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Der Arzt im Rollstuhl: Christian Wenk

C. Wenk im Rollstuhl vor dem Hauptgebäude des SPZ, mit einer Hand in die Zukunft zeigend
Seit 2009 ist Christian Wenk Oberarzt im SPZ und ein gutes Beispiel für seine Patienten (Foto: Ovationcy GmbH)

Christian Wenk ist Oberarzt am Schweizer Paraplegiker Zentrum und seit einem Sportunfall querschnitt-gelähmt. Der Pianist und Handbiker ist als Selbstbetroffener ein gutes Vorbild für seine querschnittgelähmten Patienten.

Seit 2000, durch einen Trainingsunfall in Japan ist Christian Wenk querschnittgelähmt. Er prallte mit dem Velo in einer Kurve mit 70km/h in einen falsch parkierten Lieferwagen. Bei dem Unfall erlitt er gequetschte Lungen, Rippenbrüche, durchgebissene Zunge, eine schwere Hirnerschütterung und drei gebrochene Brustwirbel.

Für die Rücken-OP zurück in die Schweiz

„Es ist ein Wunder, dass ich den Unfall überlebt habe, und dieses Wunder haben die Japaner geleistet“, erinnert sich Wenk zurück. Die Rückenoperation jedoch wurde auf Wenks eigenen Wunsch in der Schweiz durchgeführt. „Vermutlich lag es an dem Vertrauen, das man in die Medizin des eigenen Landes hat. Heute bin ich überzeugt, dass eine Operation in Japan mindestens genauso gut herausgekommen wäre wie in der Schweiz.“

Dadurch, dass Wenk ab dem dritten Brustwirbel abwärts gelähmt ist, hat er auch keine Brustmuskulatur mehr, die ihn bei aufrechtem Sitzen unterstützen kann. „Wenn ich etwas hochheben will, muss ich mich mit der anderen Hand festhalten.“ Inzwischen hat er die Strategie, seine fehlenden Rumpfmuskeln mit den Armen zu kompensieren, soweit perfektioniert, dass es sogar kaum auffällt, wenn man davon weiss.

C. Wenk mit Anzug und Fliege lächelnd am Klavier
„Musik ist wichtig für meinen inneren Ausgleich.“ (Foto: Ovationcy GmbH)

Barrierefreier Arbeitsplatz Spital

Viel Zeit zum Erholen gönnte sich der damals 26-Jährige nicht. Nach einer rekordverdächtig kurzen Reha von nur zehn Wochen im Paraplegikerzentrum Balgrist in Zürich entschloss er sich, sein Musikstudium zugunsten eines Medizinstudiums aufzugeben. Schon knapp ein Jahr nach dem Unfall arbeitete er als Unterassistenzarzt. Später dann war er als Assistenzarzt im Luzerner Kantonsspital auf der Abteilung für Hirn- und Nervenverletzte tätig.

„Am Anfang war vieles schwierig, da der Kreislauf und die Belastbarkeit noch instabil waren.“ Doch Christian Wenk ist ehrgeizig und steckt sich selbst hohe Ziele. Inzwischen ist er Oberarzt am Schweizer Paraplegikerzentrum in Nottwil, Abteilung Physikalische Medizin und Rehabilitation.

Probleme mit Barrieren hat er dort keine. Alle Gebäude sind rollstuhlgängig und als Selbstbetroffener ist er für sein Team und vor allem für die Patienten ein wichtiges Vorbild. „Dr. Wenk gibt uns einen noch tieferen Einblick in die Belange Querschnittgelähmter und ihm fallen Dinge auf, die uns entgehen“, erklärt ein Teammitglied. Wenk selber sieht sich als grosse Chance für die Patienten.

„Wenn ich als Betroffener den Patienten authentisch etwas über ihre Situation erzähle, fühlen sie sich eher verstanden“, sieht Wenk die Vorteile seiner Behinderung im Beruf. Allerdings: „Ich wäre gerne Rettungsarzt bei der Rega geworden, was mit dem Rollstuhl aber unmöglich ist.“

„Für alle anderen medizinischen Bereiche ist der Rollstuhl kein Hindernis“. Denn immerhin sind Spitäler jene öffentlichen Gebäude, wo tagtäglich Rollstühle, Krankenbetten und Infusionsständer herumgefahren werden, somit waren für den Arzt im Rollstuhl keine Anpassungen am Arbeitsplatz nötig.

C. Wenk lächelnd mit dem Handbike auf dem Julier-Pass mit Schweizer Fahne
Christian Wenk mit dem Handbike auf dem Julier-Pass (Foto: Christian Wenk)

Ungebrochene Radleidenschaft

Als Duathlet vor dem Unfall, blieb Wenk auch danach die Leidenschaft fürs Velofahren und somit ist er von zwei auf drei Räder, auf das Handbike, umgestiegen. Auch hier trainierte er sich schnell an die Spitze und wurde anfangs 2007 von der Geschäftsleitung der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung sogar zum Nationaltrainer Handbike gewählt. Die Schweizer Handbiker haben während seiner Amtszeit mehrere Paralympics- und WM-Medaillen geholt.

„Mein nächstes grosses Ziel mit der Nationalmannschaft Handbike sind die Paralympischen Spiele in London 2012.“

Neben Arzt und Sportler auch Pianist

Eine weitere Leidenschaft des 36-Jährigen ist das Piano. Im jungen Alter von sieben Jahren begann er Klavier zu spielen und vor seinem Unfall hatte er eineinhalb Jahre Musik studiert. Dass er das jedoch nicht zu seinem Beruf machen will, wusste er schon damals. Musik spielte in seiner Familie schon immer eine grosse Rolle. Seine Mutter spielt Geige im Orchesterverein Zürich, sein Vater wirkt als Cellist und Präsident in diesem Orchester und seine Schwester ist Profigeigerin.

Als Wenk nach der Reha wieder ans Klavier sass, merkte er schnell, dass Spielen wie bisher nicht mehr möglich war. Der hohe Grad seiner Lähmung liess eine Betätigung des Klavierpedals nicht mehr zu und beeinträchtigte die zum Klavierspielen notwendige Stabilität. Dank eines speziell für ihn entwickelten Systems zur Bedienung des Pedals, einer Art Röhrchen, das er mit dem Mund bedienen kann, und mit seinem starken Willen intensivierte Christian Wenk das Klavierspiel wieder.

C. Wenk in Anzug auf Bühne mit Flipchart im Hintergrund
„Ich predige niemandem meine Überzeugung, sondern versuche sie vorzuleben“ (Foto: Ovationcy GmbH)

„Musik ist der Zugang zu Emotionen, zu meinem Inneren“, erklärt Wenk seine Leidenschaft. 2003 gab er sein erstes Konzert mit Orchester nach seinem Unfall. Fortan übte er eine rege Konzerttätigkeit aus und trat als Kammermusiker und Solist mit verschiedenen Orchestern auf, unter anderem mit dem Sinfonieorchester Nota Bene und dem Orchesterverein Zürich.

Weiterhin grosse Ziele

„Ich suche immer wieder neue Herausforderungen, das ist auch wichtig, denn alle brauchen diese Herausforderungen als Bestätigung. Der Querschnitt sei die ultimative Herausforderung, dies zu toppen würde sich als sehr schwierig herausstellen!“

Seine nächste Herausforderung dürfte nach der Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin die Gründung einer eigenen Familie sein. Weitere Pläne wird er auf seiner persönlichen Website veröffentlichen. Eines ist jedoch sicher: Es werden ehrgeizige Pläne sein!

Text: MPL -11/2010

Bilder: Ovationcy GmbH / Christian Wenk

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