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Bern: Beispielhafte Kampagne für die Schweiz

Im Kanton Bern tut sich was: Die Fachstelle Hindernisfreies Bauen Bern, verschiedene Organisationen und der Kantonsbaumeister tun sich zusammen. Ergebnis: Eine breite über drei Jahre angelegte Informationskampagne. Ziel: Barrierefreiheit als Selbstverständlichkeit. Dazu mangelt es bis jetzt an Wissen und zukunftgerichtetem Denken.

«Hindernisfreies Bauen wird leider immer noch als mühsame Verpflichtung missverstanden», sagt Giorgio Macchi, Kantonsbaumeister vom Kanton Bern. «Nicht alle Planer erachten es als ihre Verantwortung, die Bauherren zu hindernisfreiem Bauen anzuhalten». Macchi selbst geht mit gutem Beispiel voran. So sitzt er im Beirat einer gross angelegten Informationskampagne für den Kanton Bern. Die über drei Jahre angelegte Kampagne will Behörden Planer, Bauherrschaften, Schulen, Politik und die breite Öffentlichkeit sensibilisieren. Neben der Unterstützung der Berner Kantonsbehörden wird sie von verschiedenen Organisationen getragen. Mit dabei sind die Fachstelle Hindernisfreies Bauen Bern, Pro Senectute, Pro Infirmis, Procap und der Schweizerischen Vereinigung der Gelähmten. Durch diesen organisationsübergreifenden Zusammenschluss und die Beteiligung des Kantonsbaumeisters Macchi ist diese Aktion beispielhaft für die Schweiz.

Hindernisfrei ist zukunftsgerichtet

Und Aufklärung ist nötig. Vor allem bei den Architekten herrscht ein grosser Aufklärungsbedarf, wie an der kürzlichen «Kick-Off»-Pressekonferenz an der Universität in Bern klar wurde. Denn einerseits sind sie Schlüsselpersonen bei der Umsetzung, andererseits glänzen sie mit Unwissenheit. So wussten bis vor kurzem gemäss Macchi 4 von 10 Architekten nicht, dass Hindernisfreiheit bei öffentlichen Bauten ein Muss ist. Doch für Macchi ist klar: «Verantwortungsvolle Architekten planen hindernisfrei, und verantwortungsvolle Bauherren bauen hindernisfrei».

Denn hindernisfreies Bauen sei auch zukunftsgerichtetes Bauen. So sollten sich gemäss Macchi besonders langfristige Güter – wie eben Bauten – an den prognostizierten Megatrends der Zukunftsforschung orientieren. Dazu gehören unter anderem die wachsende Alterung, die bessere Gesundheit und erhöhte Mobilität. Der wichtigste Megatrend darunter ist die Prognose, dass die Gesellschaft immer älter wird. Hindernisfreies Bauen ist immer auch altergerechtes Bauen – und alt werden alle, und dies gemäss dem Bundesamt für Statistik sogar rasant. So wird die Zahl der über 60-Jährigen von gegenwärtig rund 1,5 Millionen bis ins Jahr 2040 auf 2,2 Millionen ansteigen. Dadurch wird der Wohnungsmarkt stärker als heute von älteren Menschen bestimmt: Der Anteil der über 60-Jährigen an der Wohnbevölkerung wird sich von heute gut 20 Prozent bis ins Jahr 2030 auf nahezu 30 Prozent erhöhen.

Sparpotential für die Gesellschaft

Hindernisfreies Bauen ist also eine Investition in die Zukunft. Das will die Kampagne im Kanton Bern plausibel machen. Oder um es mit den Worten von Projektleiterin Christine Häsler auszudrücken: «Engagement und Sensibilisierung für hindernisfreies Bauen schafft Nutzen für alle.» Der Nutzen liegt in ihren Augen in der vergrösserten Lebensqualität und Selbstständigkeit der Betroffenen. Das wiederum ergibt laut Häsler ein grosses Sparpotential für die Gesellschaft, indem teure Heimplätze eingespart werden können.

Text: Adrian Hauser

 

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