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für Menschen mit Behinderung

„Man muss es einfach probieren!“

Ladenleiter Christoph Nydegger in der Filiale
Ladenleiter Christoph Nydegger in der Filiale (Foto: pg)

Im November haben die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern UPD zum zweiten Mal den Berner Sozialstern vergeben.

Die Auszeichnung ging an die Landi Köniz, die für ihr aussergewöhnliches Engagement im Bereich der beruflichen Wiedereingliederung von Menschen mit psychisch bedingten Leistungseinschränkungen geehrt wurde.

Die Landi Köniz betreibt einen Laden mit Lebensmitteln und anderen landwirtschaftlichen Produkten aus der Region. Einrichtungen für Haus und Garten und eine Do-it-yourself-Abteilung gehören ebenfalls zum Angebot. Trägerschaft ist eine Genossenschaft mit rund 130 Mitgliedern mit Sitz und Zentrale in Niederscherli. Die Landi Köniz ist eine Zweigniederlassung dieser Genossenschaft.

Kleiner Betrieb - grosse Wirkung

Die Landi ist ein Kleinbetrieb, die Ressourcen beschränkt, der Publikumsverkehr rege. Ausgefeilte Leitbilder und Firmengrundsätze gibt es nicht. Alles in allem ist die Landi also nicht unbedingt ein Unternehmen, das prädestiniert wäre, Arbeitsplätze für Menschen mit einer psychisch bedingten Leistungseinschränkung anzubieten.

Dennoch zögerten die Verantwortlichen nicht, als das Job Coach Placement der UPD vor zwei Jahren auf der Suche nach Trainings-Arbeitsplätzen war. Dabei sollen die Teilnehmenden während dreier Monate auf eine mögliche Festanstellung in einem anderen Betrieb vorbereitet werden.

Aussenansicht Filiale
In der Filiale in Köniz erhalten Menschen mit einer psychischen Behinderung eine Chance zur Eingliederung ins Berufsleben (Foto: pg)

Gute Erfahrungen

Durch die vorgängige Zusammenarbeit mit der IV war bei der Landi Köniz die Überzeugung gewachsen, dass es sich dabei um einen lohnenswerten Einsatz handelt – und man verzeichnete auch bereits ein Erfolgserlebnis: Die IV hatte für einen jungen Mann mit einer Lernschwäche einen Arbeitsplatz gesucht, wo er auf weitere Aufgaben vorbereitet werden sollte.

Nach einem Jahr bot ihm die Landi schliesslich gleich selber einen Job an. Mittlerweile ist er fünf Jahre dabei und so etwas wie die gute Seele des Betriebs.

Sechs erfolgreiche Trainingseinsätze

In den letzten zwei Jahren haben nun sechs Teilnehmende des Job Coach Placement erfolgreich einen dreimonatigen Einsatz geleistet, ausserdem befindet sich unter den Festangestellten ausserhalb dieses Programms ein weiterer junger Mann mit einer Lernschwäche, die es ihm nicht ermöglichte, eine Berufslehre zu absolvieren.

„Die Teilnehmer füllen Waren auf, sie richten neue Verkaufsplätze ein, manchmal sind sie auch an der Kasse beschäftigt“, erklärt Ladenleiter Christoph Nydegger. „Sie werden stets von einem Mitarbeiter begleitet, ein Ansprechpartner ist immer anwesend. Gleichzeitig haben die Teilnehmenden aber auch eigene Aufgabenbereiche, was ihr Verantwortungsbewusstsein fördert“, so Nydegger.

Zwischen dem Berieb und dem Job Coach Placement findet ein regelmässiger Austausch statt. Ein monatlicher Bericht gibt Aufschluss über die Veränderungen und Fortschritte, die erreicht wurden.

Stolze Preisträger: Christoph Nydegger (2.v.l) und Stephan Lehmann
Stolze Preisträger: Christoph Nydegger (2.v.l) und Stephan Lehmann (r.) (Foto: Sozialstern)

Ganzes Team engagiert

Nun hört sich das alles ganz einfach an, funktioniert aber nur dank der Unterstützung des ganzen Teams. „Die Mitarbeitenden sind stark engagiert, und entsprechend bin ich auch stolz für das ganze Team, dass wir die Auszeichnung erhalten haben“, erklärt Nydegger, dem die Beschäftigung von Menschen mit einer Beeinträchtigung auch ein persönliches Anliegen ist: „Jeder Mensch hat das Recht auf eine Beschäftigung, die seinen Fähigkeiten entspricht.“ Diese Überzeugung wird in der Landi vermittelt und gelebt.

Und Nydegger ist es ein Anliegen, dass dies in anderen Unternehmen ebenfalls möglich wird. „Natürlich eigenen sich nicht alle Betriebe und Branchen gleich gut. Aber man darf auch nicht immer nur über den Aufwand sprechen. Es kommt etwas zurück. Diese Menschen erbringen Leistung, sie erledigen Arbeiten. Und für das ganze Team bringt es neue Herausforderungen und neue Motivation mit sich.“

Keine 100-seitigen Konzepte nötig

„Ausserdem sind die Risiken klein. Die Teilnehmenden werden von der UPD medizinisch begleitet. Ausserdem erhalten sie ein Taggeld von IV, wir müssen keinen Lohn bezahlen.“ Kurz und gut: „Man muss es halt einfach mal probieren!“ Und Stefan Lehmann, der Geschäftsführer der Landi Niederscherli ergänzt: „Dazu braucht es kein 100-seitiges Konzept.“

Der Sozialstern ist mit einem Preisgeld von 10'000 Franken dotiert, das zweckgebunden für weitere Massnahmen im Betrieb eingesetzt werden muss. Dazu hat man ein Jahr Zeit. Lehmann sagt dazu: „Wir sind in der Planung, es ist aber noch nichts entschieden. Klar ist, wir wollen damit etwas Nachhaltiges schaffen.“

Text und Bilder: PG – 12/2010

 

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