Studierende mit Behinderung benachteiligt

- Im Auftag von AGILE hat die ZHAW eine Studie zum Thema Zugänglichkeit an Schweizer Hochschule durchgeführt (birgitH / pixelio.de)
Eine repräsentative Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW im Auftrag von AGILE zeigt: Die meisten Hochschulen in der Schweiz sind nicht hindernisfrei zugänglich für Studierende mit Behinderung.
Die Bestandsaufnahme der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW zeigt, dass beim Begriff Behinderung vielfach in erster Linie an Mobilitätsbehinderung gedacht wird.
Auch sind beim Thema Gleichstellung nicht immer Menschen mit Behinderungen gemeint. Der Zugang zu Hoch- und Fachhochschulen für Menschen mit Behinderungen ist jedoch unerlässlich, um deren gesellschaftliche Teilhabe zu garantieren.
Hochschulen benachteiligen Studierende mit Behinderung
Wie zugänglich sind die Schweizer Hochschulen für Studierende mit Behinderung? Die repräsentative Studie der ZHAW zeigt: Die Zugänglichkeit steckt noch in den Kinderschuhen. Befragt wurden 83% der Schweizer Hochschulen.
Die meisten Hochschulen stehen bezüglich Hindernisfreiheit noch ganz am Anfang: So hat ein Grossteil der befragten Hochschulen keine Ansprechperson für Studierende mit Behinderung. Und falls eine solche Ansprechperson vorhanden ist, wird sie gegen aussen oft schlecht kommuniziert.
Unterschiedlich gut ist oft auch die bauliche Zugänglichkeit der Gebäude. Nur die wenigsten Hochschulen verfügen über umfassende Informationen wie Lagepläne mit eingezeichneten Liften, Treppen, Toiletten, Parkplätzen u.a.
Immerhin gewähren die meisten Hochschulen Studierenden mit Behinderung Nachteilsausgleiche im Curriculum beziehungsweise in Prüfungen. Aber nur an einzelnen sind Nachteilausgleiche soweit akzeptiert, dass diese einmalig für das ganze Studium beantragt werden können.

- Nicht alle Räumlichkeiten sind barrierefrei (Rainer Sturm / pixelio.de)
Dringender Handlungsbedarf
Die Bestandesaufnahme der ZHAW zeigt, dass beim Begriff Behinderung vielfach in erster Linie an Mobilitätsbehinderung gedacht wird. Andere Behinderung werden weniger berücksichtigt.
Für die Autoren der Studie, Sylvie Kobi (ZHAW, Departement Soziale Arbeit) und Kurt Pärli (ZHAW, School of Management and Law), besteht bei den Hochschulen Handlungsbedarf: Sie empfehlen diesen unter anderem Ansprechpersonen und -stellen für Studierende mit Behinderung zu definieren und den Austausch unter den Hochschulen auszubauen. Weiter sollen die Hochschulen ein Behinderungsarten übergreifendes Verständnis fördern.
Weitere Untersuchungen geplant
Die „Bestandesaufnahme hindernisfreie Hochschule“ der ZHAW ist der erste Teil des vom Gleichstellungsrat Egalité Handicap initiierten und von AGILE getragenen Projekts „Zugang zu Hochschulen für Menschen mit Behinderung in der Schweiz; aktuelle Situation und Perspektiven“.
Gut vier Fünftel der heimischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen konnten in die repräsentative Befragung einbezogen werden. Das Projekt wird vom eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (EBGB) finanziell unterstützt. Es zielt darauf ab, eine Publikation mit konkreten Empfehlungen und best practices zu erarbeiten.
Der Auftraggeber AGILE
AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz setzt sich seit 1951 für die Existenzsicherung und Integration von Menschen mit Behinderung ein.
Der Dachverband vertritt die Interessen von über 40 Behindertenorganisationen. Diese repräsentieren Menschen aller Behinderungsgruppen und ihre Angehörigen.
Dieser Text wurde freundlicherweise von AGILE zur Verfügung gestellt und von der MyHandicap-Redaktion leicht angepasst.
Text: Eva Aeschimann für AGILE
Bilder: AGILE / M. Plattner / pixelio.de
Artikel im Forum diskutieren
Das MyHandicap-Forum bietet Gelegenheit, mit anderen über diesen Artikel zu diskutieren mehr...





