Amsterdam
Inzwischen ist es auch für Rollstuhlfahrer keine Besonderheit mehr, mit dem Zug zu reisen. Die allermeisten Fernzüge halten entsprechende Plätze bereit und die Infrastruktur der Bahnhöfe wurde gleichzeitig verbessert. Dass Rollstuhlfahrer auch bequem im Liegewagen fahren können, ist hingegen vielfach noch unbekannt.
Das Licht im Restaurant ist angenehm gedämpft, an den meisten Tischen sitzen einzelne Personen und lesen. Der Teppich dämpft die Schritte des Kellners, wenn er ein Glas Wein oder Bier an einen der Tische bringt. Draußen fliegen im Dunkel der Nacht Lichter, Ortschaften, Straßen und Städte vorbei. Ein sanftes gleichmäßiges Rütteln trägt die Reisenden durch die Nacht, unter ihnen auch die Rollstuhlfahrerin Ute Kaiser. Der Zug "Pollux" der CityNightLine gleitet Richtung Amsterdam. "Leider kann ich nicht immer in den Speisewagen", sagt Ute Kaiser, die regelmäßig mit den Nachtzügen der CityNightLine fährt. Manchmal sind zwischen dem Abteil für Rollstuhlfahrer und dem Speisewagen zu viele andere Wagen, die man mit dem Rollstuhl nicht durchqueren kann. "Die Schaffner und Kellner waren aber immer so freundlich, mir zu bringen, was ich haben wollte", berichtet die 40-jährige von ihren Erfahrungen.
Rollstuhlabteile im CityNightLine
Sieben Linien betreibt die CityNightLine, vier von ihnen sind mit einem Liegewagenabteil für Rollstuhlfahrer und einem entsprechenden Sanitärbereich ausgestattet. "Wir arbeiten aber daran, dass wir in absehbarer Zeit auf allen Linien ein Rollstuhlfahrerabteil anbieten können", sagt Claudia Godenzi, Leiterin Kommunikation bei CityNightLine. Zurzeit steht Rollstuhlfahrern die Linie Pollux zwischen Amsterdam und Garmisch-Partenkirchen zur Verfügung und die Linien Pegasus, Berliner und Komet bringen behinderte Reisende jeweils von Amsterdam, Berlin und Hamburg nach Zürich. Unterwegs halten die Züge nur in einigen wenigen großen Städten entlang der Strecke. Jedes der Abteile für Rollstuhlfahrer bietet Platz für zwei Personen, wobei für die Begleitperson das obere Etagenbett zur Verfügung steht. Alle Schalter für das Abteil sind bequem vom Bett aus zu erreichen, inklusive einer Ruftaste für den Schaffner im Notfall.
Anmeldung über die Servicezentrale
Ortswechsel: Während an den anderen Bahnsteigen am Münchner Hauptbahnhof die Züge nur wenige Minuten verweilen, geht es an Gleis 16 gemächlicher zu. Die meisten Reisenden haben Gepäck bei sich und suchen zielstrebig einen bestimmten Wagen. Vor deren offenen Türen stehen Zugbegleiter, geben Auskunft und helfen beim Verladen des Gepäcks. Es ist 22.20 Uhr, der Zug fährt erst in 20 Minuten ab. Als Ute Kaiser auf den Bahnsteig rollt, wird sie vor ihrem Wagen bereits erwartet. "Oftmals nehmen mir die Schaffner das Gepäck ab, obwohl das gar nicht nötig wäre, weil ich das auf meinem Schoß bequem transportieren kann", sagt sie. Anders sieht es da beim Erreichen des Waggons aus. Dabei müssen ihr die Mitarbeiter der Deutschen Bahn mit einem Hublift behilflich sein. Auch bei der Verladung des Gepäcks im Abteil helfen die Schaffner auf Wunsch gerne.
Rechtzeitig reservieren
Damit alles so reibungslos funktioniert, empfiehlt die CityNightLine Rollstuhlfahrern, ihre Reise einige Tage vorher bei der Servicezentrale der Deutschen Bahn anzumelden. Da pro Zug nur ein rollstuhlgerechtes Abteil zur Verfügung steht, sollte man diesen Rat befolgen und sich seinen Platz rechtzeitig reservieren. Mit dem eigens für sie vorgesehenen Abteil sind Rollstuhlfahrer übrigens privilegiert. Zum einen befindet sich die Toilette gleich neben dem Abteil. Auch diese ist selbstverständlich für die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern eingerichtet. Ausreichende Bewegungsflächen und Haltegriffe am unterfahrbaren Waschbecken sowie an der Toilette sorgen dafür, dass die Körperpflege nicht zu kurz kommt. Zum anderen müssen andere Fahrgäste sich im Liegewagen das Abteil mit drei beziehungsweise fünf weiteren Personen teilen. Ein Rollstuhlfahrer und sein Begleiter sind dagegen unter sich, so dass einer ungestörten Nachtruhe nichts im Wege steht.
Mobilitätsservicezentrale
Informationen, Fahrkarten und Reservierungen zu den Zügen der CityNightLine erhält man bei der Mobilitätsservicezentrale der Deutschen Bahn AG unter der Telefonnummer 01805/512512 (Euro 0,12/Min.). Die Mobilitätsservicezentrale ist von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr erreichbar und Samstags von 08 bis 14 Uhr. Weitere Infos auch auf der Webseite der Deutschen Bahn.
Quelle: HANDICAP Ausgabe 3/2003
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