NoBody's Perfect
Ein Kalender mit Aktbildern von contergangeschädigten Menschen – Darf man das? Es ist sicher eine ungewöhnliche Idee, welche Niko von Glasow hatte. Da er aber selber von den Auswirkungen des Medikamentes betroffen ist, steht das multimediale Projekt in anderem Licht da.
Für Niko von Glasow war das Projekt absolutes Neuland. Zwar ist er selber durch Contergan geschädigt, dennoch thematisierte der Regisseur in seinen Filmen bislang nie das Thema Behinderung. Es gab für ihn einfach keinen Grund dazu. Bis anhin hatte er sein Handicap und seinen Körper einfach verdrängt. Nicht ignorieren konnte er aber die Tatsache, dass die Leute auf sein Äusseres unsicher reagierten.
Ein anderes Bild
Doch durch den Entschluss, andere Leute mit Handicap nackt vor die Kamera zu stellen, musste er sich auch mit sich selber auseinandersetzen. Erst wenn er den Mut hatte, selber vor der Linse entblösst dazustehen, war er bereit für das Projekt. Die Suche nach den elf anderen Modellen für die Bilder war weniger schwierig als erwartet.
Die Idee, Fotos mit dem Ausdruck von Stärke, Würde und Integrität zu schaffen, kam bei den Angefragten gut an. So hatten die Portraitierten die Möglichkeit, sich jenseits der Alltagsschwierigkeiten zu präsentieren und die Schönheit des Unvollkommen zu zeigen.
Bewusste Provokation
Von Anfang an war klar, dass die Arbeit nicht immer auf Verständnis stossen würde. Schliesslich ecken die Themen „Behinderte“ und „Nackte“ alleine schon an. Aber die Kombination von beidem ist dann der totale Tabubruch.
Genau mit dieser Provokation will Niko von Glasow erreichen, dass sich der Betrachter über die eigenen Fehler und Unvollkommenheiten Gedanken macht und im Menschen das Individuum sieht. Denn etwas, was Niko während der ganze Arbeit festgestellt hatte, war dass trotz ähnlichen körperlichen Einschränkungen zwölf Leute mit komplett unterschiedlichem Charakter aufeinander trafen.
Die Werke
- Der Kalender: zwölf Hochglanzfotos für das Jahr 2009 in A3 Format
- Das Buch: Die Fotomodelle für den Kalender und ihre Biografien. 72 Seiten mit ca. 40 Bildern.
- Der Film: Die Dokumentation zur Entstehung der Fotos sowie die persönlichen Hintergründe der Protagonisten. Mit Sequenzen der Ausstellung vor dem Kölner Dom und Reaktionen der Passanten darauf. 84 Minuten.
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