Findet die Clinton Foundation ein Projekt unterstützenswert, sucht sie nach Förderer. Die Clinton Foundation setzt einige Projekte auch selbst um. In den USA sind rund tausend Menschen für die Foundation tätig. 


Wie haben Sie den Besuch Ihres hohen Gastes vorbereitet? 

 

Dominik Domnik: Ich hatte enormen Respekt vor dieser Aufgabe. Die Nachricht, „Clinton hat zugesagt!“, war wie ein Paukenschlag. Der Termin des Besuchs wurde von der Clinton Foundation vorgegeben. Wir, die Universität von St. Gallen, das Center for Disability and Integration und MyHandicap, haben eine Projektgruppe von 15 Leuten formiert, die ich geleitet habe. 

Es galt viele bürokratische Hürden zu nehmen und auch das Thema Sicherheit war riesig. Fünf bis sechs Wochen vor Bill Clintons Besuch wurden die Einladungen für die Eröffnungsfeier mit Lunch verschickt. Erklärtes Ziel war, dass an jedem Tisch zumindest ein Mensch mit Behinderung Platz nimmt. Dadurch wollten wir die Integration beim Gesprächsaustausch fortsetzen. 

 

Wie hoch war der Aufwand für die Sicherheitsvorkehrungen?

 

Dominik Domnik: Experten von der Kantonspolizei und der Sicherheitsdienst waren von Anfang an involviert. Die Clinton Foundation erwartet, dass die Veranstalter dem Thema Sicherheit genügend Gewicht geben. Einige Zeit vor der Veranstaltung wird ein Team vom Secret Service geschickt, das sich den Ablauf genau erklären lässt. Ein weiteres Team, das Scheduling Team, setzt sich mit den Inhalten dieses Ablaufs auseinander. Der Ablauf wird wie auf einem Filmset durchgespielt. Alles ist exakt geplant. 


Das heißt, für Spontaneität ist kein Platz? 

Dominik Domnik: Das Team möchte gerne alles planen, aber der Präsident macht das, wozu er Lust hat. Das Skript wird im Wesentlichen eingehalten, aber es gibt immer wieder spontane Abweichungen. Die größte Abweichung war, dass sich Bill Clinton nach seiner Rede spontan eine halbe Stunde an den Tisch der Ehrengäste gesetzt hat. 

Wie ging es Ihnen, als Sie Bill Clinton tatsächlich gegenüberstanden? 

Dominik Domnik: Ich war extrem ruhig. Wir waren so gut vorbereitet, dass außer einem exogenen Schock nichts passieren konnte. Als ich Clinton erlebte, konnte ich nachvollziehen, warum er so populär ist. Clinton ist eine sehr charismatische Persönlichkeit. 

Auch sein Stab hat mich sehr beeindruckt. Wie zügig alles von Statten ging. 

Was macht Bill Clinton einzigartig? 

Dominik Domnik: Sein imposantes Erscheinungsbild und seine ungeheure Eloquenz. Clinton hat seine 45minütige Rede ohne jeglichen Stichwortzettel frei gehalten. 

Bill Clintons Besuch in St. Gallen ist in die Geschichte eingegangen. Wie geht es jetzt weiter? 

Dominik Domnik: Wir haben viel Aufmerksamkeit auf unsere Themen gelenkt. Jetzt müssen wir die hohen Erwartungen erfüllen. So soll es zum Beispiel für Menschen mit Behinderung leichter werden, Arbeit zu finden. In Deutschland möchten wir erreichen, dass alle Callcenter, die wir kennen, zehn Prozent Menschen mit Behinderung beschäftigen. 

In der Schweiz ist ein Callcenter nach dem Vorbild unseres israelischen Partners Call Yachol geplant, in dem zu einem großen Teil Menschen mit Handicap tätig sind. 

Herzlichen Dank für das Interview!

Bill Clinton mit Vertretern von MyHandicap
Bill Clinton mit Vertretern von MyHandicap

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