UNICEF & Co. - Hilfsorganisationen und ihre Bedeutung für die Menschen

- Helfer brauchen auch Unterstützung (Foto: Albrecht-E. Arnold / pixelio.de)
Bill Clinton sagte es in seiner Rede anlässlich der Eröffnung des Centers for Disability and Integration an der Universität St. Gallen: „Nichtregierungs-organisationen sind von grosser Relevanz für die Menschheit. Deshalb verdienen sie Anerkennung und, vor allem, Unterstützung.“
Der ehemalige US-Präsident nannte beim Besuch Anfang November einige Beispiele für die wertvolle Arbeit von Hilfsorganisationen. Dabei zeigte er auf, dass es besonders der schnelle und unbürokratische Einsatz ist, der den Menschen hilft. Dies ist jedoch nur durch die Unabhängigkeit der Institutionen von Regierungen und Wirtschaft möglich. Wobei es mit Konzernen immer wieder auch grossartige Kooperationen gebe.
Hilfsorganisationen brauchen Hilfe
Eine solche Unterstützung ist wichtig. Denn auch die Hilfsorganisationen brauchen Hilfe, damit sie helfen können. Ihre Arbeit erfolgt nicht gewinnorientiert. Um ihre Unabhängigkeit von den Regierungen zu wahren, bekommen sie keinerlei staatliche Zuschüsse. Somit sind die Organisationen immer auf Zuwendungen von Privatpersonen und Firmen angewiesen. Glücklicherweise bleiben diese auch in schweren Zeiten wie der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise stabil.
Das bestätigt auch Rudi Tarneden, Pressesprecher der UNICEF-Deutschland. Die Kinderhilfsorganisation wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Heute betreuen 7.000 Mitarbeiter und viele ehrenamtliche Helfer zahlreiche Hilfsprojekte auf der ganzen Welt.

- Kinder sind am ehesten betroffen (Foto: I. Friedrich / pixelio.de)
Mit kleinen Beträgen helfen
Bereits mit kleinen Beträgen kann man helfen. Nicht nur, weil auch aus vielen kleinen Spenden grosse Summen werden. Sondern auch, weil es oftmals nur Kleinigkeiten sind, mit denen man viel erreichen kann. „Der Grossteil der Spenden sind Kleinspenden“, berichtet Tarneden. Auch Bill Clinton erzählte von einem solchen Beispiel. Eine Hilfsorganisation hatte der Bevölkerung in einer indischen Provinz 50.000 Solarlampen zur Verfügung gestellt. Mit diesen Lampen konnte ein Viertel der Einwohner mit Licht versorgt werden.
Was das bedeutet, ist für uns, die in einer Industrienation leben, wohl nur schwer vorstellbar. Schließlich brauchen wir nur auf den Lichtschalter zu drücken, wenn es dunkel wird. Unsere Kinder können auch abends Hausaufgaben machen. Wir können jederzeit lesen, kochen, schreiben, nähen oder etwas reparieren – auch wenn es stockfinster ist. Wenn wir bei Nacht ein unbekanntes Geräusch im Garten hören, können wir die Beleuchtung einschalten und sehen, was los ist.
In der indischen Provinz konnte das Leben der Menschen nachhaltig verbessert werden. Nur, indem man ihnen Licht gab. Dauerhaft und unabhängig von Brennstoffen oder Stromleitungen. Pro Haushalt kostete das nicht einmal zehn Euro.

