Hilfe für behinderte Menschen – in der Nähe, umsonst & von Herzen

- Beim Frühlingsputz wollen auch Ecken sauber werden, an die man mit dem Rollstuhl kaum hinkommt (Pollzien/pixelio.de)
Nachbarschaftshilfen springen ein, wo Not ist und staatliche Unterstützung für behinderte Menschen zu teuer wäre.. Die Organisationen vermitteln Helfer und Hilfesuchende mit und ohne Behinderung.
Was tun, wenn man Hilfe braucht?
Der Kühlschrank brummt so laut, als ob ein Eisbär selbst die Kühlung übernommen hätte, die Glühbirne in der Deckenlampe des Wohnzimmers ist durchgebrannt, der Rasen wuchert vor sich hin und irgendwie hat man sich vor lauter Stress oder auch vor lauter Einsamkeit mit niemandem mehr unterhalten.
Gerade Menschen mit Behinderung haben mit kleineren und grösseren Alltagsproblemen zu kämpfen. Doch sind Elektriker und Eisbärendompteure zu teuer, die Glühbirne hängt zu hoch – deswegen gleich einen Elektriker zu rufen, ist auch übertrieben – der Rasen ist zu weich und zu uneben für den Rollstuhl und je nach Grad und Art der Behinderung ist es leider so, dass soziale Kontakte zu kurz kommen können.
Die Nachbarschaftshilfe bringt die Helfer zu den Suchenden
In solchen Fällen springt die Nachbarschaftshilfe ein. Das Prinzip ist einfach und so alt wie die Menschheit selbst. Wer Zeit hat und seine Hilfe jemandem zukommen lassen will, springt bei seinen Nachbarn ein. Helfen, wo man nur kann, war schon in früheren Zeiten üblich, da es das Überleben des eigenen Volkes bzw. Stammes sicherte.
In manchen Kulturen ist dies immer noch selbstverständlich, gerade dort, wo die Familien und der Zusammenhalt gross sind. In unserer Kultur, vor allem in den Städten, ist diese Gemeinsamkeit leider fast verschwunden. Jeder lebt für sich, seine Nachbarn kennt man, wenn überhaupt, nur vom Sehen. „Manchmal getrauen sich Leute aber nicht, um Hilfe zu fragen.
Auf der andern Seite wollen sich Hilfsbereite nicht aufdrängen - oder sie kennen niemanden, dem die eigenen Talente gerade sehr nützlich wären.”, erklärt der Förderverein Nachbarschafthilfe Zürich. Deshalb ist die Arbeit der Nachbarschaftshilfe umso wertvoller. Sie bringt in einer solchen Situation Helfer und Hilfesuchende zusammen.
Breites Angebot in der Schweiz
In der Schweiz gibt es mehrere solcher Nachbarschafthilfen, die meist regional organsiert sind. Die grösste ist die Nachbarschaftshilfe (NBH) Zürich. „Insgesamt sind in der Stadt Zürich rund 1'000 Personen als freiwillige Nachbarn aktiv. Sie sind zwischen 15 und 95 Jahre jung. Sie treffen sich regelmässig mit den anderen Nachbarn zum Austausch, besuchen Weiterbildungen und knüpfen Beziehungen”, präzisiert die Nachbarschafthilfe Zürich.
Sie sehen sich selbst eher als Wertegemeinschaft denn als soziale Einrichtung, da bei ihnen zwar Leistungen angeboten werden, Beziehung und Zuwendung jedoch im Zentrum stehen. Pflegerische Handlungen übernimmt die NBH in der Regel nicht, vermittelt aber gerne zwischen Einrichtungen wie die Spitex und den Pflegebedürftigen.

- In einer Gemeinschaft helfen die Leute einander, das ist das Prinzip von Nachbarschaftshilfen (Hofschlaeger / pixelio.de)
Die Freiwilligen und die Klienten sind überwiegend weiblich, doch verzeichnen die einzelnen Stellen eine leichte Zunahme an männlichen und auch jüngeren Helfern und Klienten fest, wie auch allgemein ein Zuwachs zu verzeichnen ist. Das Angebot wird an die Nachfrage angepasst. Heute wird vermehrt nach Kinderbetreuung und Nachhilfeunterricht gefragt, aber auch nach „Ferienjobs“ wie Blumengiessen und Haustiere hüten.
Human Resources voll ausschöpfen
Das Prinzip der Nachbarschaftshilfe ist die beste Nutzung von Human Resources überhaupt. Obwohl die Hilfe gratis ist, gehen die Helfer nicht leer aus. Gross ist die Dankbarkeit der Klienten, Freundschaften werden geschlossen und das Gefühl, Gutes zu tun, ist sowieso unbezahlbar. „Hier habe ich die Möglichkeit, anderen Menschen im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen. Es ist ein gutes Gefühl gebraucht und geschätzt zu werden!“, sagt Claudia Meyer, Freiwillige bei von NachbarNET Basel, die selber eine leichte Gehbehinderung hat.
Der Eisbär ist vertrieben, die Glühbirne glüht wieder, der Rasen ist gemäht und die Helfer haben sich am Küchentisch für einen Schwatz zusammengefunden. Jeder hat gearbeitet, niemand dafür bezahlt und doch sind alle zufrieden. Der Einsatz war für Helfer wie für Hilfesuchende ein voller Erfolg.
Wer gerne Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen würde oder selbst helfen möchte, kann sich bei der nächsten Nachbarschaftshilfe melden. Adressen dazu finden Sie in den unten angegeben Links.
Text: M. Plattner
Fotos: pixelio
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