Sehbehindertengerechtes Bauen

Sehbehinderte und blinde Menschen haben besondere Bedürfnisse, die vor allem der Sicherheit dienen. So sollten sichere Zonen im öffentlichen Raum ertastbar, Hindernisse kontrastreich und gut ausgeleuchtet sein.

Behindertengerechtes Bauen ist auch sehbehindertengerechtes Bauen. Für Menschen mit einer Sehbehinderung geht es dabei vor allem um Sicherheit, insbesondere um Sicherheit im Verkehr. So sollte die Abgrenzung von Fahrbahn zu Trottoir klar erkennbar sein. Dies kann gemäss dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband schon durch einen Absatz von mindestens drei Zentimetern Höhe gewährleistet werden. Ebenso sollte man eine Abgrenzung zwischen Velofahrbahn und Fussgängerfläche ertasten können.

Auch bei Mischverkehrsflächen müssen die sicheren Bereiche für Fussgänger ertastbar markiert werden. Sichere Querungsstellen sind zu kennzeichnen: Eine Trottoirabsenkung etwa mit einem Absatz von drei Zentimetern Höhe und einem Gefälle von maximal sechs Prozent. Eine Fussgängerinsel kann ebenfalls durch einen Absatz von drei Zentimetern Höhe hervorgehoben werden.

Bei einem schrägen Randstein beträgt die Höhendifferenz idealerweise vier Zentimeter über eine Breite von 13 bis 16 Zentimetern. Fussgänger-Lichtsignale sollten mit akustischen und taktilen Signalen ergänzt werden. So etwa durch eine vibrierende Platte mit einem Richtungspfeil. Auch sollte der Ampelast mit einer Bodenmarkierung auffindbar sein.

Sichere und erkennbare Treppen

Für Menschen die noch ein geringes Sehvermögen haben, muss auch auf die Beleuchtung geachtet werden. Treppen und Stufen sind dabei mit genug Kontrast markieren und gut sowie gleichmässig beleuchten. Handläufe bei Treppen für eine erhöhte Sicherheit mindestens 30 Zentimeter über den An- und Austritt hinausführen und bei Richtungsänderungen nicht unterbrechen.

Auskragende und herunterhängende Objekte sollten im öffentlichen Raum mindestens 210 cm über dem Boden angebracht werden, Hindernisse im Zirkulationsbereich ganz vermieden oder entfernt werden. Unvermeidbare Hindernisse und Objekte, die mehr als 10 cm auskragen, sind kontrastreich hervorzuheben und deren Umrisse maximal 30 Zentimeter über dem Boden ertastbar zu machen. Gefahren und Hindernisse sollten für Menschen mit einer Sehbehinderung generell ausreichend und blendfrei ausgeleuchtet werden.

 

Text: Adrian Hauser

Literaturliste

Normen

  • SN 521 500 «Behindertengerechtes Bauen»
  • SN 640 836-1 «Signale für Sehbehinderte»
  • SN 640 852 «Taktil-visuelle Markierungen für blinde und sehbehinderte Fussgänger»
  • SN EN 81-70 «Zugänglichkeit von Aufzügen ...»
  • SN EN 12464-1 «Beleuchtung von Arbeitsstätten ...»
  • SN 150 911 «Innenraumbeleuchtung mit Tageslicht»

Richtlinien

  • Richtlinien für behindertengerechte Fusswegnetze «Strassen,Wege, Plätze»
  • Richtlinien für «Hotel, Restaurant Ferienwohnungen»
  • Wohnungsbau hindernisfrei - anpassbar

Merkblätter

  • Merkblatt 14/04 «Leitliniensystem Schweiz»
  • Merkblatt 15/04 «Fussgänger-Lichtsignale»

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