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für Menschen mit Behinderung

Mit dem Rolli vom Jura ans Mittelmeer

Die Welt ist voll von Abenteuern, die nur darauf warten, erlebt zu werden. Die Stiftung Expéhandicap unterstützt behinderte Menschen, welche planen, dem Alltagstrott zu entfliehen, um ihr ganz persönliches Abenteuer zu erleben.

„Lust auf Abenteuer heisst: ein großes Ja zum Leben und ein kleines Nein zur Gesellschaft“, lautet ein Zitat des deutschen Filmkritikers Georg Seesslen. Für Rachel Mougin ist Lust auf Abenteuer ein langgehegter Traum. Und den hat sich die 24-jährige Französin im September 2007 erfüllt: Die spastische Tetraplegikerin fuhr mit ihrem Elektrorollstuhl vom Neuenburger Jura bis an die Mittelmeerküste von Südfrankreich.

Keine Angebote „von der Stange“

Ein Jahr lang hatte sich Rachel auf dieses Abenteuer vorbereitet. Unterstützung erhielt sie dabei von Expéhandicap. Diese Stiftung hilft bei der Sponsorensuche und weiteren Finanzierungsmöglichkeiten, Organisation der Transportmittel, Routenplanung, Logistik, Betreuung während der Expedition sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit (Internetseite, Bilder, Medienmitteilungen usw.)

Allerdings bietet Expéhandicap keine pfannenfertigen Abenteuer an, für die man sich nur noch anmelden muss. „Die Initiative muss vom Behinderten ausgehen“, sagt Jean-Philippe Patthey, Gründer und Präsident der Stiftung. „Die Person mit Handicap muss ihr Abenteuer selber vorbereiten. Wir stellen unser Know-how zur Verfügung.“

Hundeschlittenfahrt in Kanada

Abenteuer sind auch für Jean-Philippe Patthey selbst die grosse Leidenschaft. So absolvierte er zum Beispiel die Strecke Paris – Dakar auf Schusters Rappen, und Australien durchquerte er mit dem Landsegler. Für einen anderen Abenteurer - den in der Schweiz lebenden Südafrikaner Mike Horn - organisierte er 2002 die gesamte Logistik für dessen Umkreisung des nördlichen Polarkreises.

Schon einige Jahre zuvor hatte Patthey eine andere Expedition organisiert, die ihn nachhaltig prägen sollte. Mit elf Behinderten war er in Kanada mit Schneetöff und Hundeschlitten unterwegs. Zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2001 lud er die Teilnehmer von damals sowie deren Helfer zu einem Fest ein und nutzte den Anlass, um die Stiftung Expéhandicap ins Leben zu rufen. „Das erschien mir sinnvoller als mich mit Geschenken überhäufen zu lassen“, sagt Patthey.

Abenteuer vor der eigenen Haustür

Das Abenteuer von Rachel Mougin war das erste Projekt von Expéhandicap – und soll nicht das letzte gewesen sein. „Mir wurden verschiedene Projektideen zugetragen, aber eine offizielle Anfrage habe ich noch nicht erhalten“, erklärt Jean-Philippe Patthey. Es müssen nicht haarsträubende Unterfangen sein, bei denen es um Leben und Tod geht. “Abenteuer gibt es auch vor der eigenen Haustür“, ist Patthey überzeugt.

Text: phi 12/2007-MyH

 

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