Forum, Infos & Adressen
für Menschen mit Behinderung

„F“ wie Flexibilität

Flexible Lösungen bei der Weiterbildung ermöglichen Menschen mit Handicap eine berufliche Perspektive. Mit „Modell F“ kann das Studium nach persönlichen Bedürfnissen gestaltet werden, bei Bedarf ist auch ein Unterbruch möglich.

Da wäre zum Beispiel der Fall einer Studentin. Die Frau kann pro Tag nicht länger als 4 Stunden sitzen, was ihr bis jetzt ein ganztägiges Studium verunmöglichte. Durch „Modell F“ konnte die Weiterbildung nun auf ein 50%-Pensum angepasst werden. Dafür verlängerte sich die Studiumsdauer von 3 auf 6 Jahre.

Genauso praktisch ist die Möglichkeit, das Studium kurzfristig und ohne Auskunftspflicht zu unterbrechen. So sind Klinik- und Reha-Aufenthalte organisatorisch gut zu bewältigen. Auch plötzlich auftretende gesundheitliche Probleme wirken sich nicht auch noch negativ auf das Studium aus. Bei der Umschulung behinderter Menschen bietet „Modell F“ ebenfalls neue Perspektiven.

Flexibel mit Qualität

Ziel von „Modell F“ ist es, in den Bildungsinstitutionen Standards zu schaffen, welche die Bildungsgänge flexibilisieren, ohne dabei die Qualität der Weiterbildung zu gefährden. Dabei unterstützt der Verein die Schulen in der Analyse, Konzeption und Umsetzung nach folgenden Grundsätzen:

  • Die Qualität der Bildungsgänge ist gewährleistet.
  • Die Studierenden bestimmen das Lerntempo selber
  • Die Bildungsgänge können unterbrochen werden
  • Die Bildungsgänge führen zu anerkannten Abschlüssen und Diplomen

Dies bildet die Basis, damit Studierende gemeinsam mit den Schulen ein Studium planen, das ihren Bedürfnissen gerecht wird. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass sie die Weiterbildung ohne Angabe von Gründen unterbrechen können, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder fortzusetzen.

Keine Rechtfertigung nötig

Die Idee hinter diesem Projekt war ursprünglich die verbesserte Integration von gut ausgebildeten jungen Müttern in die Berufswelt. Denn nur mit einer flexiblen Lösung konnten die Frauen Beruf, Weiterbildung und Familie unter einen Hut bringen. Doch bald stellte die Projektleitung fest, dass dieses Angebot auch gerne von Vätern, Leistungssportlern, Militärdienstleistenden und Menschen mit Behinderung genutzt würde.

Wie Rebekka Risi von der Projektleitung gegenüber MyHandicap erklärte, geht es bei „Modell F“ auch um eine Flexibilisierung ohne Rechtfertigungsdruck. So können die Studierenden die Weiterbildung jederzeit und ohne Angabe von Gründen unterbrechen. Bis anhin mussten die Studierenden Absenzen mühsam mit Belegen entschuldigen. In manchen Fällen bedeutete ein Unterbruch auch gleichzeitig das Ende des Studiums.

Das Projekt ist für Erwachsene konzipiert und überlässt ihnen auch die Eigenverantwortung bei der Umsetzung des Studiums. Wichtig ist, dass die Qualität der Weiterbildung gewährleistet bleibt. Nur so können die Abschlüsse und Diplome auch als gleichwertig anerkannt werden. Zudem sollen Aufgrund der Zertifikate keine Rückschlüsse über die Gründe der Anpassung des Studiums gemacht werden können.

An über 15 Schulen

In der Pilotphase waren schon 15 Schulen in der ganzen Schweiz mit 250 Bildungs- und Studiengängen involviert. Jetzt sollen weitere folgen. Für Schulen ist das Modell interessant, weil sie dadurch Leute ausbilden können, welche bis anhin keine Möglichkeit für ein Studium hatten. Ausserdem erhalten die Bildungsinstitutionen eine Zertifizierung für ihre Studiengänge nach „Modell F“.

Für Menschen mit speziellen Anforderungen hat man mit dem Projekt eine gute Lösung gefunden. Vielleicht ist diese System ja zukunftsweisend und es setzt sich im gesamten Bildungsbereich eine Flexibilisierung für alle Lernenden durch.

 

Text: HIA - 06/2008

 

Balgrist Brainjoin National Suisse Dow



> Passwort vergessen?

 Registrieren

Website durchsuchen