Silvester-DVD-Tipps

Verwandeln Sie Ihr Wohnzimmer in einen kleinen Kinosaal! Der Eintritt ist gratis, Popcorn gibts zum Sonderpreis. (Jakub Sproski, Pixelio.de)

Der Jahreswechsel steht vor der Tür. Aber statt sich in das angeheiterte Getümmel zu werfen, will mancher den Abend lieber zuhause verbringen. Trotzdem sollen die letzten Stunden des Jahres 2009 nicht langweilig werden.

„Dinner for One“ hat man jedoch schon gefühlte 100 Mal gesehen. Das übrige Fernsehprogramm ist auch eher fad. Und die hauseigene Spielesammlung haut einen nicht mehr wirklich vom Hocker.

Wie wäre es mit einem gemütlichen Heim-Kino-Abend? Alleine oder zusammen mit Freunden. Der MyHandicap-Fachexperte für Medien, Justin Black, stellt ein paar ausgewählte Filme für die Nacht der Nächte vor.
Egal, ob man sich die DVDs bei Amazon.de kauft oder bei der Videothek seines Vertrauens ausleiht - so vergeht die Zeit bis 2010 garantiert wie im Fluge.
Das Team von MyHandicap wünscht einen guten Rutsch!

DVD-Cover von MISERY
Für die Freunde von Spannung: MISERY (Foto: Amazon.de)

Misery

 

Ein Haus, zwei Darsteller und 103 Minuten Beklemmung. Das ist MISERY. Die Verfilmung eines Stephen King Buches brachte Hauptdarstellerin Kathy Bates den, wohlverdienten, Oscar® ein.

Der erfolgreiche Autor Paul Sheldon hat gerade sein neuestes Werk in einer abgelegenen Berghütte vollendet. Auf dem Nachhauseweg gerät er in einem Schneesturm von der Strasse ab. Er wird von einer Frau namens Annie gefunden und mit heim genommen. Die ehemalige Krankenschwester kümmert sich um den schwer verletzten Mann. Wie sich herausstellt, ist Annie Pauls „grösster Fan“. Sie vergöttert die Hauptfigur seiner Roman-Reihe, Misery.

Als Dank, dass sie sich so rührend um ihn kümmert, gibt der Autor Annie das neue Manuskript zu lesen.

Ihre Freude darüber ist jedoch nur von kurzer Dauer. Denn in dem neuesten Buch muss Misery sterben. Paul ist seiner Figur überdrüssig geworden.
Daraufhin zwingt Annie den Autor ein neues Buch zu schreiben. Paul ist der Frau hilflos ausgeliefert.

Da sich ihr Gemütszustand kontinuierlich verschlechtert, wird es immer fraglicher, ob dies vielleicht die letzte Geschichte von Paul Sheldon sein wird…

DVD-Cover von GILBERT GRAPE
In GILBERT GRAPE liegt der Fokus auf den Angehörigen. (Foto: Amazon.de)

 

Gilbert Grape


Weniger brutal und beängstigend, aber nicht weniger tragisch geht es in der Geschichte um GILBERT GRAPE zu. Die Familie des jungen Mannes lebt in einem kleinen Nest. Irgendwo in Iowa.

Seit dem Selbstmord seines Vaters ist Gilbert das Ersatz-Familienoberhaupt. Er kümmert sich um das marode Familien-Anwesen und besonders um seinen jüngeren Bruder Arnie. Der 17-Jährige hat ein geistiges Defizit. Deshalb verkennt er gefährliche Situationen und bedarf ständiger Beaufsichtigung. Die Mutter der Familie ist seit dem Tod ihres Mannes psychisch labil. Sie ist stark übergewichtig und sitzt nur noch auf der Couch. Die Mutterrolle bei den Grapes übernimmt daher die ältere der beiden Schwestern.

Gilbert bringt die Familie mit einem anspruchslosen Job im örtlichen Gemischtwarenladen durch. Seine eigenen Bedürfnisse stehen weit hinten an.
Das ändert sich jedoch, als er Becky kennen lernt. Sie strandet mit ihrer Grossmutter in dem kleinen Örtchen, da sie auf ein Ersatzteil für ihren Camper warten müssen. Gilbert findet Gefallen an dem Mädchen, das so völlig anders ist, als die übrigen.

Sie kann sich auch für die kleinen Dinge begeistern und interessiert sich sehr für Gilberts Leben. Als er daraufhin seine Aufgaben vernachlässigt gerät die Welt für alle aus den Fugen.

GILBERT GRAPE wird von Kritikern hoch gelobt und gibt anschaulich einen Einblick in das Leben von Menschen, die sich in besonderer Weise um ihre Angehörigen kümmern müssen.

