Drei Sterne als Modell für künftige Arbeitswelt

- 31 stilgerechte Einzel- und Doppelzimmer erwarten die Gäste (Foto: Hotel Dom)
Nach einer umfassenden Renovation ist in St. Gallen das Hotel Dom wieder geöffnet. Das Besondere: Im Hotel werden Touristen und Geschäftsreisende von 46 IV-Bezügern optimal betreut.
Seit zwölf Jahren wird das Konzept eines Dreisterne-Hotels mit Menschen mit Behinderung als Personal im Hotel Dom in St. Gallen erfolgreich umgesetzt. Mit einer Zimmerauslastung von 77 Prozent gehörte das Gästehaus im vergangenen Jahr zu den erfolgreichsten der Stadt. In den letzten Monaten ist das Hotel, das Anfang der 60-er Jahre als modernes Altstadthotel erstellt wurde, stilgerecht umgebaut, erweitert und erneuert worden. Anfang Mai haben sich die Pforten wieder geöffnet.
Sozialinstitution führt Hotel
Die Architektur macht das Hotel Dom zu einem besonderen Hotel, das Kunstkonzept mit einer Partnerschaft mit dem St. Galler Museum im Lagerhaus ebenso – vor allem aber, dass das Haus vom Verein förderraum geführt wird. Dabei handelt es sich um eine Sozialinstitution, die Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit einer Beeinträchtigung, mit einer Lernbehinderung oder einer leichten psychischen oder körperlichen Behinderung bereit stellt.

- Das Hotel Dom in St. Gallen beschäftigt ausschliesslich IV-RentnerInnen (Foto: Hotel Dom)
Befriedigung und Bestätigung
Das Hotel Dom will ein Beispiel dafür sein, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen könnte: „Wir sollten nicht mehr auf die Talente und das Engagement jener verzichten, die für einzelne Tätigkeiten vielleicht etwas mehr Zeit benötigen, auf etwas mehr Betreuung oder Unterstützung angewiesen sind“, sagt Alma Mähr, Geschäftsführerin förderraum. Hotelleiter Stephan Peterer ergänzt: „Und sie finden das, was für uns alle im Leben wichtig ist: Sie finden berufliche Befriedigung und Bestätigung, erhalten von unseren Gästen positive Rückmeldungen.“
Das agogische Konzept
Insgesamt 46 IV-Rentnerinnen und –Rentner arbeiten im Hotel. Sie übernehmen Verantwortung aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten, erlangen eine hohe berufliche Selbständigkeit und Kompetenz, stehen je nach ihren Vorlieben im direkten Kontakt mit den Gästen oder wirken eher im Hintergrund.
Die Arbeitsplätze verteilen sich auf die Küche, den Service, die Rezeption, die Etagenreinigung und das Wasch- und Nähatelier. Angeboten werden beispielsweise Ausbildungen als Hotelfachfrau oder Restaurationsfachmann, Koch, Kauffrau, Restaurations-, Küchen oder Hotellerie-Angestellte.

- Motiviert, begeistert und mit echter Zuneigung den Gästen gegenüber: Die Mitarbeitenden im Hotel Dom (Foto: Hotel Dom)
Begleitung durch ständige Bezugsperson
Mit jeder auszubildenden Person wird eine individuelle Lernprozessplanung erstellt, es finden periodisch Ausbildungsgespräche statt und alle Mitarbeitenden werden durch eine ständige Bezugsperson begleitet. Während die Betreuungsaufgaben schwerpunktmässig von qualifizierten Fachkräften aus Sozialberufen und Berufsleuten mit sozialen Zusatzausbildungen übernommen werden, kümmern sich Profis aus dem kaufmännischen Bereich sowie aus der Hotellerie und Gastronomie um die Ausbildung der Mitarbeitenden.
Vielfältige Ziele
Diese erweitern im Hotel ihre beruflichen, sozialen und intellektuellen Fähigkeiten durch individuelles Arbeitstraining und interne Weiterbildungsangebote, aber auch durch den Kontakt zu Kunden und Gästen sowie die Arbeit im Team. Lernende erwerben eine den anerkannten Richtlinien entsprechende Grundausbildung.
Barbara Höhn, Agogische Leiterin, koordiniert und leitet die sozialpädagogische Betreuung. Sie sagt: „Unsere Angestellten sind derart motiviert und mit Begeisterung bei der Sache, dass sie allfällige Benachteiligungen mehr als wett machen: mit ihrer Freundlichkeit, mit ihrer echten Zuneigung gegenüber Gästen, mit ihrer professionellen Haltung.“
- Zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten im Restaurant des Hotels (Foto: Hotel Dom)
Unterschiedliche Ansätze
Die methodischen Ansätze sind unterschiedlich: Mitarbeitende mit einer Lernbehinderung oder leichten geistigen Behinderungen werden zu Beginn für wiederkehrende Arbeiten eingesetzt, damit sie Routine erlangen. Bei Mitarbeitenden mit einer psychischen Behinderung erfolgt die Einarbeitung oft in einem höheren Tempo und ist umfangreicher.
Tendenziell benötigen sie in der Alltagsarbeit mehr Abwechslung. Beinahe täglich werden die individuellen Möglichkeiten der Mitarbeitenden sondiert und beurteilt. Immer aber arbeiten sie in gemischten Gruppen, wo sich Mitarbeitende mit unterschiedlichen Behinderungen ergänzen, lernen, die Stärken anderer zu nutzen und sich gegenseitig zu untersützen.
Die Mitarbeitenden erhalten ausserdem Unterstützung bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen. Das Hotel pflegt ein Netz mit verschiedenen Arbeits- und Kooperationspartnern aus dem offenen Arbeitsmarkt wie Alters- und Pflegeheimen, Banken, Hotels, Versicherungen oder Restaurants.
IV-Rente als Voraussetzung
Voraussetzung für eine Stelle im Hotel ist eine IV-Rente (mindestens eine Dreiviertelrente) oder eine berufliche Massnahme der Invalidenversicherung. Erforderlich sind ausserdem psychische Stabilität, Dienstleistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit – und natürlich auch die Bereitschaft zu unregelmässiger Arbeitszeit. Neben den erwähnten Möglichkeiten im Aus- und Weiterbildungsbereich beziehen die Angestellten einen Lohn im Rahmen einer geschützten Werkstatt, mit dem sie ihre IV-Rente aufbessern können.
Die Nachfrage nach offenen Stellen ist unterschiedlich, wie Barbara Höhn erläutert. Gerade im Service-Bereich oder an der Rezeption sei es auch schon schwierig gewesen, die Vakanzen zu besetzen, sagt sie. Inserate in Zeitungen schaltet das Hotel nicht, aber offene Stellen werden auf der eigenen Website ausgeschrieben. Viele Interessenten melden sich auch, nachdem sie durch Familie und Freunde oder durch Medienberichte auf die Arbeitsmöglichkeiten aufmerksam geworden sind. Ausserdem arbeitet das Hotel vor allem im Bereich der Lernenden mit den örtlichen IV-Stellen zusammen.
Text: PG - 05/2010
Fotos: Hotel Dom
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Finde ich super leider bin ich noch nicht IV berechtigt und wohne an einer anderen Ecke der Schweizein Kommentar