- Hilfe geht um die Welt (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)
Entwicklungsländer und Krisengebiete
Besonders in Entwicklungsländern oder Krisengebieten ist der Bedarf an Unterstützung gross. Dabei kann die Hilfe oftmals nur von Nichtregierungsorganisationen geleistet werden. Jegliches Engagement auf Staatsebene würde zu diplomatischen Verwicklungen führen.
In der Regel leiden die Schwächsten der Gesellschaft, die Kinder, am meisten. Schlechte medizinische Versorgung, mangelnde Hygienemöglichkeiten und fehlender Zugang zu Nahrungsmitteln sind die Hauptgründe dafür, dass pro Jahr Millionen von Kindern sterben. Allein die Austrocknung aufgrund von Durchfall kostet jährlich 1,5 Millionen Kinderleben. Dabei gibt es eine einfache Therapie. Mit einer Zucker-Salz-Lösung kann man die Kinder davor bewahren, auszutrocknen. Kosten pro Tag: Wenige Cent.
Nicht in die Ferne schweifen
Aber man muss nicht in die Ferne schweifen, um zu sehen, wie die Arbeit von gemeinnützigen Vereinigungen hilft. Die Tabaluga Stiftung ist nur ein Beispiel, das zeigt, Hilfe wird auch in Deutschland gebraucht. Gegründet vom bekannten Musiker Peter Maffay setzt sich diese Stiftung für Kinder in Deutschland ein. Vorsichtigen Schätzungen zufolge leben hierzulande 3.000 Kinder auf der Strasse. Jährlich werden über 16.000 sexuelle Übergriffe auf Kinder polizeilich registriert. Mit ihren Angeboten ermöglicht es die Tabaluga Stiftung diesen traumatisierten Kindern, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und ins Leben zurück zu finden. Diese Arbeit kann man bereits mit fünf Euro unterstützen.

- Hilfe für die Schwächsten (Foto: Detlev Beutler / pixelio.de)
Eine andere Bevölkerungsgruppe
Die Stiftung MyHandicap wurde in der Schweiz gegründet. Hauptanliegen ihres Gründers, Joachim Schoss, ist es, einer anderen Bevölkerungsgruppe zu helfen. Auch Menschen mit Behinderung stehen häufig hilflos am Rande der Gesellschaft. Zwar muss das Team von MyHandicap diese Menschen nicht vor Hunger oder mangelnder Hygiene bewahren. Für viele ist es allerdings schwer, mit ihrer Lebenssituation umzugehen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.
Gesellschaft trägt Verantwortung
Dass diese Gesellschaft auch eine Verantwortung hat, daran wird sie alle Jahre wieder um die Weihnachtszeit erinnert. Egal, ob im Fernsehen, Radio oder auf der Strasse – ein Spendenaufruf jagt den nächsten. Das mag den einen oder anderen vielleicht sogar nerven.
Erst recht, wenn er selbst nicht gerade in Geld schwimmt. Aber muss von uns jemand Nacht für Nacht im Dunkeln sitzen? Hat jemand von uns schon mal ein Kind aufgrund einer Krankheit verloren, die im Rest der Welt gar nicht mehr existiert? Konnte von uns jemand nicht zur Schule gehen, weil es gar keine Schulen gibt, geschweige denn Hefte oder Schulbücher?

- Auch kleine Beträge helfen (Foto: Rainer Sturm / Quelle: pixelio.de)
Sein eigenes Päckchen
Natürlich hat jeder von uns sein eigenes Päckchen zu tragen. Aber während wir uns darum Gedanken machen, ob wir unseren Liebsten zu Weihnachten das zehnte T-Shirt oder doch lieber das neueste Computerspiel schenken, sind überall auf der Welt Menschen unterwegs. Menschen, die sich in Hilfsorganisationen dafür engagieren, tausende Leben zu retten.
Da ist es doch eigentlich mehr als traurig, dass es alle Jahre wieder der grossen Spendenaufrufe bedarf, damit jeder von uns ein paar Euro locker macht. Denn was für uns vielleicht eine einmalige, kleine Einschränkung bedeutet, kann das komplette Leben von ganzen Familien positiv beeinflussen.
„Was interessiert mich das?“
Bevor der geneigte Leser sich nun aber mit der Ausrede abwendet „Was interessieren mich Kinder (am anderen Ende der Welt)?!“, sollte er sich vielleicht noch einmal kurz bewusst machen, wo er sich gerade befindet. Nämlich auf der Webseite einer der vielen Hilfsorganisationen, die sich jeden Tag für andere Menschen einsetzen.
Text: Justin Black
Fotos: pixelio
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