Ein Hund für alle Fälle
- Assistenzhund Bayou hilft beim Wäscheaufhängen (FIDES)
Bayou ist kein gewöhnlicher Hund, er ist ein Assistenzhund und hilft seiner Halterin, die im Rollstuhl sitzt, bei der Bewältigung alltäglicher Dinge. Von FIDES bekam sie Bayou kostenlos und perfekt ausgebildet, denn FIDES ist ein junger gemeinnütziger Verein, der Assistenzhunde mit professionellem Know-How ausbildet und anschliessend kostenlos an Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung abgibt.
In Riehen bei Basel werden die Assistenzhunde von Natalie Corman ausgebildet. Die Kanadierin, die seit über 20 Jahren in der Schweiz wohnt, hat ihre Ausbildung zur Assistenzhundetrainerin in den USA gemacht.
Liebe und Selbständigkeit
Der Assistenzhund gibt seinem Menschen mit Behinderung viel Selbständigkeit und Flexibilität zurück, indem er Hilfestellungen leistet. So muss der Halter zum Beispiel nicht extra auf die Spitex warten, die ihm hilft, sich auszuziehen und ins Bett zu steigen. Auch kleinere Dinge, wie etwas vom Boden aufheben oder eine festklebende Socke aus der Waschmaschine holen, kann ein Assistenzhund erledigen.
Halter und Hund bilden ein festes Team, so ergeben sich manchmal sogar Situationen, wo Worte überflüssig sind: „Nach einem langen und für uns beide anstrengenden Tag wollte ich Bayou am Abend freigeben und die Spitex anrufen, um ins Bett zu gehen, damit er sich ausruhen kann. Bayou jedoch hat mir ohne Aufforderung meinerseits ins Bett geholfen, meine Beine aufs Bett gezogen“, erzählt Bayous Halterin Mirjam Spinnler gerührt.
Menschen mit einer Mobilitätsbehinderung, deren Lebensqualität durch einen Assistenzhund wesentlich verbessert wird, können bei FIDES ein Gesuch einreichen. Dank Spenden an FIDES können die Hunde unentgeltlich an die Halter abgegeben werden, einzig Unterhaltskosten wie Essen und kleine Tierarztrechnungen muss der Halter selber bezahlen.
- Auch Schubladen sind mit dem Assistenzhund kein Hindernis mehr (FIDES)
Strenge Ausbildnerin
Natalie Corman, Initiantin des Vereins FIDES Assistenzhunde, legt besonderen Wert auf eine 1:1 Einführung des zukünftigen Teams Hund/Halter. Dadurch können speziell auf die Bedürfnisse des Halters abgestimmte Hilfestellungen gelernt werden.
„Nach erfolgreicher Zusammenführung können die nach internationalen Standards festgelegten Prüfungen abgelegt werden: Erst wenn Theorie und Praxis wirklich sitzen, wird der Ausweis erworben“, berichtet Frau Corman. Diese Prüfungen sind wichtig, um den Erfolg des Teams zu gewährleisten.
Corman betont immer wieder, wie wichtig Konsequenz bei der Ausbildung des Hundes ist. „Der Hund ist wie ein Kind, der seine Grenzen auslotet. Wenn man ihm einmal etwas durchgehen lässt, merkt er sich das“, erklärt Corman lächelnd.
Nicht jeder Hund ist geeignet
Bereits als Welpe werden die zukünftigen Assistenzhunde ausgesucht. Ängstliche oder nervöse Tiere eignen sich nicht, genauso wie Hunde, die nicht neugierig oder lernwillig sind.
Hat ein Welpe den Eingangstest bestanden, kommt er für ein Jahr in eine Gastfamilie, wo er lernt, nicht an der Leine zu reissen, sich nicht vor Autos oder Lärm zu fürchten und andere Hunde in der Arbeitszeit zu ignorieren und vieles mehr.
Trainiert werden die Hunde mit dem Belohnungssystem. Wird ein Befehl richtig ausgeführt, bekommt der Hund eine (kleine) Futterbelohnung. Mit der Zeit reicht auch Streicheln über den Kopf oder eine verbale Belohnung.
Wichtig ist dabei, dass der Hund auch Freude an den neuen Aufgaben hat. Zeigt sich, dass er kein Interesse oder Freude an Menschen oder Arbeit hat, muss die Ausbildung leider abgebrochen werden.

- Ein Assistenzhund hilft bei alltäglichen Hindernissen wie Jacke ausziehen (FIDES)
Der Halter, das Alphatier
Auch die Halter werden genau unter die Lupe genommen. „Es nützt nichts, wenn der Hund perfekt ausgebildet ist, aber der Halter seine Befehle nicht durchsetzen kann.“ Der Halter muss für den Hund das Alphatier darstellen.
Auch muss der Halter in der Lage sein, für den Hund zu sorgen. „Mindestens eine Stunde Freizeit und Auslauf pro Tag muss der Halter seinem Assistenzhund gewährleisten können“, erklärt Frau Corman. „Wer 100% arbeitet, wird kaum genügend Zeit für die Befriedigung der Bedürfnisse des Hundes haben.“
Die Tiere werden keinesfalls ausgenutzt. Da Hund und Halter ein Team bilden, wird auch vom Halter verlangt, dass er oder sie auf die Wünsche und Bedürfnisse des Hundes Rücksicht nimmt. Natalie Corman relativiert: „Reine Familienhunde können schnell gelangweilt sein, da sie unterfordert sind. Ein Assistenzhund aber hat Freude an seiner Arbeit und lernt ein Leben lang neues dazu.“ Ein aufregenderes und abwechslungsreicheres Leben denn als Assistenzhund kann ein Hund fast nicht haben.
Unter dem Patronat der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde
„Leider haben wir von Zeit zu Zeit zu wenig Gastfamilien“, bedauert die Hundetrainerin, doch: „Da wir jedoch unter dem Patronat der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde stehen, können wir von dort Welpen (falls sich eine Gastfamilie dafür findet) und erwachsene Hunde beziehen und zum Assistenzhund ausbilden.“
- Natalie Corman sucht die Welpen sorgfältig aus (FIDES)
Die Befehle erfolgen auf Französisch. Hauptsächlich, weil Französisch als lateinische Sprache silbenreicher und dadurch die Befehle differenzierter sind und so vom Hund besser verstanden werden. Dass Kinder oder andere Menschen den Assistenzhund bei der Arbeit nicht mit Befehlen wie „Sitz!“, „Gibt Laut!“ etc. verwirren können, ist ein positiver Nebeneffekt.
Die 52 Grundbefehle wie „Apporte!“ lassen sich beliebig erweitern. Welche davon er dann wirklich in seiner Eigenschaft als Assistenzhund braucht oder welche erweitert werden, liegt ganz bei den Bedürfnissen seines Halters.
Voraussetzungen eines interessierten Bewerbers sind Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, den Hund zu führen und artgerecht zu halten sowie ein Leistungsanspruch von der Invalidenversicherung. Der Bewerber muss zudem in der Lage sein, dem Hund eindeutige Hör- oder Sichtzeichen zu geben.
Wenn Sie mehr über die FIDES Assistenzhunde erfahren möchten oder über die Anschaffung eines Assistenzhundes nachdenken, besuchen Sie die Website von FIDES oder kontaktieren Sie Natalie Corman direkt. Auch interessierte Gastfamilien für Welpen werden immer wieder gesucht.
Text: MPL - 08/2010
Bilder: FIDES
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Coole Tiere!!