Neben Johnny Depp in der Titelrolle brilliert Leonardo DiCaprio als „Arnie“. Die Darstellung des geistig beeinträchtigten Jungen brachte dem damaligen Newcomer eine Oscar®-Nominierung ein.

DVD-Cover von WO IST FRED
WO IST FRED? Der Filmtipp für die Lachmuskeln. (Foto: Amazon.de)

 

Wo ist Fred?

 

Weder beängstigend noch in irgendeiner Weise dramatisch, sondern urkomisch ist eine deutsche Produktion. WO IST FRED? sollten sich allerdings nur Menschen mit Handicap ansehen, wenn sie über diese Lebenssituation und die alltäglichen Vorurteile der Gesellschaft lachen können.

Zugegeben, an diesem Film scheiden sich die Geister. Die Story ist nicht besonders originell: Um den verwöhnten Sohn seiner Angebeteten für sich zu gewinnen, gibt der Polier Fred vor, nicht sprechen und nicht laufen zu können. Gemeinsam mit seinem Kumpel Alex verschafft er sich so Zugang zur Rollstuhltribüne des Basketball-Vereins Alba Berlin. Denn nach dem Spiel wird immer der Ball dorthin geworfen.

Fred fängt den Ball, mit dem er Eindruck schinden will. Doch es kommt natürlich, wie es kommen muss. Er kann den Ball nicht gleich behalten. Und, noch schlimmer, er soll der Protagonist in einem neuen Imagefilm für die Behindertenarbeit der Basketballer werden. Fred muss deshalb für sieben Tage in seiner „Rolle“ bleiben.
Da den Jungs auf dem Bau ihr Polier fehlt, geht es dort drunter und drüber.

Währenddessen versucht Fred krampfhaft den Schein zu wahren. Denn er hat sich (natürlich – ist ja schliesslich ein Film) in die hübsche Produzentin des Imagetrailers verliebt. Eine Katastrophe jagt dabei die nächste. Irgendwann aber erkennt Fred, dass der Rotzlöffel und seine Mutter diese Scharade nicht wert sind und wird vom schlechten Gewissen übermannt - und nach seinem Outing als Fussgänger auch von wütenden Alba-Fans.

Besonders die Nebencharaktere und ihre Besetzung machen WO IST FRED? meiner Meinung nach sehenswert. Jürgen Vogel spielt Freds Kumpel Alex, der sich immer wieder eine Ausrede einfallen lässt, um dessen Tarnung nicht auffliegen zu lassen. Stromberg-Darsteller Christoph Maria Herbst begeistert in seiner Rolle als (echter) Rollstuhlfahrer Ronny. Er ist etwas exzentrisch und Fred natürlich sofort auf die Schliche gekommen.

DVD-Cover von DIE KUNST DES NEGATIVEN DENKENS
DIE KUNST DES NEGATIVEN DENKENS ist tiefgründig und voller schwarzem Humor. (Foto: Amazon.de)


Die Kunst des negativen Denkens


Last but ganz und gar nicht least eine norwegische Produktion, die sich sehr schön mit der wahren Lebenssituation von Menschen mit Behinderung auseinander setzt.
Die Therapeutin Tori hat eine kleine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Handicaps um sich versammelt.

In den Therapiestunden trichtert sie ihren Schäfchen, die sie auch absolut bevormundet, bedingungsloses positives Denken ein. Negative Gedanken dürfen nur in den handgestrickten Kotzbeutel geäussert werden.

Eines schönen Tages macht sich das Grüppchen auf, um Geirr und seine Frau Ingvild in ihrer grosszügigen Haus inmitten der herrlichen Natur zu besuchen. Seit einem Unfall sitzt Geirr im Rollstuhl. Die wunderhübsche Gattin weiss nicht mehr weiter. Der 33-Jährige schaut den ganzen Tag Kriegsfilme, hört Johnny Cash und spielt mit einem Revolver.

Tori und ihre positiven Mannen wollen Geirr auf die Seite des Lichts ziehen. Doch die Therapeutin beisst sich an dem miesepetrigen Unfallopfer die Zähne aus. Hinzu kommt, dass sich ihre Schützlinge von ihm anstecken lassen. Schon bald wirft die Psychologin das Handtuch und lässt die ganze Truppe zurück.

In dieser Nacht lernen die vom Schicksal gebeutelten, aber trotzdem chronisch gut gelaunten Teilnehmer von Toris Sitzungen die Kunst des negativen Denkens von Geirr.

Warnung: Dieser Film ist politisch absolut unkorrekt und strotzt vor schwarzem Humor! Absolut empfehlenswert und pädagogisch wertvoll für alle, deren Leben nicht immer eitel Sonnenschein ist.

 

Text: Justin Black   12/09

Fotos: Amazon.de, pixelio.de

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